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KOSTENEXPLOSION

1,4 Millionen Euro: Waldkraiburger Genossenschaft beklagt hohe Abrisskosten

Bis September werden die drei alten Wohnblöcke der Genossenschaft in der Egerländer Straße liegen. Weniger als ein Prozent des Materials müssen dann in spezielle Deponien gebracht werden. Ob das Grundstück gleich geräumt werden kann, hängt davon ab, wann und wo dafür Kapazitäten frei sind.
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Bis September werden die drei alten Wohnblöcke der Genossenschaft in der Egerländer Straße liegen. Weniger als ein Prozent des Materials müssen dann in spezielle Deponien gebracht werden. Ob das Grundstück gleich geräumt werden kann, hängt davon ab, wann und wo dafür Kapazitäten frei sind.
  • Hans Grundner
    VonHans Grundner
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1,4 Millionen Euro – noch vor wenigen Jahrzehnten hat man dafür ein ganzes Mietshaus gebaut. Heute kostet die Waldkraiburger Genossenschaft der Abbruch von drei alten Wohnblöcken in der Egerländer Straße 1,4 Millionen. „Wir können froh sein, wenn es dabei bleibt“, sagt Geschäftsführer Werner Meisenecker.

Waldkraiburg – Die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg hat in den vergangenen Jahren einige unliebsame Erfahrungen mit der Kostenentwicklung beim Abbruch von Altbauten und der Entsorgung der Baustoffe gemacht. Erfahrungen, die schon deshalb von Belang sind, weil in den nächsten Jahren in der Stadt eine ganze Reihe von großen Projekten anlaufen, die mit umfangreichen Abrissarbeiten beginnen.

Noch Anfang des Jahres von geringeren Kosten ausgegangen

Noch Anfang des Jahres war die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW) davon ausgegangen, mit einer Million Euro bei der Freimachung des Geländes in der Egerländer Straße hinzukommen. Das wird wohl nicht zu halten sein, glaubt Meisenecker mit Blick auf die vorsichtigen Kostenberechnungen des Unternehmens, das die WSGW mit dem Abbruch beauftragt hat. „Die Kosten sind mittlerweile immens.“

Abriss-Fachmann: Wir hatten schon Einfamilienhäuser mit weit höheren Belastungen

Dabei sind die drei Häuser in der Egerländer Straße zwar ein relativ großes Projekt, aber hinsichtlich der Schadstoffbelastung „kein dramatischer Fall“, wie Timur Glowczewski klarstellt. „Wir hatten schon Einfamilienhäuser mit weit höheren Belastungen.“

Gebäude aus den 1950er-Jahren sind fast asbestfrei

Der Bereichsleiter Abbruch und Altlastensanierung bei der Lampersberger Umwelt GmbH spricht von „business as usual“. Die Gebäude seien „relativ sauber. Da hatte man Glück.“ Das habe wohl damit zu tun, dass zwei Blöcke relativ früh, Anfang der 1950er-Jahre, einer Ende des Jahrzehnts errichtet wurde. So halte sich deshalb etwa die Asbestbelastung sehr in Grenzen. Ein Haus sei ganz asbestfrei. In den anderen finden sich nur in einzelnen Bädern, an denen später wieder gearbeitet worden sei, Rückstände der gesundheitsgefährdenden Faser, zum Beispiel im Fliesenkleber.

Deponiekapazitäten sind knapp

Das schadstoffbelastete Material, das nicht in eine normale Bauschuttdeponie gebracht werden kann, zu separieren, das ist die Aufgabe des Chieminger Unternehmens. Diese Stoffe finden sich in der Regel in Farbanstrichen, Estrichbelägen, Wandaufbauten, Zwischenwänden, die nicht in Ziegelmauerwerk ausgeführt wurden. „Man versucht, das belastete Baumaterial auf möglichst kleine Mengen zu reduzieren“, sagt Glowczewski.

