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Opfer war 27-jährige Waldkraiburgerin

Grausamer Tod im Inn-Kanal: Vor 50 Jahren erschüttert ein Mordprozess die Stadt Waldkraiburg

Der Tatort: An der Rauschinger Brücke warf der 25-jährige Bauarbeiter sein Opfer von der Treppe zum Kanal ins Wasser.
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Der Tatort: An der Rauschinger Brücke warf der 25-jährige Bauarbeiter sein Opfer von der Treppe zum Kanal ins Wasser.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Es ist eines der schwersten Verbrechen der lokalen Kriminalgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg: Vor einem halben Jahrhundert musste sich ein Bauarbeiter vor dem Schwurgericht Traunstein wegen Mordes an einer 27-jährigen Frau aus Waldkraiburg verantworten.

Waldkraiburg – Dem Angeklagten aus Waldkraiburg wurde vorgeworfen, die arbeitslose Hilfsarbeiterin in den Innkanal geworfen zu haben, um eine versuchte Vergewaltigung zu vertuschen. Die Tat und der Prozess im April vor 50 Jahren erschütterten die Bevölkerung in Waldkraiburg und der ganzen Region.

Mehr als zwei Promille im Blut

„I hab d’Nerven verlorn und bin narrisch worn. Nachha bin i weggrennt“ – mit diesen Worten zitiert die Heimatzeitung, die ausführlich über den aufsehenerregenden Kriminalfall und den Prozess berichtet, den Angeklagten bei seinem Geständnis vor Gericht. Der Mann, der ebenso wie sein Opfer in der Tatnacht laut medizinischen Sachverständigen mehr als zwei Promille Alkohol im Blut hat, ist ausgerastet, als die Frau ihn beschimpfte und nach einer versuchten Vergewaltigung drohte, ihn ins Zuchthaus zu bringen. Unterhalb der Rauschinger Innkanalbrücke stürzte er die 27-Jährige ins Wasser.

Nach Streit aus Gaststätte geworfen

Gut eine Stunde zuvor hatten sich die beiden, die sich schon länger kennen, am Sonntag, 23. August 1970, kurz vor Mitternacht in einer Waldkraiburger Gaststätte getroffen. Wegen eines Streits mit anderen Gästen wirft der Wirt sie aus der Gaststätte. Zusammen mit einem weiteren Gast, einem 19-jährigen Facharbeiter, brechen sie in dessen Auto Richtung Mühldorf auf. Doch so weit kommen sie nicht. „Die können wir heute noch vernaschen“, soll der 19-Jährige seinem älteren Bekannten gesagt haben.

Das Foto der Toten veröffentlichte die Polizei damals, um die Identität der Frau festzustellen.

Opfer wird nackt durch Wald gejagt

Im Ebinger Wald biegt das Auto in einen Waldweg ab. Der Angeklagte fällt über die Begleiterin her. Außerhalb des Autos versucht er, sie erneut zu vergewaltigen.

Würgemale und Kieferbrüche festgestellt

Die junge Frau flüchtet unbekleidet, und er nimmt die Verfolgung auf. An der Kanalbrücke kommt es zur erneuten Begegnung und zum Äußersten. Bei der Obduktion werden beim Opfer schwere Verletzungen festgestellt, Würgemale am Hals und zwei Kieferbrüche. Der Angeklagte kehrt zum Auto zurück, sie werfen die Kleider aus dem Pkw, um „Beweisstücke zu beseitigen“ und fahren nach Waldkraiburg zurück.

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Sein Geständnis wird dem Angeklagten vom Gericht als mildernder Umstand zuerkannt, dass er das Opfer seiner schrecklichen Tat verschwinden lassen wollte, als strafverschärfend.

Angeklagter leidet an „Triebanomalie“

Ein psychologisches Gutachten stellt dem Bauarbeiter kein gutes Zeugnis aus: Er sei minder begabt, „hinterhältig, haltlos, leicht gekränkt“ und bedürfe in sittlicher Hinsicht der Beobachtung. Der Angeklagte leide an einer „Triebanomalie“. Seine Jugend sei unglücklich verlaufen. Aus dem Erziehungsheim, in das er eingewiesen wurde, sei er 13-mal ausgebrochen.

