Münze rein, Musik raus: Der Waldkraiburger Thomas Gluth sammelt Jukeboxen

Thomas Gluth neben seiner Lieblings-Jukebox, dem Prototyp einer PUCHTA Prinzess, Baujahr 1954. Meier

Wenn Thomas Gluth seine Musikboxen einschaltet, blitzen die Leuchtstoffröhren auf, der Verstärker beginnt zu rauschen, der Mechanismus setzt sich in Bewegung. Dann klingt pure Nostalgie aus den Lautsprechern, vorausgesetzt, das Gerät wurde zuvor mit einer Zehn-Pfennig-Münze gefüttert und ein Titel gewählt. Denn ohne Groschen tut’s die Box nicht.

Waldkraiburg – „Sie laufen hin und wieder. Wie ein Oldtimer müssen sie ab und zu bewegt werden“, sagt der Sammler, der vor allem auf ein Stück ganz besonders stolz ist: seine älteste Box, die „Puchta Prinzess“, Baujahr 1954. Vor 25 Jahren hat er sie fachmännisch überholen lassen. „Seitdem läuft sie ohne Reparatur.“

Seit den 1940er-Jahren in Deutschland populär

Junge Leute können heute recht wenig mit solchen Geräten anfangen, doch bei der älteren Generation kommen unweigerlich alte Erinnerungen hoch. Die Jukebox verbinden sie mit Rockabilly, Elvis Presley, Cadillac und American Diner. Noch immer gibt es Retro-Fans, deren Leidenschaft für die 1950er- und 60er-Jahre brennt. Das war die Zeit, aus der die Jukebox nicht wegzudenken ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es fast überall Musikboxen. In Kneipen, Restaurants, Bars, an Bushaltestellen, in Bahnhöfen. Amerikanische Soldaten machten das Gerät schon Ende der 1940er-Jahre in Deutschland populär.

Alte Erinnerungen werden wach

Thomas Gluth versucht dieses Stück Musikgeschichte am Leben zu erhalten. Seine Begeisterung für die Musikboxen flammte schon sehr früh auf. Er konnte gerade laufen, da nahm ihn seine ältere Schwester mit in ihre Stamm-Eisdiele. Sie setzte ihn auf einen Barhocker und stellte den vor eine Rock-Ola, das ist eine der bekanntesten Marken unter den Jukeboxen.

Dann warf sie eine Münze ein und ihr kleiner Bruder lauschte fasziniert den Liedern der Beatles, der Beach Boys, von Elvis und Co. Dabei blinkte der Kasten in den schönsten Farben. Auch in der Stammkneipe seines Vaters stand immer so Ding, hinter dessen schmaler Scheibe sich ein Stapel mit Schallplatten türmte. Die haben es dem heute 61-Jährigen von klein auf angetan. Auch wenn die nostalgischen Musikgeräte inzwischen fast in Vergessenheit geraten sind, echte Liebhaber wie Gluth wissen ihren Wert zu schätzen.

Echte Raritäten zusammengetragen

Zum Sammeln kam der Waldkraiburger eher durch Zufall. 1992 las er einen Artikel darüber. Prompt wurden die schönen Kindheitserinnerungen wieder wach. Seitdem hat er unter anderem echte Raritäten wie den Prototyp einer der PUCHTA Prinzess, Baujahr 1954, zusammengetragen, auch eine ELTEC F100, Baujahr 1959, und eine WIEGANDT M40 D, Baujahr 1959, gehören zu seinen Schätzen.

Zur PUCHTA Prinzess kam er durch einen glücklichen Zufall. Bei einer Reise im Jahr 1994 ins Badische durfte der Waldkraiburger die Herstellerfamilie Puchta persönlich kennenlernen. Dort gewährte ihm der Sohn des zwischenzeitlich verstorbenen Automatenaufstellers Einblicke in die Jukebox-Welt seines Vaters. Es war wohl Fügung, als der ambitionierte Sammler einen rot lackierten, teils mit silbergrauem Kunststoff beklebten Automaten entdeckte, der 22 Jahre zuvor in einer Kneipe aufgestellt war, die Gluth sehr gut kannte.

