Debatte um Stadtentwicklung

Nachverdichtung in Waldkraiburg: Im Prinzip ja, aber behutsam

So könnte das Mehrfamilienhaus aussehen, das ein Investor im Grünen Weg errichten will. Den Mitgliedern des Bauauschusses ist das zu massiv.  Elger/Stadt
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So könnte das Mehrfamilienhaus aussehen, das ein Investor im Grünen Weg errichten will. Den Mitgliedern des Bauauschusses ist das zu massiv. Elger/Stadt
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Flächensparende Nachverdichtung ist das Gebot der Stunde in der Stadt Waldkraiburg. Doch wie schwer es ist, das richtige Maß zu finden, das wurde im zuständigen Ausschuss des Stadtrates kürzlich bei einigen Projekten deutlich.

Waldkraiburg – Nachverdichtung – kein Wort fällt häufiger im Stadtentwicklungsausschuss. Und im Grundsatz sind sich die Kommunalpolitiker einig, dass es dazu keine Alternative gibt, aus ökologischen Gründen, um Flächen zu sparen, in Waldkraiburg nicht zuletzt auch deshalb, weil die Stadt bei der Entwicklung von Bau- und Gewerbeflächen längst an ihre Grenzen stößt.

Kontrovers diskutiert

Nach kontroverser Diskussion hat das Gremium sowohl eine Voranfrage für den Bau eines Mehrfamilienhauses am Grünen Weg wie eines Wohn- und Bürogebäudes in der Komotauer Straße einstimmig abgelehnt. In beiden Fällen, die nicht durch einen Bebauungsplan geregelt sind, war den Stadträten die geplante Bebauung zu massiv. Bei dem Hinterliegergrundstück in der Komotauer Straße wurden außerdem Einwände gegen die starke Versiegelung des Grundstücks laut.

Bebauung im Grünen Weg „zu wuchtig“

Das Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage, das zwei Wohnhäuser mit gastronomischer Nutzung im Erdgeschoss ersetzen soll, sei baurechtlich durchsetzbar, stellte Bauamtsleiter Carsten Schwunck klar. Bei der Frage, ob sich der viergeschossige Baukörper in die Umgebungsbebauung einfügt, meldeten zahlreiche Stadträte Bedenken an.

Im Vergleich zum näheren Umfeld sie das Gebäude „zu wuchtig“, finden Karl Heinz Stocker (CSU) und Wolfgang Hintereder (UWG), der hinzu setzte, dass es in der Umgebung keine Gebäude in der geplanten Dimension gebe. Anton Sterr (CSU) plädierte dafür, sich an der bestehenden Bebauung im Westen des Grundstücks zu richten, und die sei ein Stockwerk tiefer.

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Sogar „ein oder zwei Stockwerke runter“ will Christoph Vetter (UWG), um ein Bindeglied zwischen der höheren Bebauung im Westen und Einfamilienhäusern im Osten zu schaffen. Ernst Schäffer (AfD) glaubt, dass die Anlieger nicht so sehr die Wuchtigkeit des Gebäudes scheuen, sondern befürchten, dass durch die große Baumaßnahme die Substanz der eigenen alten Häuschen Schaden nehmen könnte. In der geplanten Höhe will der Ausschuss keine Baugenehmigung für das Projekt in Aussicht stellen.

Komotauer Straße: Kritik von Anliegern

Vier Wohnungen und ein Büro will ein Bauwerber auf einem Hinterliegergrundstück in der Komotauer Straße errichten. Das Gewerbe, ein Beratungsbüro ohne Kundenverkehr, sei nicht störend, so der Bauamtsleiter, und deshalb im Allgemeinen Wohngebiet ausnahmsweise zulässig.

Der Hauptbaukörper ist zum Teil dreigeschossig (Höhe: 9,20 Meter), zum Teil zweigeschossig (6,34 Meter) und soll ein begrüntes Flachdach bekommen. Daran entzünden sich massive Beschwerden von Nachbarn, weil in der nächsten Umgebung Satteldächer mit Wandhöhen bis zu 6,83 Metern und Firsthöhen bis zu 11,13 Metern stehen. Auch gegen die Zufahrt direkt an der Grundstücksgrenze wenden sich einige Anlieger.

Am Flachdach scheiden sich dei Geister

Der Bauamtsleiter verwies zwar darauf, dass ein Flachdach nach dem Einfügegebot des Paragraf 34 Baugesetzbuch nicht ausgeschlossen werden könne und im Süden des Grundstücks Wohnhäuser noch näher an der Grundstücksgrenze stehen, doch die Mehrheit im Ausschuss teilt die Bedenken der Nachbarn.

Dreigeschossig mit Flachdach sei die Bebauung sehr massiv, meinte etwa Anton Sterr (CSU), der ebenso die Einsprüche der Nachbarn gegen die Versiegelung der Zufahrt und der Parkplätze an der Grundstücksgrenze gut verstehen kann.

Kritik an überzogener Versiegelung

Damit hat auch Monika Ott (Grüne) ein Problem. Das sei schädlich für die Artenvielfalt und „weder für die Natur noch für die Nachbarschaft tragbar. Da versickert nichts mehr und die Nachbargrundstücke vertrocknen.“

Der Bauwerber habe ein Recht, die Bäume auf seinem Grundstück zu fällen, stellte Schwunck klar. Auch eine Versiegelung könne die Stadt ihm nicht verbieten und ihn mit weiteren Vorgaben „kalt enteignen“. Dafür brauche es sehr enge städtebauliche Ziele. Möglich sei es allerdings, in Verhandlung mit dem Bauherren auf eine Reduzierung der versiegelten Flächen hinzuwirken und die Zufahrt anders zu gestalten. Die Vorgabe eines Satteldaches könnte beklagt werden.

Den Vorschlag von Anton Sterr, die Dachform über einen Bebauungsplan zu regeln, hält der Bauamtsleiter für den falschen Weg. Ein Bauleitplanverfahren müsse im gesamten Quartier Nachverdichtungspotenziale aufzeigen. Die gebe es aber nur auf diesem einen Grundstück.

Einstimmig gegen Bauvoranfrage

Christoph Vetter (UWG) sieht das Vorhaben weniger kritisch. Im Viertel gebe es auch andere Häuser mit Flachdach, allerdings sollte der dreigeschossige Teil um ein Stockwerk reduziert werden, findet er. Am Ende stimmte der Ausschuss geschlossen gegen die Bauvoranfrage. Die Verwaltung solle in neue Gespräche mit dem Bauherren treten.

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