Medizinischer Sachverständiger: Nicht voll zurechnungsfähig

Der medizinische Sachverständige schätzt den Angeklagten, der am Tattag 20 Halbe Bier und zehn Schnäpse in sich hinein geschüttet haben soll, wegen seines alkoholisierten Zustands als nicht voll zurechnungsfähig ein. Ohne Alkohol wäre der massive Durchbruch zur Tat nicht erfolgt, glaubt der Gutachter.

Das Urteil: Zwölf Jahre Gefängnis

Die Staatsanwaltschaft fordert 14 Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchter Notzucht, gefährlicher Körperverletzung und Mord. Der Angeklagte habe „eine der scheußlichsten und brutalsten Taten begangen, die wir in den letzten Jahren im Landgerichtsbezirk hatten“. Auf Totschlag oder Körperverletzung mit Totschlag plädiert der Verteidiger und fordert einen Gefängnisstrafe unter zehn Jahren.

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Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte sein Opfer vorsätzlich ermordet hat, und bleibt mit seinem Strafmaß nur wenig unter dem Antrag des Staatsanwalts. Der Angeklagte wird zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mord sei damit gesühnt, schreibt die Zeitung.

Wenige Stunden nach Leichenfund ist Kripo Täter auf der Spur

Am Montag, 24. August 1970, entdecken Mitarbeiter des Kraftwerks in Töging in den Vormittagsstunden eine unbekleidete Frauenleiche am Rechen des Innkanals. Ein Unglücksfall? Ein Suizid? Oder ist die junge Frau, die erst seit wenigen Stunden im Wasser lag, einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen? Diese Frage müssen die Beamten der Kriminalaußenstelle Mühldorf klären. Fieberhaft suchen Polizeikräfte das Ufer des Innkanals zwischen Jettenbach und Töging ab.

Kleidung im Wald gefunden: Über die Zeitung wird eine Vermisstensuche in Gang gesetzt. Noch am späten Montagnachmittag werden im Ebinger Wald die Kleidungsstücke der Frau gefunden, 300 Meter vom Innkanal entfernt. Die Angehörigen einer 27-jährigen arbeitslosen Hilfsarbeiterin aus Waldkraiburg melden sich bei der Polizei. Dass ihre Tochter freiwillig ins Wasser ging, schließt die Mutter aus.

Mit zwei Männern unterwegs: Bald wird bekannt, dass die junge Frau in der Nacht zum Montag in einer Waldkraiburger Gastwirtschaft mit zwei Männern gesehen wurde, mit denen sie später laut Zeugenaussagen in einem Pkw wegfuhr. Nach einem gemeinsamen Fernsehabend bei Bekannten war sie gegen 22 Uhr heimgekommen und dann noch einmal ausgegangen.

Täter ist schnell gefasst: Schon wenige Stunden nach dem Leichenfund ist die Kripo den Tatverdächtigen auf der Spur. Sie ermittelt in dem Fall, der die Öffentlichkeit aufwühlt, zunächst gegen die Männer, mit denen die Frau in der Tatnacht unterwegs war: einen zur Tatzeit 25 Jahre alten Bauarbeiter aus Waldkraiburg, der noch am Montagabend verhaftet wurde, und dessen 19-jährigen Bekannten, der am Steuer des Autos saß. Bei den Vernehmungen verstricken sich die beiden in Widersprüche und versuchen, sich gegenseitig zu beschuldigen.

Begleiter kommt davon: In den weiteren Ermittlungen von Polizei und Justiz kristallisiert sich der 25-Jährige als mutmaßlicher Täter heraus. Der Vater von drei Kindern im Kindergartenalter, der nicht bei seiner Familie lebt, muss sich wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der 19-Jährige, der von der Tat wusste und Zeuge der versuchten Vergewaltigung im Auto war, kommt ohne Strafe davon. Gegen ihn wird kein Gerichtsverfahren eröffnet.hg

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