Mehr Diebstähle, weniger Wohnungseinbrüche: Licht und Schatten in Waldkraiburger Kriminalstatistik

Der Langzeitvergleichzeigt, wie sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zahl der Straftaten in der Stadt Waldkraiburg (orange) und im gesamten Dienstbereich der Polizeiinspektion (inklusive Waldkraiburg) entwickelt hat. PI Waldkraiburg

Licht und Schatten fällt auf die Kriminalstatistik 2019 für den Dienstbereich der Polizeiinspektion Waldkraiburg. Die Zahl der Diebstahlsdelikte ist angestiegen. In anderen Bereichen ist ein ebenso deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Wie Polizeichef Georg Deibl die Zahlen kommentiert.

Waldkraiburg– Um fast zehn Prozent ist 2019 die Zahl der Straftaten im Dienstbereich der Polizeiinspektion Waldkraiburg auf 1665 angestiegen. Das ist nur auf den ersten Blick ein Grund zur Besorgnis. Denn die Steigerung ist laut PI-Leiter Georg Deibl nicht zuletzt auf eine erhöhte Polizeipräsenz und damit verbundene verstärkte Kontrolltätigkeit im Rauschgiftmilieu zurückzuführen. Allein in diesem Bereich wurden laut Statistik über hundert Fälle mehr bearbeitet als im Jahr davor. „Wir haben in dieser Szene für relativ große Verunsicherung gesorgt.“

Anstieg bei Fahrraddiebstählen und Sachbeschädigung

Einen deutlichen Anstieg verzeichnet die Statistik bei der sogenannten Straßenkriminalität. Das sind Straftaten, die sich im öffentlichen Bereich abspielen, von der Sachbeschädigung bis zur Körperverletzung. 390 Delikte waren es 2019. Das kommt einem Anstieg um etwa ein Drittel gleich. Der Löwenanteil geht allerdings auf den Anstieg bei Fahrraddiebstählen (von 112 auf 152) und bei Sachbeschädigungen an Kfz zurück.

PI-Chef optimistisch für 2020

Georg Deibl ist sehr optimistisch, dass die Zahlen in diesem Bereich 2020 auf jeden Fall zurückgehen. Er rechnet mit einem positiven Nebeneffekt der Corona-Krise und der seit einigen Wochen besonders hohen Polizeipräsenz aufgrund der Anschlagsserie.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Deutlich nach oben haben sich die Zahlen bei den schweren Diebstählen entwickelt – von 149 auf 258 Delikte. Dabei spielen drei Serien eine Rolle. Unaufgeklärt blieb eine Häufung von Kelleraufbrüchen im Stadtgebiet im Frühjahr 2019, die plötzlich begann und ebenso plötzlich endete. Die Polizei geht von einem Einzeltäter aus, der wahllos Lebensmittel, Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge entwendete, um sie zu Geld zu machen. Auf das Konto von zwei Jugendlichen ging die Serie von rund 20 Einbrüchen in Gewerbebetriebe im Sommer. Auch eine Serie von Diebstählen von Baustellen, aus Garagen und Lagerräumen konnte die Polizei klären. Die Aufklärungsquote in diesem Bereich hat sich auf 22,1 Prozent fast verdoppelt.

Weniger Straftaten als vergleichbare Städte

Insgesamt kommt die Polizei im Inspektionsbereich Waldkraiburg auf eine unverändert hohe Aufklärungsquote. Bei 1110 der 1665 Straftaten wurden Täter ermittelt. Die Quote liegt bei 66,7 Prozent und damit über dem Bayern-Durchschnitt von 64,5 Prozent.

Nur noch sechs Wohnungseinbrüche

Nicht nur deshalb ist der Leiter der PI mit den aktuellen Zahlen zufrieden. „Die Zahlen belegen, wie sicher man in der Region Waldkraiburg leben kann.“ Die Häufigkeitszahl, ein statistischer Wert, der die Zahl der Delikte pro 100 000 Einwohner angibt, ist niedriger als in vielen vergleichbaren Städten, wie etwa Mühldorf. Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger stark beeinflussen, hat sich nach einem Rückgang auf 13 Fälle noch einmal halbiert – auf sechs Fälle. Davon wurden zwei aufgeklärt, bei drei Fällen blieb es beim Versuch. Straftaten gegen das Leben fielen von acht auf zwei, einen Totschlag und einen versuchten Totschlag. Bei den Rohheitsdelikten ist ein Rückgang um zwölf Prozent auf 273 Fälle zu verzeichnen. Gefährliche und schwere Körperverletzungen verringerten sich um ein Drittel. Mehr als ein Drittel weniger Vermögens- und Fälschungsdelikte liefen bei der Polizei auf.

