Mit dem Radl um die Welt: Nach Sabbatjahr tritt neuer Seelsorger Dienst in Waldkraiburg an

Jetzt sitzt Nicolas Gkotses im Pfarrverband fest im Sattel.
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Jetzt sitzt Nicolas Gkotses im Pfarrverband fest im Sattel.
  • vonUschi Huckemeyer
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Gyros oder Bifteki kommen bei ihm nicht auf den Teller. Er ist nämlich Vegetarier, der neue Waldkraiburger Gemeindereferent mit dem griechischen Namen Nicolas Gkotses. Vor Kurzem hat er seinen Dienst im Pfarrverband angetreten: Nach einem Sabbatjahr, in dem er mit dem Radl auf fünf Kontinenten war.

Waldkraiburg – Der Großvater des 35-Jährigen war einer der ersten Gastarbeiter in Deutschland. „Ich spreche kein Griechisch, aber ich liebe die Natur und die Landschaft Griechenlands.“ Die Heimat seines Opas erkundet Gkotses grundsätzlich mit dem Fahrrad. Rad fahren ist seine ganz große Passion. Gkotses, der zwar einen Führerschein aber kein Auto besitzt, erledigt all seine Wege seit 2014 nur mit dem Rad.

Für ein Jahr alles hinter sich gelassen

Der studierte Religionspädagoge war zuletzt im Pfarrverband Vier Brunnen/Ottobrunn beschäftigt, ehe er ein Sabbatjahr einlegte. Seine Motivation: „Ich wollte einfach mal richtig durchschnaufen.“

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Und dazu hatte er reichlich Gelegenheit, denn der 35-Jährige nutzte sein freies Jahr, um auf fünf Kontinenten mit dem Radl unterwegs zu sein. Der Religionspädagoge kündigte seine Wohnung und ließ alles hinter sich. Einige Kisten mit persönlichen Dingen stellte Gkotses bei Verwandten in Waldkraiburg ab.

24.000 Kilometer hat Nicolas Gkotses mit dem Fahrrad zurückgelegt. Auf seiner Reise durch fünf Kontinente war er auch am Polarkreis.

24. 000 Kilometer geradelt

Großartige Vorbereitungen traf er nicht. „Das einzige was ich mir besorgen musste, war ein Visum für den Iran.“ Am 16. August letzten Jahres startete der junge Mann von Waldkraiburg aus in sein Reiseabenteuer. Mit reichlich Gepäck beladen, strampelte er durch Europa, durch Südostasien, Australien, Neuseeland, Südamerika und Afrika. Die Summe der gefahrenen Kilometer kann sich sehen lassen: Gkotses brachte es auf stolze 24 000 Kilometer. „Die große Welt ist zwar immer noch groß, für mich ist sie jetzt aber weniger abstrakt, sondern wesentlich erfahrbarer geworden.“

Die meisten Nächte unter freiem Himmel

Der Extrem-Radler berichtet von Hitze, von Staub und Anstrengung und von exotischen Landschaften und Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Kulturen. Angst habe er auf seiner unglaublichen Tour eigentlich nie verspürt, obwohl er immer auf sich gestellt war und die meisten Nächte unter freiem Himmel verbrachte.

Corona hat die Tour jäh gestoppt

„Das wirklich kniffelige für Radfahrer ist der Straßenverkehr“, meint Gkotses. Gerade wenn Lkws vorbei preschen sei Vorsicht geboten. Der 35-Jährige kam ohne Blessuren durch die Reisezeit. Das Rad reparierte der junge Mann hingegen unzählige Male. Aber derlei Kleinigkeiten bringen den Gemeindereferent nicht aus der Ruhe. Corona schon eher, denn aufgrund der Pandemie endete seine Reise relativ abrupt.

„Ich bin am 20. März in Casablanca in den Flieger gestiegen und gen Heimat geflogen“, bedauert er. Mitte Mai trat Gkotses abermals in die Pedale. Dieses Mal Richtung Schweden.

„Frischer Wind“ in den Pfarreien

Jetzt sitzt er aber fest in seinem Pfarrverband im Sattel und widmet sich dort den vielfältigen Aufgaben. „Gemeindereferent ist ein spannender Beruf mit interessanten Gestaltungsmöglichkeiten“, schwärmt Gkotses. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist momentan die Organisation der Firmung im November.

Offensichtlich hat sich der Gemeindereferent schon gut eingeführt. „Aufgrund seiner positiven Ausstrahlung und der bisherigen Berufserfahrung bringt Nicolas frischen Wind in unsere Pfarreien“, sagt Petra Spirkl, Pfarrsekretärin im Pfarramt Christkönig. „Er hat sich hier mit einem Lächeln und mit ersten Worten vorgestellt, aus denen ich schon sein Engagement für einen lebendigen Glauben und für seine Freude am Beruf erkennen konnte.“

Auch beim Stadtradeln dabei

Dass Nicolas Gkotses für den Pfarrverband Waldkraiburg beim Stadtradeln mitmacht, ist Ehrensache. Allerdings gibt es da eine kleine Einschränkung: „An schönen Wochenenden wandere ich auch gerne. Die Berge vor unserer Haustüre laden dazu ja gerade ein“.

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