In Waldkraiburg kennen viele Manfred Gleim aus einem Ehrenamt - Jetzt zieht er sich zurück

Manfred Gleim war auch Im Ehrenamt ein Allrounder: ob in der evangelischen Kirche, in der Orchestergemeinschaft oder in vielen anderen Bereichen.
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Manfred Gleim war auch Im Ehrenamt ein Allrounder: ob in der evangelischen Kirche, in der Orchestergemeinschaft oder in vielen anderen Bereichen.

Er war Lehrer, Konrektor, Soldat, Fernfahrer, und bis vor Kurzem hat Manfred Gleim als ein unermüdlicher Allrounder Ehrenämter in den verschiedensten Bereichen übernommen und ausgefüllt. Jetzt hat sich der 78-Jährige zurückgezogen und schaut auf die Glücksfälle in seinem Leben zurück.

Waldkraiburg– „Es ist zwar großartig, dass sich über 20 neue Helfer gefunden haben, die in der evangelischen Kirchengemeinde ehrenamtlich mitarbeiten wollen“, verkündete Pfarrerin Anita Leonhard heuer beim jährlichen Danke-Fest der Gemeinde. Doch einem verdienten Mitstreiter unter den Ausscheidenden gebühre besondere Anerkennung. „Man kann ihn ohne weiteres als einsatzfreudigen Allrounder bezeichnen“, so das Kirchenvorstandsteam über Manfred Gleim.

Im September 1941 in Deutsch-Liebau Richtung Altvatergebirge wurde er geboren. Seine Mutter musste mit ihm, ihren Eltern und Tochter Käthe die Heimat verlassen. Nach kurzem Aufenthalt in Augsburg fand die Familie zusammen mit dem Vater, der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, im kleinen Dorf Häder Unterkunft und ließ sich schließlich in Bad Feilnbach nieder.

Gleim und die Glücksfälle

Dort fand der Vater eine Anstellung als Geschäftsführer in einem Obstverwertungsbetrieb. „Das war ein ausgesprochener Glücksfall für uns, denn wir wurden auf dem Gundelsberger Hof freundlich aufgenommen und gut versorgt“, wie Manfred Gleim betont.

Als Engerl den Nikolaus begleitet

„Du sollst Lehrer werden!“, hatten die Eltern, beschlossen, und da die Verkehrsanbindung nach Rosenheim äußerst schlecht war, landete Manfred im Internat des Deutschen Gymnasiums in Freising – ein weiterer Glücksfall für ihn. Denn im Heim lernte er Klaus Ertelt kennen, der ihn mit offenen Armen im Schulorchester aufnahm, da er schon seit seinem fünften Lebensjahr Geige gespielt hatte. „Sogar als Engerl durfte ich dann, Klaus, den Nikolaus, begleiten.“

Prägende Zeit bei der Bundeswehr

Mit Glücksfall Nummer drei folgte seine Bundeswehrzeit in der Gebirgsdivision Kempten, denn die soldatische Tätigkeit sollte ihn jahrzehntelang nicht mehr loslassen.

Dem Berufsziel Lehrer kam er an der evangelischen Pädagogischen Hochschule Nürnberg näher, wo er auch seine spätere Frau Karin kennenlernte. Angestellt in Langensteinach, wurde Karin dann „untergebene Kollegin“, wie er schmunzelnd feststellte. Neben diesem Glücksfall kam mit der Versetzung an die Verbandsschule Oberscheckenbach ein weiterer hinzu: „Dem Leiter, Herrn Grunow, bin ich ein Leben lang dankbar, denn durch ihn lernte ich Zivilcourage zu zeigen.“

Als Fernfahrer Geld fürs Studium verdient

Als das Kultusministerium zu Beginn der Siebzigerjahre nach Realschullehrern suchte, absolvierte er in München die Ausbildung in den Fächern Geografie, Rechnungswesen und Sozialkunde. „In den Semesterferien war ich im süddeutschen Raum als Fernfahrer unterwegs. Erst als wir zu zweit 20 Tonnen Getreide in Doppelzentnersäcken in die Oberpfalz bringen mussten, ebbte meine Begeisterung für diesen Job etwas ab.“

Nach seiner ersten Stelle in Pfarrkirchen pendelte er von 1976 bis 1990 von Waldkraiburg an die Realschule in Markt Schwaben, denn mit Ehefrau Karin und den Kindern Thomas und Christine hatte er sich in der Industriestadt ein Heim geschaffen.

