SPORTVERBAND SCHLÄGT ALARM

Mitgliederrückgang: Corona belastet Waldkraiburger Sportvereine schwer

Sport im Verein, Wettkämpfe und Training, wie sie früher ganz selbstverständlich waren. Davon können die Vereine und ihre Mitglieder im Moment nur träumen. Und weil es das Angebot in der Pandemie gar nicht oder nur eingeschränkt gibt, kommen keine neuen Mitglieder, fehlt es an der Haupteinnahmequelle Beiträge.
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Sport im Verein, Wettkämpfe und Training, wie sie früher ganz selbstverständlich waren. Davon können die Vereine und ihre Mitglieder im Moment nur träumen. Und weil es das Angebot in der Pandemie gar nicht oder nur eingeschränkt gibt, kommen keine neuen Mitglieder, fehlt es an der Haupteinnahmequelle Beiträge.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Der Bayerische Landessportverband (BLSV) schlägt Alarm. Wegen Corona sinken die Mitgliederzahlen der Sportvereine im Freistaat. Nicht die Kündigungen sind das Hauptproblem. Weil die Vereine keine uneingeschränkten Sportangebote machen können, fehlt es an Neuzugängen. Zum Beispiel beim VfL Waldkraiburg.

Waldkraiburg/Kraiburg– Der VfL, der größte Verein der Stadt, ging aufgrund der Pandemie-Beschränkungen mit etwa zehn Prozent weniger Mitgliedern ins neue Jahr, ähnlich ist die Situation beim TSC Weiß-Blau und beim altehrwürdigen Turnverein im benachbarten Markt Kraiburg.

Nur wenige der 20 Sparten konnten Sport treiben

Vor gut elf Monaten hat der VfL den Sportbetrieb das erste Mal aufgrund der Pandemie eingestellt und seitdem nicht mehr im gewohnten Umfang aufnehmen können. Zwar gab es von Mai bis Oktober schrittweise Lockerungen, aber ein uneingeschränkter Sportbetrieb war nur für wenige der 20 Sparten möglich.

Die Ehrenamtlichen die den Verein tragen, haben sich gegen die Pandemie gestemmt, wie Vorsitzender Kai Röpke betont. „Bei jedem Lockerungsschritt haben wir alles getan, um unseren Mitgliedern so viel Sport zu ermöglichen wie die Situation zugelassen hat.

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Die VfL-Geschäftsstelle habe in Zusammenarbeit mit Stadt und Stadtwerken die Nutzung der Sportstätten koordiniert und gemeinsam mit den Sparten Hygienekonzepte aufgestellt, die in den Sparten umgesetzt wurden. Trotzdem sei es einigen Abteilungen lange Zeit nicht möglich gewesen, ihrem Sport nachzugehen.

Der BLSV macht bereits eine dramatische Lage bei vielen Vereinen aus, bei denen der Mitgliederschwund zu finanziellen Engpässen führe. Beim VfL zeige sich, dass die allermeisten Mitglieder zu ihrem Verein stehen, sagt Geschäftsführer Hubert Kamrad. „Wir sind allerdings mit weniger Mitgliedern ins neue Jahr gestartet.“

Im Vergleich zu den Vorjahren fehlen 200 bis 250 Mitglieder

Die Zahl der Kündigungen in 2020 liegt nach seinen Worten auf dem Niveau eines normalen Jahres. „Allerdings fehlen uns die Neuzugänge. Wenn es kein Training, keine Wettkämpfe oder Veranstaltungen gibt, dann tritt auch keiner in den Verein ein.“ Mit 2015 Mitgliedern startete der VfL in das Jahr 2021. Im Vergleich zum Stand der Vorjahre fehlen zwischen 200 und 250 Mitgliedern.

Abteilungen Tennis und Schwimmen fehlen Einnahmen aus Hallenbetrieb und Waldbadkiosk

Finanziell steht der Verein noch auf sichern Füßen. Neben den Mitgliedern halten ihm auch sehr viele der langjährigen Gönner und Sponsoren die Treue. „Wie vieles in dieser Zeit, ist das eine Momentaufnahme“, sagt Schatzmeisterin Marianne Wydeau. Für einige Sparten werde es aber eng durch fehlende Einnahmen aus Veranstaltungen oder zum Beispiel wegen der Schließung der Tennishalle und der geringen Besucherzahlen am Waldbad-Kiosk.

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Die Verdopplung der Vereinspauschale durch den Freistaat habe geholfen, die ersten Probleme zu überbrücken. Statt 23.000 Euro hat der VfL 2020 nach eigenen Angaben 46.000 Euro bekommen. Der Verein prüfe in Zusammenarbeit mit seiner Steuerkanzlei, inwieweit andere Coronahilfen für Teile des Vereins zugänglich sind.

Wie Geschäftsführer Kamrad bestätigt, versucht der VfL Mittel aus der November-Hilfe zu bekommen und macht dabei unter anderem den Betriebsausfall in der Tennishalle und die vielen Schwimmkurse der VfL-Piranhas geltend, die ausgefallen sind. Allerdings gebe es noch Probleme mit der Abwicklung des Antrags.

