Musik zu laut: Nachbarschaftsstreit eskaliert

Vor dem Amtsgericht Mühldorf
               musste sich ein 19-Jähriger aus Waldkraiburg wegen Körperverletzung verantworten. dpa
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Vor dem Amtsgericht Mühldorf musste sich ein 19-Jähriger aus Waldkraiburg wegen Körperverletzung verantworten. dpa

Mühldorf. – Im Februar hatte ein 19-Jähriger eine Ausei nandersetzung mit einem Nachbarn vor seiner Wohnung am Waldkraiburger Stadtplatz.

Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung vor. Jetzt musste er sich vor Amtsrichter Dr. Christoph Warga verantworten.

In einer Nacht von Samstag auf Sonntag hatte es gegen 4 Uhr an der Wohnungstür des Angeklagten geklopft. Der unter ihm wohnende Nachbar stand davor und bat, die Musik leiser zu drehen, er könne nicht schlafen. Zwischen den beiden Nachbarn war es wohl schon öfter zu Unstimmigkeiten gekommen.

Angreifer würgt, Opfer beißt zu

Nach einer verbalen Auseinandersetzung kam es zu einer Rangelei. Die beiden schubsten sich gegenseitig und landeten schließlich auf dem Boden. Während der Angeklagte den Geschädigten würgte und in den Schwitzkasten nahm, biss dieser ihn heftig in den Unterarm und schlug auf ihn ein. Beide erlitten Verletzungen am Hals und im Gesicht.

Der Geschädigte, ein 20-jähriger Student mit Eltern aus Deutschland und Guatemala, sagte als erster Zeuge aus. Nachdem er bis spät nachts für eine Prüfung gelernt hatte, wollte er schlafen, was ihm wegen der lauten Musik nicht gelang. Daraufhin klingelte er bei dem Lärmverursacher. Es fielen Beleidigungen, angeblich auch Drohungen und letzten Endes entwickelte sich die geschilderte Rauferei.

Ein zweiter Zeuge hatte mit dem Angeklagten am Computer gespielt und Musik gehört. Dieser, ein 19-jähriger Berufsschüler montenegrinischer Herkunft, sagte aus, dass er sich eben auf den Heimweg machen wollte, als der Nachbar sich beschwerte.

Nach einer fünfminütigen Diskussion, bei der Beleidigungen fielen, – von einer Bedrohung habe er nichts gehört – „wurde es körperlich“. Wer angefangen habe, wisse er nicht, weil er zwischenzeitlich eine Zigarette geraucht hätte. Er hatte den Zwischenfall mit seinem Handy gefilmt.

Ein Blick ins Erziehungsregister ergab beim Angeklagten eine Vorstrafe, ebenfalls wegen Körperverletzung, die allerdings vier Jahre zurücklag. Da der Beschuldigte rein rechtlich als Heranwachsender gilt, wurde Robert Hoffmann von der Jugendgerichtshilfe gehört. Er berichtete von einer normalen schulischen Laufbahn. Nach dem Abschluss der Mittelschule habe der junge Mann eine Berufsorientierungsklasse besucht und im Anschluss als Kassenkraft in einer Sportsbar in Waldkraiburg gearbeitet. Dort beginnt er nun die Berufsausbildung.

Nach der Vernehmung der beiden Zeugen begutachteten Richter, Staatsanwältin und Rechtsanwalt das vom zweiten Zeugen gedrehte Handyvideo.

In ihrem Plädoyer musste die Staatsanwältin den Vorwurf der Bedrohung fallenlassen – denn nicht einmal der Geschädigte konnte oder wollte sich daran erinnern, mit seiner Ermordung bedroht worden zu sein.

So blieben die Tatbestände der Körperverletzung und der Beleidigung. Dafür forderte die Staatsanwältin eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro.

Etwas indigniert zeigte sich Rechtsanwalt Knoll und attackierte die Staatsanwältin. So ein Gebaren seitens der Strafverfolgung habe er noch nicht erlebt. Es stand eine Geldstrafe von 500 Euro im Raum, und obwohl man der Staatsanwaltschaft im Verfahren entgegengekommen sei, habe sich die Strafforderung jetzt verdoppelt.

Anwalt forderteinen Freispruch

Die Bedrohung war für Knoll „vom Tisch“. Der Geschädigte konnte keine Beleidigung benennen, sodass sich dieser Tatvorwurf für den Rechtsanwalt ebenso in Luft auflöste. Bei dem Gerangel und der anschließenden Rauferei konnte nicht eindeutig geklärt werden, wer hier angefangen hatte. So plädierte Knoll für seinen Mandanten auf Freispruch.

Dieser Argumentation folgte Richter Dr. Warga. Er sprach den jungen Mann frei, die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse.

In seiner Begründung meinte der Richter, der Geschädigte sei zurückgerudert, habe sich an vieles nicht mehr erinnert, sodass sich kein Tatnachweis in puncto Körperverletzung ergeben habe. Beide Kontrahenten hätten kräftig ausgeteilt. Und Bedrohungen und Beleidigungen, die Beweiskraft gehabt hätten, habe es letzten Endes auch nicht gegeben. hra

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