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Verstorbene Geschäftsführerin soll Konten geplündert haben

Millionen-Veruntreuung in Waldkraiburg? Wohnungsbesitzer sauer: „Das stinkt zum Himmel“

„Das stinkt zum Himmel.“ Max Breu aus Rosenheim ärgert sich über die mutmaßliche Veruntreuung der Gelder und fordert eine saubere juristische Aufarbeitung.
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„Das stinkt zum Himmel.“ Max Breu aus Rosenheim ärgert sich über die mutmaßliche Veruntreuung der Gelder und fordert eine saubere juristische Aufarbeitung.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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Auf den Hausgeldkonten von Wohnungseigentümergemeinschaften fehlt viel Geld. Die Wendelstein Immobilienverwaltungsgesellschaft mbH und ihre Tochtergesellschaft haben Insolvenz angemeldet. Die Frau, die die Gelder veruntreut haben soll, ist tot.

Waldkraiburg – „Das stinkt zum Himmel.“ Max Breu ist sauer. Die Familie des Rosenheimers, die in Waldkraiburg zwei Eigentumswohnungen besitzt, hat mehrere tausend Euro verloren. Das Geld ist von Hausgeldkonten der Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) verschwunden. Breus Fall ist nur die Spitze des Eisbergs. Über 60 Wohnanlagen in Waldkraiburg und weit darüber hinaus könnten betroffen sein, der Schaden in die Millionen gehen. Und die Frau, die die Gelder veruntreut haben soll, ist tot.

Auch die Wohnungseigentümer in dieser Anlage mit 43 Einheiten in der Aussiger Straße in Waldkraiburg wurden offenbar um mehr als 100.000 Euro gebracht. Geschädigte gibt es im ganzen Landkreis und weit darüber hinaus.

Insolvenzantrag brachte es ans Licht

Wie lange schon Geld von den Hausgeldkonten verschwand, die dazu da sind, die laufenden Kosten zu begleichen, ist nicht bekannt. Erst im Sommer dieses Jahres kam der Stein ins Rollen. Am 15. Juni erreichten das zuständige Gericht in Traunstein zwei Anträge auf Insolvenz. Der Wendelstein Immobilienverwaltungsgesellschaft mbH und ihrer hundertprozentigen Tochter Wegru Wohnungs- und Grundstücksverwaltungs GmbH drohe die Zahlungsunfähigkeit, teilt darin Geschäftsführerin Jenny S. dem Gericht mit.

In den Anträgen, die den OVB-Heimatzeitungen vorliegen, macht sie für die Schieflage der Unternehmen ihre verstorbene Mutter Ute S. verantwortlich. Die Diplombetriebswirtin sei nach einer internen Aufgabenverteilung für Buchhaltung und Zahlungsverkehr zuständig gewesen – „insbesondere für die Verwaltung der von der GmbH verwalteten Hausgeldkonten“, so Jenny S, die selbst nur „für das operative Geschäft nach Außen“ verantwortlich gewesen sein will.

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Nach dem plötzlichen Tod der Mutter am 21./22. Mai 2021 habe sie deren Zuständigkeitsbereich mit übernommen und bei genauerer Sichtung der Buchungsunterlagen festgestellt, dass die tatsächlichen Kontostände sich nicht mit den „mir vorliegenden, fachlich richtigen Zahlen“ deckten.

„Auf weitere Recherchen stellte sich heraus, dass meine Mutter mir gefälschte Buchungsunterlagen vorgelegt und eigenmächtig Verfügungen zwischen den unterschiedlichen Hausgeldkonten sowie auch auf ihr alleiniges Privatkonto getätigt hat.“ Die Wirtschaftsjuristin teilt dem Insolvenzgericht mit, dass das „vorläufig festgestellte Defizit der Veruntreuungen“ sich im Fall der Wendelstein Immobilienverwaltungsgesellschaft zwischen 115.000 und ca. 2,5 Millionen Euro bewege. Für die Wegru gibt sie ein Defizit von mindestens 100.000 Euro bis zu 420.000 Euro an.

Defizit womöglich größer als vier Millionen Euro

Nach übereinstimmenden Aussagen von betroffenen Wohnungseigentümern, die bei Eigentümerversammlungen in den vergangenen Wochen und Monaten vom Insolvenzverwalter über die Sachlage informiert wurden, könnte das Defizit sogar jenseits der Vier-Millionen-Euro-Marke liegen.

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Fast 227.000 Euro hätten zum 30. Juni 2021 zum Beispiel auf dem Rücklagenkonto einer WEG in der Aussiger Straße liegen müssen. Tatsächlich fehlten auf diese Summe über 122.000 Euro, wie aus einer vorläufigen Aufstellung des Insolvenzverwalters hervorgeht.

Wohnungseigentümer beklagen Ungereimtheiten in der Geschäftsführung

Da gebe es einige Ungereimtheiten, findet Lorenz O., dessen Frau eine Wohnung in dem Objekt besitzt, das durch die Tochtergesellschaft Wegru verwaltet wurde. Er fragt sich, in wie weit denn die Co-Geschäftsführerin Mitverantwortung für die Veruntreuungen durch ihre Mutter trage. Genährt wird die Kritik dadurch, dass bei der Wegru Ute S. nicht als Geschäftsführerin im Handelsregister eingetragen sei. „Auf keinem Briefkopf steht ihr Name“, ergänzt Max Breu.

Ob die Eigentümer je wieder etwas von ihrem Geld sehen, ist fraglich. Der finanzielle Schaden, im Fall seiner Familie geht es um etwa 5000 Euro, sei verschmerzbar, meint Breu. Ihm geht es viel mehr um eine saubere juristische Aufarbeitung.

Wie war das nur möglich?

Was ist mit dem mutmaßlich veruntreuten Geld passiert? Wie war es möglich, diese Summen zu entnehmen, ohne aufzufliegen? Insolvenzverwalter Florian Loserth macht das fehlende Vieraugenprinzip dafür verantwortlich, dass das Geld verschwinden konnte. Es habe Umbuchungen gegeben und Zahlungsabflüsse. Die genau zu ermitteln, sei eine Aufgabe der neuen Hausverwaltung, die die Insolvenzverwaltung am Donnerstag bestimmen wird. Die Größenordnung, um die es geht, bestätigt Loserth für beide Gesellschaften auf knapp drei Millionen Euro. Betroffen sind nach seinen Angaben 60 Wohneigentümergemeinschaften, die etwa 2500 Wohnungen und anderen Einrichtungen wie Ladengeschäfte in ihrem Besitz haben.

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Ob die Eigentümer ihr Geld wieder bekommen, ist fraglich, da will sich der Insolvenzverwalter nicht festlegen. „Eine Quotenaussicht lässt sich derzeit nicht beziffern“, sagt er.

Wie strafrechtliche Ermittlungen laufen, sagt die Staatsanwaltschaft nicht. Nur so viel: „Gegen Verstorbene wird nicht ermittelt“, stellt Oberstaatsanwalt Björn Pfeifer klar. Darüber hinaus will sich auch der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein zum gegenwärtigen Zeitpunkt „nicht zu diesem Komplex äußern“.

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