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NACH URTEIL DES VERWALTUNGSGERICHTSHOFS

„Das wird Flächenbrand“: Nach Schuhläden macht auch Waldkraiburger Sportartikler auf

Wenige Stunden nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes zur Öffnung von Schuhgeschäften sperrten Adi und Alexander Schäftlmaier auch ihren Sportartikelladen in Waldkraiburg auf, um Schuhe zu verkaufen.
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Wenige Stunden nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes zur Öffnung von Schuhgeschäften sperrten Adi und Alexander Schäftlmaier auch ihren Sportartikelladen in Waldkraiburg auf, um Schuhe zu verkaufen.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Seit Gründonnerstag dürfen in Bayern nach einem Verwaltungsgerichtsurteil Schuhläden wieder aufmachen, trotz Corona-Pandemie und Lockdown. Für Adi und Alexander Schäftlmaier vom gleichnamigen Sportartikelgeschäft war das Urteil das Signal, auf das sie gewartet hatten.

Waldkraiburg – Erst seit wenigen Stunden war das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes zur Öffnung der Schuhläden bekannt. Da sperrten sie auch die Schäftlmaiers ihr Sportgeschäft auf. Kurz nach 15 Uhr brachten Adi und Alexander eigenhändig das erste von drei Werbetransparenter am Bauhofzaun an der Teplitzer Straße an: „Wir haben geöffnet – nur Schuhe“. Sie hatten sich bayernweit mit einigen Kollegen abgestimmt und gehörten zu den ersten Sportartiklern, die aufsperrten.

Schuhläden dürfen auch bei Inzidienz über 100 aufmachen

Am Mittwoch hatte der Verwaltungsgerichtshof die Öffnung der Schuhgeschäfte auch in Gebieten mit einer Inzidenz von über 100 erlaubt. Die Begründung: Schuhe seien für die tägliche Versorgung unverzichtbar, Schuhgeschäfte deshalb mit Buchhandlungen oder Baumärkten gleichzustellen.

Schuhe führen auch Geschäfte wie der Intersport-Laden von Adi Schäftlmaier. Und kein Produkt werde im Moment stärker nachgefragt, sagt er. Bei Sportbekleidung könne man problemlos auf alte Sachen zurückgreifen. „Aber wenn die Schuhe kaputt sind, und die Kinder nicht mehr damit gehen und laufen können, dann ist das was anderes.“

Schäftlmaier: „Click & Collect“ rentiert sich nicht

Doch Schuhverkauf nach der Methode „Click & Collect“ funktioniert nicht wirklich, findet er. „Das rentiert sich einfach nicht“, schimpft der Einzelhändler. Die Kunden nehmen das nicht an. Wie solle jemand an der Ladentür Schuhe probieren, wenn das Wetter nicht passt?

Fast die Hälfte aller Sportartikel wird derzeit übers Internet verkauft

Die Folge: „46 Prozent aller Sportartikel werden zur Zeit im Internet verkauft. Ist das der Sinn der Sache, dass ganze Städte sterben?“ Bis zu 90 Prozent Minus machen nach seinen Worten derzeit manche Händler in der Branche. Nur zum Teil sei dies über den Online-Verkauf zu kompensieren, so Schäftlmaier, der sich zu den Einbußen im eigenen Geschäft nicht konkret äußern will.

Zuletzt hatte es im Zusammenhang mit der Öffnung von TEDI-Filialen Ärger gegeben, weil Ordnungsämter bezweifelten, dass das Sortiment des Non-Food-Discounters die Voraussetzungen erfüllt. Demnach muss der überwiegende Anteil der angebotenen Waren zu den vom Gesetzgeber erlaubten Produkten gehören.

Handelsverband: Sportartikler dürfen aufmachen, aber keine Textilien verkaufen

Diesen Anteil erreicht Schäftlmaier, der die Öffnung nicht mit den Behörden abgestimmt hatte, mit den Schuhen in seinem Laden nicht. Er scheue auch kein Bußgeld, sagt er am Donnerstag und beruft sich auf Auskünfte des Handelsverbands Bayern, dessen Sprecher für Oberbayern, Bernd Ohlmann, auf Anfrage bestätigte, die Öffnung der Sportartikelläden für den Schuhverkauf sei durch das Gerichtsurteil gedeckt. Allerdings dürften keine Textilien verkauft werden. Das Landratsamt äußerte sich nicht zu der Öffnung, weil es hinsichtlich der Umsetzung des Urteils noch keine weiteren Vorgaben von Seiten der Regierung oder des Gesundheitsministeriums gebe.

Erste Kundenreaktion

Ein Absperrband trennt den Textilbereich im Intersport-Laden ab. Zwei Stunden nach der Öffnung hatten sich nur vereinzelt Kunden dort eingefunden. Zum Beispiel Susanne Ebenbichler aus Kraiburg, die zufällig vorbei gekommen war und gar nichts kaufen wollte. „Ich bin einfach nur froh, mal wieder in ein Geschäft reinzugehen und zu schauen. Cool!“

In der Branche hatte sich die Nachricht längst herumgesprochen, ein Sportartikler nach dem anderen in der Region machte auf. „Das wird ein Flächenbrand“, glaubt Adi Schäftlmaier.

Kaufleute-Sprecher begrüßt Öffnung, mahnt aber konsequente Überwachung der Hygienekonzepte an

Willi Engelmann, Apotheker und Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Handel und Handwerk, kann seinen Vorstandskollegen gut verstehen. „Wenn ein TEDI aufmachen kann, dann darf das auch ein Schäftlmaier. Ich finde es richtig.“ Das sei lebensnotwendig für die kleinen Geschäfte. Engelmann mahnt zugleich aber Hygienekonzepte und deren konsequente Überwachung an.

Leider seien viele Menschen unvorsichtig und unvernünftig. Auch in Waldkraiburg könne das jeder sehen, auf öffentlichen Plätzen, auch vor Lokalen, vor denen sich Leute drängeln. „Schade, denn das fällt uns wieder auf die Füße.“

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