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Haushaltsgeld mit Drogen aufgebessert

Marihuana im Kinderbett: Dealer-Pärchen aus Waldkraiburg steht vor Gericht

Insgesamt rund 5,4 Kilo Marihuana soll das Dealerpaar aus Nigeria zwischen August 2019 und September 2020 in Waldkraiburg verkauft und dabei fast 20000 Euro Umsatz gemacht haben.
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Insgesamt rund 5,4 Kilo Marihuana soll das Dealerpaar aus Nigeria zwischen August 2019 und September 2020 in Waldkraiburg verkauft und dabei fast 20.000 Euro Umsatz gemacht haben.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Mit Drogenhandel hat ein nigerianes Ehepaar, das in Waldkraiburg lebt, sein Haushaltsgeld aufgebessert. Die Fahnder von der Kripo Mühldorf, die sie überführten, entdeckten das Marihuana einmal sogar im Kinderbett ihres achtjährigen Sohnes.

Traunstein/Waldkraiburg – Um einen schwunghaften Handel mit insgesamt rund 5,4 Kilo Marihuana zwischen August 2019 und September 2020 drehte sich ein Prozess vor dem Landgericht Traunstein gegen ein Ehepaar aus Nigeria, das derzeit in Waldkraiburg wohnt. Die Sechste Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler verhängte gegen den 38-jährigen Mann wegen mehrerer Betäubungsmitteldelikte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren zehn Monaten. Seine Frau (36) muss wegen zumeist Beihilfedelikten mit zwei Jahren und drei Monaten Haft büßen.

In der Anklageschrift hatte Staatsanwalt Nils Wewer diverse Verkäufe von Marihuana in Waldkraiburg und einen in Traunreut mit einem Umsatz von fast 20.000 Euro aufgelistet. In München, Traunreut, Eresing und Waldkraiburg sollen im Gegenzug entsprechende Einkäufe im Gesamtwert von etwa 3000 Euro stattgefunden haben.

Angeklagte sind selbst abhängig

Auf Anregung eines Verteidigers führten die Prozessbeteiligten ein langes Rechtsgespräch. Ausgelotet wurden dabei die Tatbeteiligungen der Angeklagten. Der Ehemann ließ über seinen Verteidiger, Michael Vogel aus Traunstein, den Inhalt der Anklageschrift voll einräumen.

Ergänzende Fragen wollte er nicht beantworten. Für die Frau erklärte Verteidiger Axel Reiter aus Mühldorf, sie habe von den Geschäften des Gatten gewusst, aber keine Details gekannt. Soweit seine Mandantin bei den Taten involviert war, habe sie auf Anweisung ihres Mannes gehandelt. Beide Angeklagten gaben an, Marihuana zu konsumieren – was Haargutachten nach der Festnahme bestätigt hatten.

Seit 2020 in U-Haft

Das Ehepaar, das zwei Kinder hat, hatte sich 2011 in Libyen kennengelernt und kam über Malta nach Europa. Seit 2015 lebt es in Deutschland. Im Zusammenhang mit anderen Ermittlungen gerieten die beiden Arbeitslosen in Verdacht, mit Drogengeschäften die Haushaltskasse aufzubessern. Fahnder der Kripo Mühldorf nahmen sie näher unter die Lupe. Die Vermutung von regen Marihuana-Geschäften bestätigte sich. Anfang September 2020 wanderte das Ehepaar in U-Haft.

Staatsanwalt und Verteidiger liegen weit auseinander

Ein „Kunde“ der Angeklagten, vom Amtsgericht Mühldorf bereits zu zwei Jahren Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt, bestätigte die ihn betreffenden Punkte. Der Zeuge betonte, bei den Marihuana-Geschäften hauptsächlich mit dem Mann zu tun gehabt zu haben. Die Frau habe dem 38-Jährigen nur „geholfen“. Im gleichen Sinn sagte ein von der Polizei vorgeführter Abnehmer aus, der bereits seine Haftstrafe absitzt.

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Staatsanwalt Nils Wewer konstatierte im Plädoyer, der Ehemann sei maßgeblich an den Betäubungsmittelgeschäften beteiligt gewesen, die Frau habe – abweichend von der Anklage – überwiegend Beihilfe zum gewerbsmäßigen Handeltreiben geleistet, aber auch mit ihrem Mann gemeinschaftlich gehandelt. Eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten sei für den 38-Jährigen erforderlich. Die Frau solle für drei Jahre und zwei Monate hinter Gitter.

Auf das volle Geständnis des Mannes verwies dessen Verteidiger, der eine Gesamtstrafe von nicht mehr als drei Jahren beantragte. Weil er mehr Taten als Beihilfe wertete als der Staatsanwalt, forderte der Anwalt der Frau, die seit fast einem Jahr in Untersuchungshaft ist, 15 Monate mit Bewährung. Der Haftbefehl sei aufzuheben.

Richterin: Frau war nicht nur Helferin

„Beihilfe oder Mittäterschaft? Das ist gar nicht so einfach“, hob die Richterin in der Urteilsbegründung heraus. Das Geständnis beider Angeklagter sei „sehr wertvoll und werthaltig“, habe eine lange Beweisaufnahme erspart. Nur deshalb sei die Kammer weit unter die Anträge des Staatsanwalts gegangen. Der 38-Jährige sei „gut im Geschäft gewesen“.

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Die 36-Jährige habe in einigen Fällen selbstständig gehandelt: „Sie ist nicht das totale Anhängsel ihres Mannes.“ Deshalb sei keine Strafe im bewährungsfähigen Bereich ausgesprochen worden. Aßbichler stellte der zweifachen Mutter in Aussicht, sie könne, da die U-Haft angerechnet werde, möglicherweise in ein paar Monaten Bewährung für die Reststrafe bekommen.

Umfangreiche Ermittlungen: 36 Handynummern – 18.500 Gesprächsprotokolle

Ein Kripozeuge berichtete vor dem Landgericht über den Gang der Ermittlungen. Er habe noch nie derart umfangreiche Telefonüberwachungen miterlebt – von 36 verschiedenen Handynummern mit rund 18.500 Gesprächsprotokollen, schriftlich fixiert auf Zehntausenden von Seiten.

In einem Telefonat zwischen den Eheleuten sei von dem Versteck „unter den Kochbananen“ die Rede gewesen. Ersichtlich sei: Im Lauf der Corona-Pandemie sei der Einkaufspreis für Marihuana gestiegen, damit der Gewinn des 38-Jährigen geschmälert worden.

Unter anderem schilderte der Polizeibeamte, bei der Durchsuchung der Wohnung am 7. September 2020 sei in einem Kinderhochbett eine Chipstüte mit knapp 300 Gramm Marihuana – in Reichweite des achtjährigen Sohnes – entdeckt worden.

Die Vorsitzende Richterin lobte die Kripo Mühldorf ausdrücklich für ihre langwierige, akribische Arbeit. kd

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