"Möge ihr Leben gelingen"

Hoher Besuch in Waldwinkel: (vordere Reihe von links) Ministerialdirektor Dr. Markus Gruber (Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration), Regierungspräsident Christoph Hillenbrand neben Provinzökonom Pater Stefan Stöhr, Ausbildungsleiterin Sabine Sedlmaier, Bürgermeister Alois Salzeder und Landrat Georg Huber.
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Hoher Besuch in Waldwinkel: (vordere Reihe von links) Ministerialdirektor Dr. Markus Gruber (Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration), Regierungspräsident Christoph Hillenbrand neben Provinzökonom Pater Stefan Stöhr, Ausbildungsleiterin Sabine Sedlmaier, Bürgermeister Alois Salzeder und Landrat Georg Huber.

50 Auszubildende am BBW Waldwinkel haben ihre Abschlussprüfungen bestanden - darunter auch fünf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Damit ist die salesianische Einrichtung das erste Berufsbildungswerk in Bayern, das junge Flüchtlinge ausgebildet hat.

Das würdigten Dr. Markus Gruber (Sozialministerium) und Regierungspräsident Christoph Hillenbrand mit ihrem Besuch der Entlassfeier.

Aschau - Waldwinkel hat einen Grund zu feiern. Nicht nur, weil die salesianische Einrichtung wieder 50 junge Menschen nach ihrer Ausbildung in die Welt entlassen kann und der Ordensgründer des Trägers, Don Bosco, 200. Geburtstag hat. Auch weil heuer fünf junge Flüchtlinge ihren Abschluss in der Tasche haben. Und einen Job.

Als erstes Berufsbildungswerk in Bayern hat Waldwinkel unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) ausgebildet - ohne ihr Kerngeschäft, die Ausbildung junger benachteiligter Menschen aus den Augen zu verlieren.

Hoher Besuch würdigte diesen Einsatz. Aus München reisten Ministerialdirektor Dr. Markus Gruber (Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration) und Regierungspräsident Christoph Hillenbrand an, um zu gratulieren. Auch der Provinzökonom der Salesianer, Direktor Pater Stefan Stöhr, kam aus der Landeshauptstadt, um mit den Jugendlichen, Eltern, Lehrern, Ausbildern, Patres und Fratres sowie Vertretern des Landkreises, der IHK und der Arbeitsagentur mitzufeiern. Clara Grünzweig gestaltete mit ihrem stimmgewaltigen Chor den musikalischen Rahmen - mit Soloeinlagen Alsaed Lubegas, der aus Uganda stammt und jetzt einen Abschluss als Verkäufer gemacht hat. Gesamtleiter der Einrichtung, Klaus Ortner, führte durch den Nachmittag im Don-Bosco-Saal.

Hillenbrand: "Ihr steht auf dem Stockerl"

57 Auszubildende haben sich den Abschlussprüfungen in diesem Jahr gestellt. 50 haben sie auf Anhieb bestanden - bei sieben ist noch eine Nach- oder Wiederholungsprüfung nötig. 20 Absolventen haben am ersten Arbeitsmarkt einen Arbeitsvertrag in der Tasche - oder so gut wie, erläuterte Ortner. Sechs gehen an eine weiterführende Schule, machen weiter bis zum Vollberuf oder leisten Bundesfreiwilligendienst. 23 haben noch keine positive Resonanz auf ihre Bewerbungen erhalten.

Ortner kritisierte "Kennzahlen gesteuerte Erfolgsbewertungen", die - im Rahmen der UN-Konvention - anhand von Quoten Rückschlüsse auf den Inklusionsbeitrag von Berufsbildungswerken zuließen. "Immerhin haben 16 unserer Jugendlichen aufgrund ihrer Leistungen hier den mittleren Schulabschluss erworben oder engagieren sich durch FSJ oder Bundesfreiwilligendienst sozial und staatsbürgerlich", berichtete er. "Wir sind überzeugt, dass die wertorientierte Begleitung in dieser wichtigen Lebensphase den wirklich nachhaltigen Erfolg für eine zukunftsorientierte Gesellschaftsgestaltung darstellt."

