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„Weil ich nicht im Müll leben will“

Müllsammeln als Passion: Wie Irina Markgraf Waldkraiburg sauber und sich fit hält

Wenn Irina Markgraf unterwegs ist, zieht sie jede Menge Müll aus dem Verkehr. Am vergangenen Sonntag waren es im Bereich des Netto-Markts in der Aussiger Straße nicht weniger als sieben Säcke.
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Wenn Irina Markgraf unterwegs ist, zieht sie jede Menge Müll aus dem Verkehr. Am vergangenen Sonntag waren es im Bereich des Netto-Markts in der Aussiger Straße nicht weniger als sieben Säcke.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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  • Erika Fischer
    Erika Fischer
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Irgendwann hatte Irina Markgraf aus Waldkraiburg genug vom Abfall, der ihre Spazierwege verschandelte. Und deshalb hat sie dem Müll den Kampf angesagt. Was sie findet, wird gesammelt und entsorgt.

Waldkraiburg – Angefangen hat es im vergangenen Jahr, als Irina Markgraf wegen Corona zusammen mit ihrem Mann nicht mehr ins Fitnessstudio gehen konnte. Seitdem ist sie überzeugt davon, dass Worte allein nichts nützen: Der persönliche Einsatz, das persönliche Beispiel allein helfen, dem Müll- und Abfallproblem wirkungsvoll zu begegnen.

Es begann beim Spazierengehen am Innkanal

„Das Müllsammeln ist bei meiner Frau zur Passion geworden“, bekräftigt Christian Markgraf, „und das begann beim Spazierengehen am Innkanal Richtung Jettenbach und Pürten“. Irina Markgraf war angetan von der Landschaft, musste jedoch feststellen, dass mehr und mehr Müll zur Plage und zum Ärgernis wurde.

Von Moskau nach Waldkraiburg

Markgraf kommt aus Moskau, lebt seit 2015 in Waldkraiburg und genoss und bewunderte die Sauberkeit der Stadt, die etwa 400 mal kleiner ist als die russische Metropole.

„Seit zwei Jahren fällt mir die immer größer werdende Verschmutzung auf“, meint die Frau, die neben Englisch schon ausgezeichnet Deutsch spricht: „Die Leute sind zu gedankenlos geworden und werfen achtlos Verpackungen, Flaschen, To-go-Becher und vor allem Zigarettenkippen weg! Und weil ich nicht im Müll wohnen will, habe ich angefangen zu sammeln.“

Beim Rama Dama Zigarettenkippen den Kampf angesagt

Ein weiterer Auslöser war für sie das Rama dama im März diesen Jahres, bei dem sie zusammen mit ihrem Mann in der Gruppe des Fördervereins Waldbad mitmachte. Dabei haben sie sich besonders auf das Sammeln von Zigarettenkippen konzentriert, die ihnen ein richtiger Dorn im Auge sind. „Denn sie sind giftig und zersetzen sich erst nach zehn bis 15 Jahren“, sagt Christian Markgraf.

Fürs Waldbad wünscht sie sich tragbare Aschenbecher

Von seiner Frau stammt die Idee, den Rauchern schon beim Eingang ins Waldbad einen sogenannten „tragbaren Aschenbecher“ zu verleihen, um die anderen Gäste nicht dieser Verschmutzung auszusetzen. „Vielleicht lässt sich das schon in diesem Jahr durchsetzen.“

Am vergangenen Sonntag sieben Säcke Müll am Netto-Markt gesammelt

Zu gehen, sich zu bücken und zu sammeln sei außerdem gut für die eigene Fitness, weiß die Waldkraiburgerin. Neben den Bereichen Inntal-, Birken- und Graslitzer Straße wurde sie immer wieder in der Aussiger Straße fündig. „Vor dem Netto-Markt habe ich am letzten Sonntag sieben Säcke gesammelt – und gefunden wird ja fast alles: ausgeleerte Autoaschenbecher, Wodka- und Jägermeister- Flaschen, gebrauchte Masken und Zahnpastatuben, ja sogar Autobremsscheiben und Plastikkanister!“

Bei ausgedehnten Spaziergängen rund um Waldkraiburg, selbst bis hinauf zur B12, war Irina Markgraf schon aktiv gegen die Müllflut im Einsatz.

Plogginggruppe bald auch in Waldkraiburg?

Nicht nur Irina Markgraf, sondern auch anderen Bürgerinnen und Bürgern Waldkraiburgs ist nicht egal, wie ihr Umfeld, wie die öffentlichen Plätze und die Landschaft um Waldkraiburg ausschaut. Sie tun was gegen die Vermüllung, helfen mit, die Stadt und das Umfeld sauber zu halten, bei der Rama Dama-Aktion oder bei ganz privaten Initiativen.

Umweltreferent Wolfgang Hintereder (UWG) hatte schon vor einigen Wochen im Stadtrat das Thema Plogging angesprochen, nachdem ein Bürger auf ihn zugekommen war.

„Ploggen“ ist ein Kunstwort, das aus den Bestandteilen „plocka“, schwedisch: aufheben, pflücken, und Joggen besteht. „Ploggen“ ist also eine neue Sportart in der Natur, bei der die Vermüllung der Landschaft bekämpft und der Abfall dem Recyclingkreislauf zugeführt wird.

Nach Mühldorfer Vorbild soll eine solche Gruppe auch in Waldkraiburg entstehen, mit städtischer Unterstützung, nicht aber als städtische Einheit. „Das soll eine ehrenamtliche Gruppe bleiben“, betont Hintereder.

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