Beschluss im Stadtrat

Miteinander der Kulturen verbessern: Stadt Waldkraiburg setzt auf neue Integrationsstelle

Der Arbeitskreis Asyl, hier bei einem Treffen mit schwarzafrikanischen Frauen aus Asyleinrichtungen, stößt mit seiner ehrenamtlichen Arbeit an die Grenzen. Eine Fachstelle der Caritas soll die Projekte nun übernehmen und weiterentwickeln.
+
Der Arbeitskreis Asyl, hier bei einem Treffen mit schwarzafrikanischen Frauen aus Asyleinrichtungen, stößt mit seiner ehrenamtlichen Arbeit an die Grenzen. Eine Fachstelle der Caritas soll die Projekte nun übernehmen und weiterentwickeln.

Seit 2015 gibt es in Waldkraiburg den Arbeitskreis Asyl. Jetzt soll die se Arbeit, die bislang ehrenamtlich getragen war, weiterentwickelt und professionalisiert werden. Einstimmig hat der Stadtrat einen Antrag des Caritaszentrums Mühldorf befürwortet, eine Fachstelle für Ehrenamt und Integration einzurichten.

Waldkraiburg – Die Stelle, die eine sozialpädagogische Fachkraft übernehmen wird, ist zunächst auf die Kalenderjahre 2021 und 2022 befristet. Die Fachkraft sei an das Caritaszentrum angebunden, die Stadt erwarte deshalb erhebliche Synergieeffekte, so Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG).

Hohe Erwartungen an die neue Fachstelle

Das Aufgabenprofil des oder der Integrationsbeauftragten ist sehr vielseitig. Unter anderem geht es darum, ein „Netzwerk Integration“ mit allen wichtigen politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, von Kirchen und Migrantenorganisationen über die Bildungseinrichtungen zum Familien- und zum Jugendzentrum, zu etablieren. Ehrenamtliche, die sich für die Belange der Migranten engagieren sollen begleitet und unterstützt werden. Die Fachstelle soll zudem Vorschläge für eine lokale Integrationsstrategie erarbeiten, das Miteinander der Kulturen verbessern und die Beteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund am gesellschaftlichen Leben fördern und Integrationshemmnisse abbauen.

Caritas beteiligt sich an Finanzierung

Die bestehende Integrationsstelle des Landratsamtes soll durch dieses Angebot vor Ort, nah an den Menschen, unterstützt werden.

Lesen Sie auch:

Bürgertreffen für Stadtentwickler: Zukunftswerkstatt sucht nach dem „Waldkraiburg-Feeling“

Neue Akzente in der Migrationsarbeit

Der Bürgermeister betonte, dass sich die Caritas in erheblichem Umfang an der Finanzierung der Stelle beteilige, mit einem Personalkostenzuschuss in Höhe von 21 000 Euro und externen Fördermitteln der „Aktion Mensch“ in Höhe von 22 000 Euro. Jährlich 76 000 Euro muss die Stadt in ihrem Haushalt dafür aufbringen. Die Stadt prüft zudem, ob weitere Mittel aus der Städtebauförderung im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Gesamtkonzepts fließen können.

Sterr (CSU): Nebengesellschaften verhindern

„Wir sind eine Stadt mit hohem Migrationsanteil“, begründete CSU-Fraktionssprecher Anton Sterr, warum er die Stelle für sinnvoll hält. Deren Arbeit dürfe sich nicht auf die Gruppe der Asylbewerber beschränken, „wenn wir Nebengesellschaften verhindern wollen“. Sterr: „Wenn das Konzept funktioniert, dann kann diese Stelle zu einem guten Zusammenleben der Nationen in Waldkraiburg beitragen.“ Er sei vor allem darauf gespannt, was die Fachstelle im Hinblick auf die Werbung von Ehrenamtlichen leisten kann.

Lesen Sie auch:

Thema Asyl: Objektive Zahlen contra subjektives Sicherheitsgefühl

„Der Arbeitskreis hat gute Arbeit geleistet, stößt aber an seine Grenzen“, sagte Richard Fischer, SPD-Stadtrat und Vorsitzender des AK Asyl. Bestehende Projekte sollen nun von der Caritas übernommen und weiter entwickelt werden.

Grüne und AfD uneins bei Zielsetzungen

Unterschiedliche Akzente verbinden Grüne und AfD mit der Fachstelle. „Es ist in unserem Interesse, dass die Migranten sich integrieren. Diese müssten die Sprache lernen, „Sitten und Gebräuche respektieren“, meinte AfD-Sprecherin Tatjana Zapp, der allerdings die Finanzierung „Bauchschmerzen bereitet“. Auch ihr Fraktionskollege Ernst Schäffer sieht bei den Migranten eine „Bringschuld“, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Christoph Arz, Sprecher der gemeinsamen Grüne/FDP-Fraktion, betonte dagegen, es gehe nicht in erster Linie darum, die Migranten in die Pflicht zu nehmen, sondern ihnen zu helfen.

Kommentare