Er lobte die gute Zusammenarbeit mit der regionalen Arbeitsagentur, die sich im Zweifelsfall dafür entscheide, den jungen Menschen eine Chance zu geben. Im Namen Don Boscos, der den jungen Leuten auch immer eine zweite Chance gab, appelliere er an die Ehrengäste aus der Politik. Gerade für Absolventen im Büro- und Dienstleistungsbereich sei es enorm schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden. "Prüfen Sie in ihren Ämtern, Ministerien und Behörden, ob es nicht doch eine Möglichkeit zu einer Anstellung gibt", sagte der Gesamtleiter.

"Warmes Herz

und kühler Kopf"

Er sprach die Flüchtlinge an. Vor drei Jahren kamen erstmals 22 junge Menschen auf der Flucht aus Afrika und Asien im BBW an. Inzwischen habe sich diese Zahl verdreifacht und das Leben auf dem Campus sich verändert - ohne dass es zu ethnisch begründeten Auseinandersetzungen kam.

Regierungspräsident Christoph Hillenbrand sagte zu den Absolventen, "Respekt den Oberbayern - egal ob sie aus Bad Tölz kommen oder ihr Geburtsort in Benin oder Kampala liegt. Nun steht Ihr auf dem Stockerl, Euer Pfad führt zum Erfolg." Mit dem jungen Flüchtlingen haben die Salesianer eine neue Aufgabe für sich entdeckt. "Das zeichnet das BBW Waldwinkel aus: Dass es mit der Zeit geht und nicht mit der Zeit verschwindet. Es stellt sich den Erfordernissen dieser Epoche", sagte er auf die lang anhaltenden Fluchtbewegungen, die seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr so hoch gewesen seien.

Zur aktuellen hitzigen Asyl-Debatte im Landtag, die Ortner angesprochen hatte, sagte Ministerialdirektor Dr. Markus Gruber, "ein warmes Herz kombiniert mit einem kühlen Kopf - nur so kann man etwas bewegen". Die Integration am Arbeitsmarkt, wie sie das BBW hier betreibe, sei ein zentraler Baustein. Für Leute, die länger oder dauerhaft bleiben, müsse alles getan werden, um sie zu integrieren.

Bayern sei stark gefordert, hier kommen die meisten Flüchtlinge an. Eine Herausforderung sei, die Verfahren derer, die ohnehin per Gesetz nicht bleibeberechtigt sind, zu beschleunigen - etwa derer aus dem Balkan - um denjenigen zu helfen, die asylberechtigt sind. "Das hat nichts damit zu tun, dass wir ihnen übel wollen. Als Balkankrieg war, durften sie auch bleiben. Jetzt fliehen andere aus Kriegsgebieten, die unsere Hilfe brauchen", versuchte er zu verdeutlichen.

Gesamtleiter Klaus Ortner wandte sich an Landrat Georg Huber und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und für ein tragfähiges Miteinander. "Wir werden Sie und das BBW nie im Regen stehen lassen", antwortete ihm Huber. Die Salesianer werden gebraucht - auch in anderen Strukturen im Landkreis - um die Herausforderungen in Sachen Asylpolitik zu stemmen.

Er gratulierte den anwesenden ehemaligen umF zu ihren tollen Leistungen und würdigte die jungen deutschen Absolventen, die die Flüchtlinge so gut in ihre Mitte aufgenommen haben. "Davon könnte sich da draußen so mancher Erwachsene eine Scheibe abschneiden!"

Schulleiter Alfred Hiermannsperger, der gemeinsam mit Ausbildungsleiterin Sabine Sedlmaier die Zeugnisse überreichte, resümierte, in Waldwinkel stehe der junge Mensch in seiner Ganzheitlichkeit im Focus des Strebens der Einrichtung. "Damit die Absolventen Teil der Gesellschaft werden können, haben sie hier Werte und Rüstzeug bekommen. Möge ihr Leben gelingen." (Siehe auch Bericht rechts).

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