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Muttersprache: Trompete spielen

Schoko spieltauch Gitarre und arbeitet mit seiner Band derzeit an einem Pre-Album.  Charles Diehle
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Schoko spieltauch Gitarre und arbeitet mit seiner Band derzeit an einem Pre-Album. Charles Diehle

„Schoko“ war als Kind ein Spitzname für Sebastian Kölbl. Andere hätten den Spitznamen an seiner Stelle vielleicht als rassistisch abgelehnt. Denn Sebastians Mama ist Afrikanerin. Mit „Schoko“ meldet er sich heute aber auch auf der Mailbox. Und der Spitzname ist praktisch für den 20-jährigen Musiker und Sänger aus Litzlkirchen bei Aschau. Er ist auch ein Künstlername.

Aschau – Den hat Schoko auch schon brauchen können. Denn er hatte schon mit sehr unterschiedlichen Bands Erfolge. Zuletzt hat er mit Band in einem Live-Festival eine hervorragende Platzierung erreicht. Rund fünf Jahre ist es her, da spielte er Trompete in der Gruppe „Blech und Krempel“, die ins Finale eines Nachwuchswettbewerbs des Bayerischen Rundfunks kam. „Uns gab es erst ein halbes Jahr, und die haben uns im Fernsehen spielen lassen“, sagt er mit einer Mischung aus Freude und Verwunderung in der Stimme. Auf den Fotos von damals trägt er eine Lederhose. Die Haare sind kurz.

Inzwischen trägt er gut schulterlange Dreadlocks. Und seine Hauptband, „Schoko and the General Healing“ spielt Gute-Laune-Musik, die manchmal Elemente von Reggae, Ska oder lateinamerikanischer Musik enthält. Die Band, die mit bis zu elf Künstlern spielt, und für die er als Frontmann singt, hat einen unverwechselbaren Sound und viele Facetten. Das muss wohl so sein, denn Schoko hat nicht nur an einer Musikrichtung Freude. Und nicht nur an einem Instrument. Zitter, Hackbrett und Ziehharmonika hat er als Bub gelernt. Alles sehr bayerische Instrumente, die ihm durch den Vater, Engelbert, von klein auf nahe waren. Denn der macht Volksmusik und steht selbst auf der Bühne.

„Ich habe alles gemacht, weil ich auf alles Lust hatte.“ Sebastian „Schoko“ Kölbl

Es war auch der Vater, der Schoko zu dem Instrument brachte, mit dem er besonders aufgefallen ist: die Trompete. „Zum ersten Unterricht hat er mich quasi gezwungen“, sagt Schoko, ohne dabei besonders leidend auszusehen. Der kleine Sebastian brachte nämlich schon beim ersten Blasen in eine Trompete einen Ton heraus – ein Erwachsener drückte die Ventile des Instrumentes. Da habe sein Papa einfach gedacht, sein Sohn müsse das Instrument spielen lernen. Nach der ersten Musikstunde habe sein Papa gefragt: „Mogst nimma, gä?“ Die Antwort des Sohnes: Doch! Schoko imitiert dabei die Euphorie eines Kindes. Die Dreadlocks fliegen durch die Luft. „Das hat mir einfach gefallen.“ Der Lehrer habe ihn nur mit dem Mundstück probieren lassen und verraten, was es noch alles zu lernen gebe. Bei einem so anspruchsvollen Instrument wie der Trompete war das eine Menge.

Trompete zu spielen sei für ihn etwas ganz Natürliches, sagt Schoko. „Wenn man das mit Sprache vergleicht, dann ist das meine Muttersprache.“ Anfangs spielt er in Aschau in der Blaskapelle. Später, am Gymnasium Gars, spielt er in der Big Band. Ein Lehrer setzte sich dafür ein, dass er schon als Unterstufenschüler mitspielen durfte, obwohl die Big Band eigentlich erst für Schüler der Mittelstufe offen war. In der Schulzeit gibt er damals auch Nachhilfe in Mathematik, Naturwissenschaften und Latein. Einige Zeit spielt er zudem Fußball im Verein.

Die Musik ist ihm am wichtigsten. Für das Instrument Trompete legt er das Musikerleistungsabzeichen in Gold ab. „Das macht man eigentlich nur, wenn man das Instrument studieren möchte.“ Schoko hat auch klassischen Unterricht bei Musikprofessoren und einem Solotrompeter. Mit der Stimme kann er selbst für Laien nachmachen, wie die Trompete in der einen oder der anderen Musikrichtung klingt. Das ist unterhaltsam. Ein Entertainer eben.

In der 11. Klasse bricht er die Schule ab. Er geht nach München. Spielt mit den verschiedensten Bands in den verschiedensten Musikrichtungen. Unter anderem ist er einige Monate der Trompeter der erfolgreichen Münchner Band „Jamaram“. „Ich habe alles gemacht, weil ich auf alles Lust hatte“, erklärt er. Es liegt sicher an seiner großen Liebe zur Musik, aber auch an seiner unglaublichen Energie. Er scheint immer in Bewegung zu sein, auch wenn er gerade aufmerksam zuhört. Derzeit spielt er in einer weiteren Band Gitarre. Zwar ist er bei „Stray colors“ nicht durchgängig zu hören, sondern meist mit einigen Soli. „Aber das stört mich nicht“, sagt er, „ich feiere da die ganze Zeit auf der Bühne.“ Während Schoko das erzählt, tanzt er. Für seine Haupt-Band, „Schoko and the General Healing“, steht die Veröffentlichung eines Pre-Albums bevor. Fünf Songs sind drauf. Schoko schreibt schließlich auch eigene Songs. Und er singt. Bei einem Lied ist auch eine Trompete zu hören. Die spielt jedoch nicht er. „Es ist schon komisch für mich, dass jemand anderes die Trompete spielt. Am liebsten würde ich alles spielen.“

Inzwischen hat Schoko München den Rücken gekehrt – wegen der hohen Lebenshaltungskosten. Er wohnt momentan wieder in Litzlkirchen. „Ich habe hier weniger Ablenkung.“ Das sei bereichernd. Und es sei „dahoam“.

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