Weite Wege, große Verzögerungen beim Abtransport

Denn Deponiekapazitäten sind knapp. Was früher noch in der Region verklappt werden durfte, muss heute oft weite Wege zurücklegen. Werner Meisenecker erinnert sich daran, dass vor einigen Jahren Transporte von Waldkraiburg bis nach Dessau in Sachsen-Anhalt gebracht werden mussten. Und oft verzögere sich der Abtransport, wenn grade keine Kapazitäten frei seien.

Deshalb geht die Genossenschaft, die die Entsorgung mit einem anderen Partner organisiert, davon aus, dass es bis Ende des Jahres dauern könnte, bis das Areal frei gemacht ist. Dabei dürften die Gebäude „schon im September liegen“, so Meisenecker.

Etwa 90 Prozent des Abbruchmaterials werden recycelt

Etwa 90 Prozent des Abbruchmaterials kann durch den selektiven Rückbau Timur Glowczewski zufolge wieder aufbereitet und recycelt werden. Gesiebt, nachbeprobt und zertifiziert durch die TU München wird daraus Kiesersatz-Baustoff etwa für den Unterbau von Straßen oder Gebäuden. Weniger als ein Prozent des Gesamtgewichts muss gesondert entsorgt werden.

Teuer ist der Rückbau aus Rohbaustatus

Die Entkernung und Separierung, der Rückbau auf Rohbaustatus, mache den Abriss von Altbeständen immer teuerer, bestätigt der Abriss-Fachmann. „Der anschließende Maschinenabbruch kostet so viel wie vor 20 Jahren.“

In den vergangenen 15 Jahren seien Auflagen und Kontrollen immer weiter ausgebaut worden. „Fast wöchentlich ploppen neue Richtlinien auf.“ Es gehe nicht anders, findet Glowczewski. „Das macht Sinn.“ Europaweit sei Deponieraum begrenzt.

Beim Abriss von Altgebäuden kann es zu unliebsamen Überraschungen kommen

Die Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft Waldkraiburg (WSGW) machte zuletzt mehrfach die Erfahrung, dass man nicht nur vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand ist, wie ein geflügeltes Wort sagt, sondern dass es auch bei Abbrucharbeiten unliebsame Überraschungen geben kann. Zuletzt war das beim Abriss von Altgebäuden in der Berliner Straße und am Iserring so. „Da sind uns die Kosten weggelaufen“, sagt Geschäftsführer Werner Meisenecker. Mehr als eine Million Euro seien es am Ende geworden. Ein Problem waren dort auch große Verzögerungen beim Abtransport belasteter Stoffe. Es dauerte, bis Kapazitäten in geeigneten Deponien frei waren.

Während diese Erfahrung kein Waldkraiburger Spezifikum ist, hat die Altlast, die die WSGW im Zuge der Neubebauung in der Böhmerwaldstraße bewältigen musste, mit der besonderen Stadtgeschichte zu tun. In einigen Metern Tiefe wurde vor sechs Jahren ein Absetz- und Rückhaltebecken gefunden, das Teil der Dampfversorgung für das gesamte Rüstungswerk war.

Nach dem Krieg war das Becken mit Material aufgefüllt worden, das mit Hausmüll vermischt war und zum Teil mit Teerrückständen verseucht ist. Gefährliche Chemikalien aus der Rüstungsproduktion spielten dort laut dem mit der Bodenbegutachtung beauftragten Ingenieur Heinrich Hiemesch keine Rolle.

Doch vor allem die Teerrückstände machten die Entsorgung teuer. Ein größerer Teil des Erdreichs muss in eine abgedichtete Deponie gebracht werden. Zum Glück seien aus der Stahlbetonkonstruktion keine Stoffe ausgetreten, so Meisenecker.

Abriss und Entsorgung kosteten die WSGW damals nach seinen Worten rund eine Viertelmillion Euro. Die Hoffnung, der Staat könnte mit einem Zuschuss einspringen, weil das Rüstungsunternehmen ja nicht mehr existiert, habe sich damals nicht erfült.hg

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