Initiative gegen Abfallflut

Mit Mehrwegwindeln Müll vermeiden: Ampfinger Grüne scheitern mit Antrag im Gemeinderat

Statt der herkömmlichen Plastikwindeln wie auf diesem Foto favorisieren die Ampfinger Grünen ein umweltschonendes Mehrwegwindel-System und haben deshalb beantragt, dass die Gemeinde ein Starterset an Windeln einmalig mit 150 Euro fördert.
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Statt der herkömmlichen Plastikwindeln wie auf diesem Foto favorisieren die Ampfinger Grünen ein umweltschonendes Mehrwegwindel-System und haben deshalb beantragt, dass die Gemeinde ein Starterset an Windeln einmalig mit 150 Euro fördert.
  • Hans Grundner
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  • Hans Rath
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Um Anreize zur Müllvermeidung zu schaffen, haben die Ampfinger Grünen einen Antrag auf Förderung von Mehrwegwindel-Systemen gestellt. Doch im Gemeinderat kamen sie damit nicht durch.

Ampfing – Seit zwei Jahren gibt es in Ampfing die „Aktion Windelsack“. Die finanzstarke Gemeinde unterstützt damit Eltern von Neugeborenen und Angehörige von pflegebedürftigen Menschen. Eine gute Idee, finden auch die Grünen im Gemeinderat. Doch aus ihrer Sicht geht es – unter ökologischen Gesichtspunkten – noch besser. Um Müll zu vermeiden, hat die Fraktion deshalb im Gemeinderat beantragt, Mehrwegwindeln zu fördern.

Seit zwei Jahren stellt Ampfing kostenlosen Windelsack zur Verfügung

Einmal pro Monat stellt die Gemeinde Ampfing Eltern mit Babys oder Angehörigen pflegebedürftiger Personen einen 50-Liter-Müllbeutel im Wert von 2,20 Euro kostenlos zur Windelentsorgung zur Verfügung. Über 1000 Müllsäcke wurden seit der Einführung dieser freiwilligen Sozialleistung ausgegeben. Gut 2000 Euro hat sich die Kommune das also bislang kosten lassen.

Grüne wollen was gegen Müllflut tun

Die Grünen um Rainer Stöger, Fraktionssprecher und Opa in spe, werten die Aktion Windelsack als Erfolg. Doch einen großen Nachteil gibt es auch da: Die Müllmenge wird dadurch nicht kleiner. „Auf zweieinhalb Jahre gerechnet, die Kinder durchschnittlich brauchen, bevor sie trocken sind, braucht es etwa 5000 Wegwerfwindeln“, rechnet Stöger vor. Die nassen Windeln verursachen einen Gesamtabfallberg von etwa einer Tonne.“

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Das ließe sich vermeiden, durch ein Mehrwegwindel-System. Die Anschaffung eines Sets mit rund 25 Stoffwindeln kostet je nach System zwischen 250 und 800 Euro. Die Windeln können nach dem Waschen wiederverwendet werden. Nur ein Einlegevlies ist über den Restmüll zu entsorgen.

Das sei nicht nur umweltverträglicher, sondern auch gesünder für die Haut, führen die Grünen an, und im Gegensatz zu früher mittlerweile auch einfach zu handhaben. Die Systeme gebe es zudem für pflegebedürftige Erwachsene.

In Gars gibt es Mehrwegwindel-Förderung schon

Um Anreize zur Müllvermeidung zu schaffen, hat die Fraktion beantragt, dass die Gemeinde alternativ zur Aktion Windelsack auch die Anschaffung eines Startersets für Mehrwegwindeln einmalig mit 150 Euro fördert. Mit 50 Euro sollen Ergänzungskäufe bei weiteren Kindern bezuschusst werden.

Ampfing wäre nicht die erste Gemeinde im Landkreis, die ein Mehrwegwindel-System fördert. In Gars gibt es das bereits Mehrwegwindeln fördern mittlerweile bundesweit eine ganze Reihe von Kommunen, in Bayern zum Beispiel die Städte Wasserburg, Miesbach und Dachau.

Die drei Mitglieder der Grünen-Fraktion sowie vier Mitglieder der UWG unterstützten den Antrag. Die Mehrheit, elf Gemeinderäte und Bürgermeister Josef Grundner, lehnten die Initiative ab.

Bürgermeister sieht Ungleichbehandlung

Grundner sieht eine Ungleichbehandlung der Eltern. Wer den Windelsack in Anspruch nehme, bekomme eine Förderung in Höhe von 50 Euro auf Antrag. Beim Mehrwegwindel-System sei die von den Grünen vorgeschlagene Fördersumme dreimal so hoch.

Einlegevliese könnten Hebeanlagen verstopfen

Zudem gebe es Bedenken, dass die Vliese, die eigentlich in den Restmüll gehören, doch wieder in der Toilette runtergespült werden und in der Kanalisation für Probleme sorgen. Schon jetzt würden die Hebeanlagen immer wieder durch Feuchttücher verstopft.

Der Bürgermeister bemängelt auch, dass der Antrag noch eine Reihe von Fragen etwa im Hinblick auf die organisatorische Gestaltung offen gelassen habe. Er vermisst zum Beispiel, dass keine Erfahrungswerte aus anderen Kommunen vorliegen. „Das hätte man vorher mit der Verwaltung klären sollen.“

In der Gemeinderatssitzung warf Hans-Peter Kohlschmid (CSU) die Frage auf, ob denn immer, wenn jemand etwas für die Umwelt tue, die öffentliche Hand das belohnen müsse.

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