Weniger Straftaten, die Zuwanderern zugeordnet werden

Gestiegen ist die Anzahl der delinquenten Kinder – von 24 auf 34, eine Tendenz, die sich auch im Jugendlichenalter fortsetzt. 93 Personen zwischen 14 und 18 Jahren gelten als tatverdächtig. Eine Erklärung für diesen Anstieg hat Deibl nicht.

Lesen Sie auch:

Die Kriminalitätsstatistik 2019 für den Altlandkreis Wasserburg

In der Corona-Pandemie wird weniger eingebrochen

Kriminalstatistik für die Region: So wenige Straftaten wie seit 10 Jahren nicht

Die Veränderungen bei der Belegung der Asylunterkünfte scheinen sich in der Statistik niederzuschlagen. Die Zahl der Straftaten, für die Zuwanderer verantwortlich gemacht werden, ist um 12,6 Prozent auf 167 gesunken. „Die Situation in der Ankerdependance ist mittlerweile recht stabil“, sagt der Leiter der Inspektion.

Kriminalstatistik 2019: Alle Zahlen und Fakten auf einen Blick:

Zuständigkeitsbereich Polizeiinspektion Waldkraiburg: Stadt Waldkraiburg, Markt Kraiburg, Gemeinden Aschau, Jettenbach, Taufkirchen, Unterreit.

Gesamtzahl Straftaten: 1665.

Aufklärungsquote: 66,7 Prozent.

Diebstahlsdelikte: insgesamt 487 (Steigerung um 12,7 Prozent);

• Wohnungseinbrüche: 6 (davon 2 aufgeklärt und 3 versuchte Einbrüche; Vorjahr: 13).

• Fahrraddiebstähle: 152 (Vorjahr 112).

• Ladendiebstähle: 63 (94).

• schwerer Diebstahl/Einbrüche): 258 (149).

Straftaten gegen das Leben: 2 (8), Totschlag und versuchter Totschlag.

Rohheitsdelikte: 273 (306); hohe Aufklärungsquote: 90,5 Prozent.

• Gefährliche und schwere Körperverletzung: 28 (minus 31 Prozent).

Vermögens- und Fälschungsdelikte:184 (286).

Rauschgiftdelikte: 189 (80).

Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung (u. a. sexuelle Nötigung, Kindesmissbrauch): 36 (26); Anstieg aufgrund von Verbreitung pornografischer Schriften auf 14 Fälle (4).

Häufigkeitszahl(=Anzahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner): 6194 (Vorjahr: 5705) in der Stadt Waldkraiburg; zum Vergleich: 6520 in der Stadt Mühldorf; 3728 im Landkreis Mühldorf, 4642 bayernweit.

Straßenkriminalität(Straftaten im öffentlichen Raum): 390 (299); Anstieg vor allem durch Zunahme bei Fahrraddiebstählen und Sachbeschädigung von Kfz begründet.

Tatverdächtige:801 Personen.

• 79,2 Prozent Männer, 20,8 Prozent Frauen.

• 336 Ersttäter.

• 34 (24) Kinder; 93 (68) Jugendliche; Erwachsene/Heranwachsende: 674 (671).

• 293 ohne deutsche Staatsangehörigkeit.

Kriminalität von Zuwanderern: 167 (191); Rohheitsdelikte 60 (101); 9 (4) Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung; die Taten werden zum überwiegenden Teil in den Einrichtungen begangen.

13 (12) Ladendiebstähle, 2 (2) Fahrraddiebstähle, 19 (11) Rauschgiftdelikte;10 (8) Fälle von Straßenkriminalität.

Kommentare