TELEKOM WILL ZUSÄTZLICHEN STANDORT AM TÖDTENBERG

Mobilfunkmast macht vielen Angst

Ein zweiter Mobilfunkmast am Tödtenberg? Die Telekom hat das im Sinn. Vielen Bürgern gefällt das nicht, sie haben Angst vor der Wirkung der Strahlen auf ihre Kinder und etwa auf das Trinkwasser. Dr. Thomas Kurz vom Bayerischen Landesamt für Umwelt schaffte es nicht, die Sorgen zu zerstreuen. Er erklärte, dass die Immissionen, die vom Smartphone ausgehen, schädlicher sind als die vom Basismasten.

Aschau – Die Telekom möchte einen Basismasten am Tödtenberg aufstellen – dann gäbe es dort zwei. Der Gemeinderat hat in seiner nächsten Sitzung darüber zu entscheiden, ob der Mast auf Gemeindegrund errichtet werden darf. Bei Ablehnung kann die Telekom mit einem der privaten Eigner auf dem Tödtenberg verhandeln.

Bürgermeister Alois Salzeder erinnerte an den Widerstand in Aschau vor acht Jahren zum Thema Mobilfunkmast. Inzwischen habe sich die Entwicklung verzwangzigfacht, jede Oma habe ein Smartphone, jeder wolle die Vorzüge des Ausbaus.

Am Ende der Infoveranstaltung in der Gemeindehalle war klar: Wenn die Gemeinde den Standort ablehnt, private Grundstückseigner sich auch gegen das Projekt verwehren, wird dem Tödtenberg aller Wahrscheinlichkeit nach ein zweiter Mast erspart bleiben. Vorerst.

„Die Telekom könnte mit ihrer Mobilfunktechnik dann auf den vorhandenen Vodafone-Masten draufgehen“, wie Salzeder erklärte.

Was wäre dann gewonnen? Ein zweiter Mast, der die Landschaft verschandelt, fiele weg. Nicht aber die von vielen der anwesenden Bürger gefürchteten Strahlen, die „schlecht für die Gesundheit“ sein können. Das nehmen nicht wenige Aschauer an. Eine Frau führte zahlreiche Todesfälle auf, „alles Leute, die in direktem Sichtkontakt zum Masten am Tödtenberg lebten.“ (in Auszügen sind die Anliegen hier thematisiert). Andere berichteten von verheerender Wirkung auf das Vieh (Fehlgeburten).

Dr. Thomas Kurz vom Landesamt für Umwelt war gekommen, um den Bürgern – basierend auf der Forschung – die Sorgen ein wenig zu nehmen. Die Wirkung von elektromagnetischen Feldern gehöre zu seinen Fachgebieten. Weil jeder unterwegs mit dem Smartphone schnell surfen und große Datenmengen herunterladen will, brauche man viele Stationen. Zum Vergleich: Wenn eine Straße vom Auto-Verkehr so überlastet ist, dass nichts mehr geht, braucht man eine Umgehungsstraße, damit sich der Andrang aufteilt und der Verkehr wieder fließen kann. „Unser aller zunehmender Datenhunger ist der Grund für den Ausbau.“

Er erklärte, wo es am Mobilfunkmast einen Sicherheitsbereich gebe: Ein Bereich von 15 Metern Breite und drei Metern Tiefe am Sender müsse für die Öffentlichkeit unzugänglich sein, denn hier gibt es Immissionen. Die „Strahlen“ sind so gelenkt, dass sie in einem sehr flachen Winkel geleitet werden und nehmen mit der Entfernung ab und werden von Häusern oder Bäumen abgeschwächt. Direkt am Boden unter dem Sender gebe es keine Grenzwertüberschreitungen mehr.

Peter Rieder, der dort oben wohnt, sagte, der Mast „leuchte“ ihm direkt mit den Strahlen ins Schlafzimmer, da sein Anwesen etwas höher liege als der geplante Standort. Hier sagte Kurz, man müsse die Winkel und Entfernung genau abmessen, dann könne man sagen, wie weit das Haus vom Sicherheitsbereich entfernt liege. Rieder bat darum, die Gemeinde möge das vor der Gemeinderatssitzung tun.

Zum Thema Trinkwasserbehälter erklärte Dr. Kurz, es gebe 21 000 Studien zum Thema elektromagnetische Felder. Eine thermische Wirkung sei nachgewiesen, sprich, eine Erwärmung um ein halbes oder ein Grad sei theoretisch möglich. Jedoch gehe es beim Trinkwasserbehälter um riesige Mengen Wasser und der Behälter sei isoliert. Eine Erwärmung schließe er daher aus und selbst wenn, wäre es nicht spürbar. Er resümierte, dass es keine belastbaren Beweise gebe, dass die Immissionen der Basismasten – unterhalb der Grenzwerte/außerhalb des Sicherheitsbereiches – gesundheitliche Risiken darstellen. „Was ist riskanter – die Handynutzung oder der böse Mast?“, stellte er in den Raum. Der Mast sei ungefährlicher als das Smartphone, das man ständig bei sich hat. In Sachen Mobiltelefon gebe es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Tumoren im Kopf oder am Hörnerv und der Langzeitnutzung der Handys. Auch bei Kindern bleibe ein Restrisiko; hier gebe es keine Langzeitstudien. „Man muss ihnen dringend einen gesunden Umgang mit Smartphone und Tablet beibringen, wenn man das Risiko eindämmen will“, so Kurz. Gemeinderätin Langbauer warf ein, man könne es sich heute bei den vielen Masten nicht mehr aussuchen, ob man sich der Strahlung aussetzen will. „Das konnte man noch nie“, so Kurz, der auf Radio- und Fernsehwellen der letzten Jahrzehnte hinwies.

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