Eine Box ist sogar im Museum gelandet

Wenig später kam der Sammler an ein Stück dieses Fabrikats, restaurierte es fachmännisch und hängte es in seinem Büro auf. Er ist mittlerweile so versiert beim Restaurieren, dass selbst die ältesten Boxen wie neu aussehen. „Das Gerät hat sich als erstaunlich robust und zuverlässig erwiesen“, sagt Gluth. Eine seiner Boxen ist sogar in einem Museum in Österreich gelandet.

Natürlich gebe es Wichtigeres Jukeboxen, weiß Gluth. Als Christ gelte für ihn die Devise: „Du sollst Dein Herz nicht an Dinge hängen.“ ÉS kommt auf das richtige Maß an. „Ab und zu widme ich mich meinem Hobby. Noch wichtiger sind mir andere Dinge im Leben, zum Beispiel anderen Menschen zu helfen.“

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Früher besaß er auch große Standboxen, eine SEEBURG Channel 222 (USA 1959) und eine deutsche BERGMANN Symphonie S80, Baujahr 1959.

Doch heute hat er sich vor allem auf Wandmusikboxen spezialisiert. Die sind nicht viel größer als ein Geldspielgerät und können platzsparend an der Wand montiert werden. Jede einzelne ist für sich eine echte Rarität. Er ist ein Experte auf dem Gebiet und kennt zu all seinen Lieblingsstücken die Geschichte dazu.

Moderne Jukeboxen im Nostalgie-Design

Rock Ola baut noch heute Jukeboxen. Die Firma bleibt ihrem Nostalgie-Design nach wie vor treu, doch sie ist mit der fortschrittlichsten Technologie ausgestattet. Die modernen Jukeboxen haben eine LED-Beleuchtung und eine Konnektivität zum Streamen eigener Musik über Bluetooth. Man findet sie heute unter anderem noch in Retro-Lokalen, die ganz dem 1950er Jahre Stil treu geblieben sind.

Drei Fragen an Thomas Gluth:

Herr Gluth, wie steht Ihre Frau zu Ihrem Hobby? Teilt sie die Liebe zu den historischen Musikgeräten mit Ihnen?

Thomas Gluth: Meine Frau drückt auch ganz gerne mal eine Platte und hört die schöne alte Musik. Manchmal besuchen wir auch gemeinsam einen 50er Jahre-Sammlermarkt. Kinder sind von den Geräten total begeistert, von den bunten Lichtern, den vielen Knöpfen. Da bewegt sich viel und dann kommt da auch noch Musik raus...Mich erinnert das dann immer an meine eigene Kindheit, als ich viel Zeit vor den Boxen zugebracht habe!

Auch die Schallplatte feiert ein Comeback

Was denken Sie – gibt es irgendwann ein Comeback dieser Musikboxen oder sind sie für immer von der Bildfläche verschwunden?

Gluth: Ich gehe eher davon aus, dass die Bedeutung weiter abnimmt, aber wer weiß... . Immerhin feiert die Schallplatte (LP) ja auch ein Comeback. Seit Kurzem baut eine britische Firma sogar wieder ein Gerät, das mit Platten bestückt werden kann, wer hätte das gedacht.

Welche Geräte faszinieren Sie besonders?

Gluth: Natürlich meine PUCHTA Prinzess Prototyp Baujahr 1954. Sie ist die älteste und interessanteste Jukebox. In Deutschland gab es eine Fülle von Herstellern von Musikautomaten, die oft nur ein bis zwei Modelle auf den Markt gebracht haben und schon nach wenigen Jahren wieder verschwunden sind. Diese Boxen sind oft sehr originell. Jede Firma hatte ihr eigenes Patent, und nur wenige haben bei Liebhabern überlebt. Gerade diese Geräte interessieren mich.

Interview: Kirsten Meier

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