Nach Brandanschlag: Stadt Waldkraiburg schlägt zwei Bürger für Rettungsmedaille vor

Birol Bostan vor dem Haus, aus dem durch sein beherztes Eingreifen viele Bewohner am 27. April vor dem Erstickungstod gerettet wurden. Larissa Pavletiv wollte sich nicht fotografieren lassen. Fib/Eß/Grundner

Hätte Birol Bostan in den frühen Morgenstunden des 27. April nicht zufällig eine Zigarette auf der Terrasse seiner Wohnung geraucht, der Brandanschlag auf eine Ladenzeile am Sartrouville-Platz am 27. April kurz vor 3 Uhr in der Früh hätte nicht sechs Verletzte gefordert, es wäre wohl alles noch viel schlimmer ausgegangen.

Waldkraiburg– 27 Menschen, die in dem dreigeschossigen Wohnhaus über den Läden wohnen, hat der Großbrand nach Einschätzung aller Experten in höchste Lebensgefahr gebracht.

Dramatische Momente

Dass keiner zu Tode kam, ist nicht zuletzt Bostan und Larissa Pavletic, einer weiteren Bewohnerin des Hauses am Stadtplatz 16, zu verdanken. Die Stadt hat die beiden nun für ihr beherztes Eingreifen mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet und sie für die Bayerische Rettungsmedaille vorgeschlagen.

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Diese Nacht wird Birol Bostan nicht mehr vergessen. „Ich hörte, wie Scheiben brechen, dann Explosionen, alle sagen zwei, ich hab drei gehört, und kurz danach jemanden weglaufen, in Richtung Stadtpark“, erinnert er sich an die Brandnacht. Er wollte runterlaufen, „da war aber schon Rauch“. Er habe sofort angefangen an die Wohnungstüren zu klopfen, um die Bewohner zu wecken, die fest schliefen. Auch die gesamte Familie von Larissa Pavletic, die ohne den Weckruf der 19-jährigen Tochter von dem Brand nichts mitbekommen hätte.

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„Alle haben mitgeholfen, die Bewohner zu warnen“, so Bostan, der um 2.56 Uhr einen Notruf absetzte. Und wenig später mit dem Großteil der Hausbewohner über die Kellerräume in die Tiefgarage und am Tiefgaragen-Ausgang zum Stadtplatz ins Freie gelangten. „Ich hatte mich mit zwei Messern bewaffnet, wir wussten ja nicht, was uns unten erwartete. Terroristen? Alles war möglich.“

Um zwei Hausbewohner, die nicht mitkommen konnten, einen Rollstuhlfahrer und eine gehbehinderte ältere Frau, kümmerte sich die Feuerwehr. Die ältere Dame musste mit der Drehleiter aus der Wohnung geholt werden.

Bürgermeister lobt selbstlosen Einsatz

Für ihren selbstlosen Einsatz dankte Bürgermeister Robert Pötzsch den beiden engagierten Bürgern. „Sie haben in der Nacht dieses verehrenden Brandes viele Menschenleben gerettet und sich dafür selbst in Gefahr begeben. Das verdient eine ganz besondere Anerkennung.“

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