DROGEN FÜR MEDIZINISCHEN ZWECK ANGEBAUT

Mit Marihuana im Rucksack erwischt: Waldkraiburger zu Geldstrafe verurteilt

In seiner Wohnung hatte ein 33-jähriger Mann aus Waldkraiburg Marihuana angebaut. Die Drogen würden besser bei seinen Angst- und Panikattacken helfen als Medikamente.
+
In seiner Wohnung hatte ein 33-jähriger Mann aus Waldkraiburg Marihuana angebaut. Die Drogen würden besser bei seinen Angst- und Panikattacken helfen als Medikamente.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
    schließen

Eine Bewährungsstrafe ist einem 33-jährigen Mann aus Waldkraiburg erspart geblieben. Stattdessen hat ihn Amtsrichter Florian Greifenstein zu einer Geldstrafe verurteilt. Dass die Polizei ihn mit Marihuana im Rucksack erwischt hat, ist nicht der eizige Grund, weshalb er sich vor Gericht verantworten musste.

Waldkraiburg/Mühldorf – Aufgefallen war der Mann bei einer Routinekontrolle der Polizei im Dezember 2019. Laut Anklageschrift nahmen die Beamten Marihuana-Geruch war, weshalb sie auch seinen Rucksack durchsuchten. Und sie wurden fündig. Im Rucksack waren 46 Gramm Marihuana, eingewickelt in Alufolie.

Bei der Vernehmung hatte der Beschuldigte nur Angaben zur Person gemacht, nicht aber zur Sache. So wurde der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Professionelle Aufzuchtanlage

Welche Schritte die Staatsanwaltschaft dann eingeleitet hat, damit hatte der Mann wohl nicht gerechnet. Im Februar 2020 fand eine Wohnungsdurchsuchung bei ihm statt. Die Polizei wurde auch hier fündig: Sie stellten eine Aufzuchtanlage mit 18 Cannabispflanzen sicher.

Diese Pflanzen ergaben später, so stellte es die kriminaltechnische Untersuchung fest, 225 Gramm Marihuana. Nach Angaben des Angeklagten, der sich vor Gericht selbst verteidigte, habe diese Anlage über 2.000 Euro gekostet.

Der als Zeuge geladene Polizeibeamte aus Waldkraiburg bezeichnete die Aufzuchtanlage als professionell, sie hätte sogar einen Abluftschlauch besessen, um eventuelle Gerüche zu verdecken. Die Pflanzen hatten eine Höhe von etwa einem Meter erreicht und wurden in einem Anbauzelt gezogen.

Lesen Sie auch: Drogen für den Raum Waldkraiburg: Mann ein zweites Mal auf der Anklagebank

Vor Richter Greifenstein zeigte sich der beschuldigte Mann geständig, dass er Marihuana und Aufzuchtanlage besessen habe. Doch das hat auch seinen Grund: Das Marihuana würde er aus medizinischen Gründen benötigen. Wie er angab, leidet er unter einer neurovegetativen Störungen, er habe Angst- und Panikattacken.

Seit 2018 sei er deshalb im Inn-Salzach-Klinikum in Gabersee in Behandlung, nach einem vierwöchigen stationären Aufenthalt werde er nun ambulant mit Medikamenten behandelt. Diese zeigten bei ihm jedoch nicht dieselbe positive Wirkung wie Marihuana. Der behandelnde Mediziner habe ihm versichert, dass er gute Aussichten habe, die Voraussetzungen für den medizinisch verordneten Konsum von Marihuana zu erfüllen. Jetzt müsse nur noch die Krankenkasse zustimmen.

Der kooperative Angeklagte erklärte sich auch mit der Einziehung der Aufzuchtanlage, einer dazugehörigen Anleitung und des sichergestellten Rauschgiftes einverstanden. Letzteres wird vernichtet werden, die Anlage und das Buch landen in der Asservatenkammer. Vorstrafen hatte der Mann nicht.

Angeklagter ist geständig

Staatsanwältin Sabine Kirchleitner sah in ihrem Plädoyer die beiden Anklagepunkte voll bestätigt, der Beschuldigte hätte sie zugegeben, der Zeuge sie bestätigt. Der Mann sei einsichtig und nicht vorbestraft. Negativ bewerte sie die große Menge und den hohen Wirkstoffgehalt der Rauschgiftpflanzen. Daher forderte sie eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, eine Aussetzung zur Bewährung hielt sie für zulässig.

Richter Florian Greifenstein entschied letzten Endes auf eine Geldstrafe. Der Angeklagte muss 160 Tagessätze in Höhe von 50 Euro zahlen.

Lesen Sie auch: Waldkraiburger Kreisrat contra Landratsamt: Es geht um 75 Euro Bußgeld

Der Richter begründete sein Urteil wie folgt: Auch er bewertete das Geständnis und die Tatsache, dass der Mann noch nicht vorbestraft ist, als positiv. Bei einer Freiheitsstrafe mit Bewährung lauere jedoch die Gefahr, so Florian Greifenstein, dass der Angeklagte wieder mit Rauschgift erwischt werden würde.

Dann sei die Bewährung hinfällig, der Mann müsse ins Gefängnis, er würde seinen Arbeitsplatz verlieren. „Das Urteil zeigt, dass es keine Harmlosigkeit ist, Rauschgift zu besitzen“, sagte der Richter zum Schluss.

Mehr zum Thema

Kommentare