Konrektor „mit Zivilcourage“

„Meine erlernte Zivilcourage kam mir sicher auch zugute, als ich nach erfolgreicher Bewerbung 1990 Konrektor in Waldkraiburg wurde“, so Manfred Gleim. Vielfältige Aufgaben kamen in den folgenden Jahren auf ihn zu: Er half als Lehrer an der Polizeischule Rothenburg aus und gab oft in den Ferien als Offizier der Reserve Unterricht für Soldaten.

Eine sehr schwierige Situation wartete auf ihn, als er mitten im Übergang zur sechsstufigen Realschule und die umfangreiche Gebäudeerweiterung die volle Verantwortung für den erkrankten Rektor Günter Ebner übernehmen musste.

Einen guten Draht entwickelte er zum damaligen Landrat Georg Huber: „Jede Woche saß ich bei ihm in der Baubude und nötigte ihm schließlich einen Informatik-Raum mit 34 Arbeitsplätzen ab. Dazu mussten die Schüler reihenweise Probesitzen, um die neuen Stühle zu testen.“

Mit Bratsche ins Orchester gelockt

Doch auch außerschulische ehrenamtliche Aufgaben übernahm Gleim bereitwillig. Er wurde Schriftführer und Kassier beim Sartrouville-Partnerschaftsverein, was Ursache für viele Frankreichaufenthalte am Atlantik wurde, gehörte jahrelang dem Seniorenbeirat als Kassier und Moderator bei Veranstaltungen an und war seit 1983 Mitglied und Kassier der Orchestergemeinschaft. „Dessen damaligen Leiter Klaus Ertelt traf ich wieder an der Graslitzer Schule, wo meine Frau Lehrerin war, und er bestimmte: Du bekommst eine Bratsche, wenn du dem Orchester beitrittst!“

Liebhaber der Berge macht sich Sorgen wegen Klimawandel

Eine weitere Heimat fand er dank Pfarrerin Hannah Wirth und dem Ehepaar Peiser bei seinen Aufgaben innerhalb der evangelischen Kirche. Nicht nur als Schriftführer im Diakonieverein war er tätig. Zusammen mit seiner Frau setzte er sich für Pamita ein, um den Eine- Welt-Handel zu unterstützen, war im Ausschuss für die Kirchenvorstandswahl und fühlte sich vor allem als Geograf im„Grünen Gockel“ verantwortlich: „Seit meiner Jugend sehe ich als Liebhaber der Berge, wie sich der Klimawandel auswirkt. Wir müssen die Stellschrauben dort anziehen, wo man selber etwas tun kann und versuchen, Standards in der Energiewirtschaft einzuhalten oder nachhaltig bei den Ressourcen zu wirtschaften.“

Bei Frust empfiehlt er Holzhacken

Wie wird nun ein solch unermüdlicher Allrounder mit seinem endgültigen Ausscheiden aus allen Posten und Ämtern fertig? Die Berge haben es ihm nach wie vor angetan, dazu ist ihm das Beisammensein mit seinem Freundeskreis wichtig, zu dem auch die „Realos“, seine ehemaligen Realschulkollegen, gehören. „Eines aber hilft mir seit meiner Lehrertätigkeit auch heute noch in manch unangenehmen Situationen: Beim Holzhacken kann man prima Frust abbauen – sehr zur Nachahmung empfohlen!“

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