Nach schmerzhaftem Biss: Waldkraiburger Hundehalterin plädiert dafür, Hunde immer anzuleinen

Am Vatertag wurde Brigitte Ruchlinski beim Spazierengehen von einem Pointermischling gebissen und am Oberschenkel verletzt. Zum Verbinden der Wunde muss sie immer noch, doch sie kann schon wieder mit ihrem Pudel „Pino“ im Garten spielen.
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„Mein Hund tut nix.“ Diesen Satz kann Brigitte Ruchlinski nicht mehr hören. „Ein Unwort“ ist das für sie. Dabei liebt sie Hunde, hatte selbst immer welche, „seit meiner Kindheit“. Doch wie gefährlich die Haustiere sein können, das hat die Waldkraiburgerin vor Kurzem am eigenen Leib erfahren.

Waldkraiburg – Beim Spaziergehen wurde sie am Vatertag gegen 17.30 Uhr von einem Pointermischling gebissen. „Zehn Tage Antibiotikum, tägliche Arztbesuche, Eisbeutelumschläge und schlafarme Nächte“ waren die Folge. Noch immer muss sie zum Verbinden. Und bis alles wieder gut ist, kann es noch zwei Wochen dauern.

Ihr eigener Hund muss nicht an die Leine

Dabei hatte sie nie Angst vor Hunden, Warum auch? Sie ist mit ihnen aufgewachsen. Und ihr aktueller Liebling, Pudel „Pino“, macht ihr viel Freude. Aber auch bei dem vierjährigen Rüden weiß Frauchen um das Risiko.

„Pino“ ist mit 40 Zentimetern Schulterhöhe nach der geltenden Verordnung der Stadt kein „großer Hund“, er müsste also nicht angeleint werden. „Ich halte ihn trotzdem an der Leine.“ Denn: „Wenn er eine Katze sieht oder einen Hasen oder ein Reh im Wald, ist er weg.“ Sie ist deshalb „grundsätzlich dafür, Hunde anzuleinen“.

Ein Pointermischling kam aus dem Wald gestürzt und biss zu

Das wäre auch für den Pointermischling, der nach ihrer Einschätzung unter die großen Hunde ab 50 Zentimeter Schulterhöhe fällt, besser gewesen. Dann wäre Brigitte Ruchlinski einiges erspart geblieben. Passiert ist es auf Höhe des Tennisplatzes, an dem ein beliebter Weg vorbeiführt. „Plötzlich stürzte der Hund aus dem Forst, auf mich und Pino zu.“ Und weil Pino nicht so mutig ist, wie er aussieht, „versteckte“ er sich hinter Frauchen. Die trug eine schwere, eineinhalb Zentimeter tiefe Bisswunde am Oberschenkel davon. „Er hat den Muskel erwischt und auch Gewebe rausgerissen“, sagt sie. Der Hausarzt sei jedenfalls „richtig erschrocken“. Von ihrer Idee, „einfach ein Pflaster drauf zu machen“, hielt der Mediziner nicht viel. Nach der Erstversorgung schickte er sie ins Krankenhaus. In der Ambulanz wurde die Fleischwunde ausgeschabt und genäht.

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Einen Tage später hat Brigitte Ruchlinski den Vorfall bei der Polizei angezeigt. Die Polizeiinspektion hat die Angelegenheit aufgenommen und wie immer in solchen Fällen an die Fachleute weitergeleitet, die Diensthundeführer bei den Operativen Ergänzungsdiensten in Traunstein, die sich den Hund nun vor Ort anschauen werden.

Hundebesitzer entschuldigen sich

Es gehe ihr nicht darum, die Halter des Tieres an den Pranger zu stellen, betont die Yogalehrerin. Deren Namen will sie deshalb nicht nennen. „Die Leute waren selbst geschockt und sehr kooperativ. Ich habe ihre Entschuldigung angenommen.“

Zum Glück hat er den Enkel nicht gebissen

Die Waldkraiburgerin will die Geschichte zum Anlass nehmen, allen Hundehaltern ins Gewissen zu reden, ihre Tiere im öffentlichen Raum an die Leine zu legen. Denn: „Es hätte viel schlimmer ausgehen können. Er hätte auch den Kleinen beißen können“, so Ruchlinski, die mit ihrer Schwester und ihrem Schwager und zwei Enkeln (12 und 5) unterwegs war. „Mein Hund tut nix.“ Nein, diesen Spruch kann sie nicht mehr hören. Der Satz hilft niemandem. „Am wenigsten den Leuten, die ohnehin schon Angst vor Hunden haben.“

Was in der städtischen Verordnung über die Leinenpflicht steht

988 Hunde sind derzeit in der Stadt Waldkraiburg gemeldet, vom Zwergpinscher bis zum Bernhardiner und allen Zischenstufen und Rassen.

Um die Öffentlichkeit vor Gefahren durch Hunde zu schützen, hat die Stadt eine Verordnung erlassen, die unter anderem die Leinenpflicht regelt. Demnach sind Kampfhunde und große Hunde mit einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern innerhalb des bebauten städtischen Bereichs auf allen öffentlichen Anlagen, Wegen, Straßen und Plätzen ständig an der Leine zu führen. Die Leine darf nicht länger als drei Meter sein. Selbst mit Leine haben große Hunde und Kampfhunde auf und in der Nähe von Spielplätzen nichts verloren. Wer vorsätzlich oder fahrlässig gegen diese Vorgaben verstößt, kann mit einer Geldbuße belegt werden.

Ein Fall für den Hundeführer

Wenn Hunde Menschen beißen und verletzen, dann werden sie zum Fall für die Diensthundeführer, die bei den Operativen Ergänzungsdiensten (OED) angesiedelt sind. Die Fachleute aus Traunstein, die durch den täglichen Umgang mit Hunden viel Erfahrung haben, nehmen die Tiere vor Ort in Augenschein. Die Beamten überprüfen, ob der Hundehalter zuverlässig ist, in welchem Zustand der Hund ist, ob er eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellt.

Tipps vom Hunde-Experten

„Wie reagiert das Tier auf bestimmte Reize, aggressiv oder gelassen?“ Diese Frage gelte es bei diesen Terminen zu beantworten, so Sebastian Wegscheider, stellvertretender Leiter der OED.

Die Hundeführer erstellen zwar kein formelles Gutachten. Auf der Grundlage ihrer Eindrücke geben sie aber Empfehlungen an die zuständige kommunale Verwaltungsbehörde, in der Regel Städte oder Gemeinden, ab. Diese können von der ständigen Anleinpflicht über die bessere Einfriedung eines Grundstücks bis zur Maulkorbpflicht gehen. Wegscheider: „Meist werden diese Empfehlungen übernommen.“

Auffällige Hunde werden geprüft

Die OED Traunstein, zu der auch die zivile Einsatzgruppe, der Einsatzzug,und andere Einheiten gehören, ist für die Landkreise Mühldorf, Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land zuständig. Etwa ein- bis zweimal pro Woche stehen in dieser Region Prüfungstermine für auffällige Hunde an, Wegscheider spricht von durchschnittlich etwa hundert Fällen im Jahr.

Meist gehe es dabei um Hundebisse, bei denen keine intensive ärztliche Behandlung notwendig war. Trotzdem stehe fahrlässige Körperverletzung oder Körperverletzung durch Unterlassung im Raum. In der Regel treffen die Hundeführer auf kooperative Hundehalter.

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