Der Mann am Rohr: Kraiburger Günter Korn moderiert seit 40 Jahren Sandbahnrennen

Günter Korn in seinem Element: Bei der Speedway- und Eisspeedway-Aktion des Inn-Isar Racing Teams in Wasserburg spricht er Celina Liebmann, Vize-Weltmeisterin im Speedway. klemm

Sein Vater hatte keine Zeit, also musste Günter Korn ran. Aufgrund dieses Zufalls hat er vor 40 Jahren sein erstes Sandbahnrennen moderiert und macht es auch heute noch. Seine Begeisterung für Motorsport hat er auch an die nächste Generation weitergegeben.

Von Raphaela Lohmann

Kraiburg – Der Geruch von verbranntem Methanol liegt in der Luft, die Motoren heulen auf und es staubt. Tausende Zuschauer stehen an der Bahn, jubeln den Speedway-Fahrern zu. Durch den Lärm hindurch ist die Stimme von Günter Korn zu hören. Als Moderator liefert er den Zuschauern wichtige Information, sorgt aber auch für Stimmung an der Rennstrecke. Und das schon seit 40 Jahren.

Zuschauer an der Rennstrecke zu unterhalten – das kennt er von seinem Vater. Schon als Kind hat Günter Korn ihn zu Veranstaltungen begleitet. Ambitionen, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, hatte er allerdings nicht und doch moderiert er mit 19 Jahren seine erste Veranstaltung. Sandbahnrennen in Eggenfelden. Sein Vater hatte keine Zeit, also musste er ran. „Es war Saisoneröffnung und die Bahn damals mitten in der Stadt.“ So mitten drin in der Organisation habe ihm die Arbeit gefallen.

Mit 19 das erste Rennen moderiert

Dass er mit dem Moderieren weiter gemacht hat, das habe sich so ergeben. Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre gab es kaum Sprecher, aber viele Veranstaltungen. Mit jeder Moderation wächst die Erfahrung, Günter Korn wird zu immer mehr Veranstaltungen eingeladen. Etwa 20 Jahre lang hat er sich die Termine mit seinem Vater aufgeteilt.

In erster Linie moderiert Günter Korn Sportveranstaltungen, vorrangig Motorsport: Bahnsport, Motocross, Straßenrennsport oder Flugplatzrennen. Etwa 15 Rennen moderiert er jedes Jahr. Das bedeutet: 15 Wochenenden auf Achse sein, manchmal sogar mehrere hintereinander. Mal geht‘s von Freitag bis Montag, mal nur sonntags. Wie lassen sich Hobby und Familie unter einen Hut bringen? „Am Besten wäre es, wenn alle mitfahren würden“, sagt der gebürtige Münchner, der seit zwölf Jahren in Kraiburg lebt. Aber die Familie bleibt meistens daheim. Anfangs hat ihn seine Frau Michaela begleitet, doch mittlerweile nutzt sie diese Wochenenden für sich. „Bei den Rennen ist er ziemlich eingespannt. Sobald er auf dem Gelände ist, hat er ohnehin nur wenig Zeit“, sagt sie. Sein Sohn Michael interessiere sich nicht für Motorsport, ganz anders Tochter Katharina: Schon als Jugendliche hat sie ihren Vater begleitet und macht das auch heute noch.

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Mittlerweile in einer anderen Rolle: Voriges Jahr beim Eisspeedway in Inzell war sie erstmals seine Co-Moderatorin, auch im März wird sie wieder dabei sein. Doch zuvor geht es für Günter Korn zur Eisspeedway-WM nach Berlin, sein Heimspiel hat er im Juli beim Sandbahnrennen in Mühldorf.

Das Weltfinale der Weltmeisterschaft 1989 in München – ein Rennen, das Günter Korn nie vergessen wird. Im Olympiastadion wird dazu eigenes eine Speedwaybahn aufgebaut. „Im Olympiastadion am Rohr und kommentieren – das war schon etwas Besonderes.“ 45 000 Zuschauer hätten damals eine tolle Kulisse geboten. Gewonnen hatte damals der dänische Fahrer Hans Nielsen.

Ansprüche sind größer geworden

Im Rückblick sei es sein Glück gewesen, dass er bereits vor 40 Jahren angefangen hat. „Ich hatte Zeit reinzuwachsen. Die Anforderungen waren damals noch nicht so groß. Als Moderator war man wegen der Technik an das Zielhäuschen gebunden. Das ist heute ganz anders“, sagt der Industriefachwirt. Die Technik erlaubt es, dass er sich als Moderator überall auf dem Gelände bewegen kann und damit sind auch die Ansprüche der Zuschauer größer geworden. „Es wird erwartet, dass der Moderator ständig Infos bringt.“ Die sind heutzutage dank Internet viel einfacher zugänglich als noch vor 40 Jahren, als er aus einem Bahnsport-Magazin und von Vereinen Informationen bekommen hat.

Lieber im Stadion als im Saal

Mit den Jahren hat ihn die Erfahrung lockerer werden lassen. Beim ersten WM-Finale hatte er sich zuvor daheim den kompletten Moderationstext geschrieben, denn er 1:1 abgelesen hat. Heute reichen ihm Stichpunkte. In einem Saal vor 200 Zuhörern zu reden hält er für schwieriger als in einem Stadion mit tausenden Zuschauern. „Im Stadion bin ich mehr für mich.“

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Als junger Erwachsener hatte er selbst ein eigenes Motorrad. „Zuerst brauchte es eine 50er Zündapp und später natürlich eine Honda.“ Seine Prioritäten haben sich irgendwann verschoben, weshalb das Motorrad wieder verkauft wurde. Den Ausflug mit dem Motorrad auf die Rennbahn hatte er auch gewagt. „Speedway und Seitenwagen – aber das war mir zu schnell. Ich stehe lieber außerhalb der Bahn und moderiere.“

Die Geschwindigkeit, der Umgang mit den Maschinen und der Sport „Mann gegen Mann“ machen für die Faszination Motorsport aus. Und natürlich der Geruch von verbranntem Methanol.

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