Nachts in Waldkraiburg drei Autos demoliert: Letzte Chance für jungen Arbeitslosen

Eine letzte Chance gewährten Richter und Staatsanwältin einem 19-jährigen Mann aus dem Landkreis. Sollte er die auferlegten 50 Sozialstunden fristgerecht ableisten, wird das Verfahren wegen Sachbeschädigung an drei Autos eingestellt.
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Eine letzte Chance gewährten Richter und Staatsanwältin einem 19-jährigen Mann aus dem Landkreis. Sollte er die auferlegten 50 Sozialstunden fristgerecht ableisten, wird das Verfahren wegen Sachbeschädigung an drei Autos eingestellt.

Seit dem Ende der Förderschule hat er nicht viel auf die Reihe gebracht: ein 19-jähriger Arbeitsloser aus dem Landkreis, der in einer Nacht drei Autos in Waldkraiburg demolierte. Vor Gericht gab er alles zu. Jetzt muss er die letzte Chance nutzen, die Richter und Staatsanwältin ihm gewährten.

Waldkraiburg/Mühldorf– Ein 19-jähriger Arbeitsloser aus einer Landgemeinde im Landkreis musste sich vor Amtsrichter Dr. Christoph Warga verantworten, weil er mit einem vermeintlichen Kumpel nachts in Waldkraiburg drei geparkte Autos demoliert hat. Der Beschuldigte, der voll geständig war, hatte keinen Rechtsanwalt eingeschaltet.

In Tropschallee an drei Autos „ausgetobt“

Die Staatsanwältin aus Traunstein warf ihm Sachbeschädigung in drei Fällen vor. Im Dezember letzten Jahres war das stark alkoholisierte Duo in der Tropsch-allee unterwegs. Nach Mitternacht kam der Angeklagte auf die Idee, sich an den Autos auszutoben. Beschädigt wurden ein weißer VW Caddy, ein weißer Ford Transit und ein roter VW-Transporter.

Die beiden Männer traten gegen die Türen und die Außenspiegel. Beim ersten Fahrzeug war der Schaden am größten, er belief sich auf knapp 3600 Euro, während beim Ford Transit 1095 Euro Reparaturkosten kalkuliert wurden. Der VW-Transporter schlug mit 1900 Euro zu Buche, so dass ein Gesamtschaden von etwa 6600 Euro entstanden war.

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Als Zeuge sagte ein Polizeihauptkommissar aus, der den Fall bearbeitet hatte. Er berichtete, dass eine aufmerksame junge Mutter während des Fernsehprogramms Geräusche von draußen vernommen hatte und auf ihren Balkon gegangen war. Als sie „Was soll das?“ hinunter rief, liefen die beiden Rowdys davon. Die daraufhin von der Frau alarmierte Polizei traf kurz darauf ein und konnte die beiden Täter noch vor Ort verhaften.

Angeklagter hatte 2,5 Promille

Beim Angeklagten wurde ein Blutalkoholgehalt von 2,5 Promille festgestellt. Sein Mittäter, mittlerweile wegen eines anderen Deliktes in Haft, wird in einem separaten Prozess zur Verantwortung gezogen.

Der Beschuldigte gestand den Tatvorwurf der Staatsanwältin ein, auch, dass er die Idee zu diesem nächtlichen Spuk mit großen Schaden gehabt hatte. Es sei eine „Sch…aktion“ gewesen, so der junge Mann.

Bislang keine Eintragung in Erziehungsregister

Ein Blick des Richters in das Erziehungsregister ergab, dass der Beschuldigte „eine blütenweiße Weste“ hatte, er hatte noch keine Eintragungen. Das Erziehungsregister wird bei Jugendlichen und Heranwachsenden (bis 21 Jahre) eingesehen. Für ältere Delinquenten gilt das Bundeszentralregister, wo eventuelle Vorstrafen eingetragen sind.

Da der Angeklagte also noch als Heranwachsender geführt wird, wurde ein Vertreter der Jugendgerichtshilfe gehört. Dieser berichtete, dass der junge Mann noch bei seinen Eltern lebe, die auch seinen Lebensunterhalt bestreiten würden. Schulden habe er keine. Doch seit Abschluss der Förderschule habe der junge Mann „nichts auf die Beine gestellt“. 30 Sozialstunden, die ihm wegen der Sachbeschädigung auferlegt worden waren, hatte er bislang nicht absolviert.

Der Angeklagte will den Brief mit den Auflagen nie erhalten haben. Da diese Briefe üblicherweise nicht als Einschreiben mit Rückschein versandt werden, konnte ihm die Behauptung nicht widerlegt werden.

50 Sozialstunden auferlegt

Letzten Endes einigten sich Richter und Staatsanwältin, dem Angeklagten eine letzte Chance zu geben. 50 Sozialstunden wurden ihm auferlegt, das Verfahren vorläufig eingestellt. Nun muss sich der 19-Jährige zur Einteilung für die Sozialstunden beim Amt für Jugend und Familie melden, eine weitere Woche hat er Zeit, sich bei der zugewiesenen Stelle vorzustellen.

Richter entlässt Angeklagten mit einer Drohung

Schafft er dies, wird das Verfahren endgültig eingestellt. Sollte ihm dies nicht gelingen, kommt es zu einer erneuten Verhandlung, bei der er, so Richter Warga, nicht so glimpflich davonkommen werde. hra

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