Nachruf

Die älteste Bürgerin Tögings: Wilhelmine Hörger nach einer Corona-Infektion gestorben

Auf dem Seniorentag des letzten Töginger Volksfestes wurde sie noch als älteste Teilnehmerin mit einem Präsentkorb geehrt: Wilhelmine „Wilma“ Hörger, die im Alter von 102 Jahren gestorben ist.
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Auf dem Seniorentag des letzten Töginger Volksfestes wurde sie noch als älteste Teilnehmerin mit einem Präsentkorb geehrt: Wilhelmine „Wilma“ Hörger, die im Alter von 102 Jahren gestorben ist.
  • vonPeter Becker
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Noch an ihrem 101. Geburtstag brachte sie ihren Gästen ein musikalisches Ständchen auf der Mundharmonika: Wilhelmine Hörger, die älteste Bürgerin Tögings, die mit 102 Jahren an Corona gestorben ist.

Töging – Sie war die älteste Bürgerin Tögings, Wilhelmine Hörger, die an den Folgen einer Corona-Infektion im Alter von 102 Jahren verstorben ist.

Corona-Infaktion, Schwächeanfall, Klinik-Aufenthalte

Der letzte Covid-19-Test im Seniorenheim Toerringhof, wo sie seit September lebte, sei wieder negativ verlaufen, heißt es von Seiten der Angehörigen. Doch bei den Krankenhausaufenthalten in Mühldorf und Burghausen, nach einem Schwächeanfall im Dezember, hatte sie das Bett kaum mehr verlassen. Mit „Wilma“, wie sie ihre Freunde nannten, verlor die Stadt am Innkanal damit ihre älteste Mitbürgerin. Im engsten Familienkreis wurde sie zu Grabe getragen.

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Der evangelische Pfarrer Johann-Albrecht Klüter blickte bei der Trauerfeier mit Blick auf das lange und erfüllte Leben der ältesten Tögingerin zurück, die als Wilhelmine Stenzel am 17. November 1918 in Frechen zur Welt kam. Mit fünf weiteren Geschwistern wuchs sie bei der väterlichen Schmiede auf.

Schon mit zwölf verlor sie ihre Mutter

Den rheinischen Dialekt verlernte sie nie wieder und entwickelte dort wohl auch ihre Frohnatur. Dabei hatte sie keine leichte Jugend: Bereits im Alter von zwölf Jahren verlor sie ihre Mutter und arbeitete dann im Ladengeschäft der Familie mit.

Das Rheinland verließ sie während des Zweiten Weltkriegs, um im niedersächsischen Gütersloh zur Telefonistin der Wehrmacht ausgebildet zu werden. Dank einer glücklichen Fügung lernte sie dort den aus Erharting stammenden Josef Hörger kennen. Schnell wurden sie und der ein Jahr ältere Oberbayer ein Paar. Als er 1944 in britische Kriegsgefangenschaft ging, sahen sich die beiden zwei lange Jahre nicht mehr.

Von Frechen nach Töging

Doch die Zuneigung war so innig, dass bereits zwei Monate nach seiner Entlassung im Jahr 1946 in Frechen Hochzeit gefeiert wurde. Bald darauf zogen die jungen Eheleute zunächst zu Josefs Eltern nach Erharting, dann nach Töging. 1949 kam der erste Sohn Franz-Josef zur Welt. 1953 folgte der zweitgeborene Hans-Peter. In dieser Zeit betrieb das Paar auch fünf Jahre lang einen Tante-Emma-Laden im „Thaler-Haus“ an der Ecke Dornbergstraße/Harter Weg.

Später arbeitete die zweifache Mutter zunächst kurz in einer Näherei in der Inn-straße und dann, bis zu ihrer Rente Anfang der 1980er Jahre, war sie als Medikamentenkurierin für die Firma GEHE aus Mühldorf in ganz Südostbayern unterwegs.

Nach 59 Ehejahren starb ihr Mann Josef

1956 baute die Familie ihr Haus in der Dornbergstraße, welches das Ehepaar erst 2005 aus Altersgründen aufgab. Nur kurz hielt es die Beiden anschließend in einem betreuten Wohnprojekt im niederbayerischen Arnstorf.

Vor allem ihrem Josef war es dort zu langweilig, weshalb es dann auch schnell zurück nach Töging ging, wo die Eheleute in einer Wohnung in der Öderfeldstraße lebten. Nach 59 Ehejahren verstarb Josef Hörger allerdings bald darauf. Wilma führte den Haushalt jedoch noch fast zehn Jahre weiter, wobei ihr eine Haushaltshilfe unter die Arme griff. Dennoch erledigte sie noch lange die meisten ihrer täglichen Geschäfte mit dem Auto und gab den Führerschein erst mit 94 Jahren ab.

Obwohl ihr das Gehen doch zunehmend schwerer fiel, bewältigte sie den mehr als ein Kilometer langen Weg in die BRK-Tagespflege in der Hauptstraße mit ihrem Rollator und war auch dann von den Treffen des evangelischen Frauenbundes noch nicht weg zu denken. Häufig war sie bei ihrem Sohn Hans-Peter und seiner Frau Evi für eine Runde Skat.

Jeden Tag ein Gläschen Eierlikör

Ob ihr das obligatorische Gläschen Eierlikör, das sie kaum einen Tag missen wollte, in ein derart seliges Alter geholfen hat, ist ungewiss. Fest steht jedenfalls, dass sie im hohen Alter ihre Musikalität wiederentdeckte: Unvergessen ist beispielsweise das Ständchen, das sie ihren Gästen am 101. Geburtstag auf einer Mundharmonika bot, die sie bereits in Kindestagen zu spielen gelernt hatte.

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