Erlass der Beiträge könnte Fotbestand gefährden

Auch die wirtschaftliche Belastung der Mitglieder liege dem Vorstand am Herzen. „Wir wissen, dass viele durch die Coronakrise Einbußen zu tragen haben“, so Vorsitzender Röpke. Der Vorstand habe die finanzrechtlichen und satzungsgemäßen Grundlagen intensiv geprüft. „Leider können wir keine generellen Beitragssenkungen oder gar den Erlass der Beiträge als Vorstand beschließen, ohne die Gemeinnützigkeit des Vereins zu gefährden.“ Die Konsequenzen aus einem solchen Verlust wären für den Verein dramatisch und würden seinen Fortbestand gefährden.

Ein Verein sei kein Fitnessstudio, kein Unternehmen, das Dienstleistungen anbietet. „Unsere Mitglieder sind der Verein. Und darauf bauen wir als gemeinnütziger Sportverein.“ Der VfL setze darauf, dass sie dem ihm die Treue halten und mehr noch, dass sich zum Ende der Pandemie vielleicht sogar noch ein paar weitere Mitglieder oder Mitgliedseltern finden, die den Ehrenamtlichen beim Neustart unter die Arme greifen.

• Corona hat auch beim Tanzsportclub Weiß-Blau Waldkraiburg Spuren hinterlassen. Der größte Tanzverein weitum hat in guten Zeiten etwa 480 Mitglieder. Derzeit sind es laut kommissarischer Vorsitzender Anna Reinholz-Kebinger 400. Der TSC, der seine Mitgliedsbeiträge monatlich, beziehungsweise vierteljährlich einzieht, hat sich entschlossen, ab März den Beitrag auf die Hälfte zu reduzieren, so lange kein Präsenzunterricht stattfinden kann. Reinholz-Kebinger: Eine langfristige Aussetzung der Beiträge führe zu großen Defiziten, die der Verein nicht verkraften könnte. Mieten, Verbandsabgaben und andere Fixkosten müssen weiter bezahlt werden. „Wir bitten unsere Mitglieder um Unterstützung.“

• Der TV Kraiburg hat laut Vorsitzendem Werner Schreiber etwa zehn Prozent der Mitglieder verloren. Der größte Verein im Markt hatte in der Regel 1000 plus x Mitglieder, jetzt sind es 920. Das Problem auch hier: „Es fehlen die Neuzugänge.“ Die doppelte Vereinspauschale des Freistaats und die Einnahmen aus der Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Sportheims „halten uns über Wasser“. Haupteinnahmequelle seien nach wie vor die Mitgliedsbeiträge. Weil weiterhin Kosten für Sportheim und Sportplätze anfallen, sei der TV Kraiburg darauf angewiesen. Über eine Reduzierung der Beiträge müsse die Generalversammlung entscheiden. Bis auf Weiteres sei eine Versammlung aber nicht möglich.

• „Maximal zehn Mitglieder“ sind laut Schützenmeister Bernd Albrecht im Corona-Jahr aus der 230 Mitglieder starken Schützengilde Waldkraiburg ausgetreten. Einen deutlich größeren Aderlass hatte der Verein aufgrund der langjährigen Pause wegen des Umbau s der Schießstände zu beklagen. „Weitgehend akzeptiert“ von den Mitgliedern erhebt die Gilde trotz der Pandemie-bedingten Unterbrechung des Schießbetriebs die „eh sehr niedrigen Beiträge“ in vollem Umfang. „Das Geld brauchen wir, um den Verein aufrechtzuerhalten.“

• Nahezu keine Austritte wegen Corona verzeichnete der 230 Mitglieder starke Reha-Sportverein laut Vorsitzendem Rudi Jank. 2020 wurden die Beiträge, die im Februar/März eingezogen werden, in vollem Umfang erhoben. Für 2021 sei eine Reduzierung der Mitgliedsbeiträge um etwa ein Drittel im Gespräch. Das Problem: „Wir können derzeit keine Mitgliederversammlung machen, die darüber entscheiden müsste.“

• Antizyklisch scheinen sich die Mitglieder des EHC Waldkraiburg zu verhalten. „Heuer haben weniger gekündigt als sonst“, sagt Schatzmeister Thomas Höfner. Ein Grund könnte sein, dass der Verein vor allem aktive Mitglieder hat, „und die sind heiß aufs Spielen“. Weil das nicht möglich ist, gab es seit September keinen Neueintritt. Trotzdem: 221 Mitglieder habe er im Januar beim Verband gemeldet, das entspricht dem Niveau der Vorjahre. Eine Senkung der Beiträge war beim EHC bislang kein Thema. Höfner: „Auch der Verband verlangt nach wie vor seine Abgaben.“ Sollte der Lockdown den Sport aber auch in der nächsten Saison noch ausbremsen, müsse möglicherweise auch der EHC darüber nachdenken, über eine Reduzierung nachdenken, so der Schatzmeister. hg

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