Verhandlung in Mühldorf

Manchmal mehrmals an einem Tag harte Drogen gekauft: Waldkraiburger vor Gericht

Weil der Angeklagte geständig war, blieb es bei einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung.
+
Weil der Angeklagte geständig war, blieb es bei einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung.
  • Hans Rath
    vonHans Rath
    schließen

Wegen seines intensiven Drogenkonsums stand ein arbeitsloser Deutscher aus Waldkraiburg in Mühldorf vor Gericht. Staatsanwältin Anna Reis aus Traunstein warf dem 29-Jährigen unerlaubten Erwerb von Betäubungsmitteln, harte Drogen, Kokain und Heroin, in 25 Fällen vor.

Waldkraiburg/Mühldorf – Die Strafverfolgungsbehörden waren bei den Ermittlungen gegen einen albanischen Dealer, der mittlerweile in Haft sitzt, auf den Angeklagten aufmerksam geworden. Der Albaner hatte zusammen mit einem Freund in Waldkraiburg einen lebhaften Drogenhandel aufgezogen. Die beiden Rauschgifthändler waren ins Visier der Polizei geraten, die Staatsanwaltschaft hatte eine Telefonüberwachung angeordnet. Im Zuge dieser Überwachung wurde der 29-jährige Drogenabhängige erwischt.

Richter redet Angeklagten ins Gewissen

Er erschien ohne Rechtsanwalt. Für den von ihm verlangten Pflichtverteidiger lagen laut Gericht die Voraussetzungen nicht vor, so dass sich der Beschuldigte selbst verteidigte. Weil er sich zunächst nicht äußern wollte, redete ihm Amtsgerichtsdirektor Jürgen Branz ins Gewissen: „Ein Geständnis ist Gold wert.“ Allerdings bringe es nichts, wenn er erst im Laufe der Verhandlung gestehe.

Tatvorwurf eingeräumt

Weil er den Tatvorwurf daraufhin einräumte, wurden die Aussagen eines der beiden Dealer und eines ermittelnden Beamten überflüssig. Vernommen wurde allein der 48-jährige Polizist, der die Telefonüberwachung ausgewertet hatte. Er bestätigte die Drogenkäufe durch den Angeklagten.

Der Zeuge stellte klar, dass der Angeklagte seinen Ermittlungen zufolge nur gekauft, jedoch nicht mit Drogen gehandelt habe. Allerdings habe es sich um „heftigen Konsum“ gehandelt. Üblicherweise kaufte er zwei- bis dreimal pro Woche ein, manchmal auch mehrmals am Tag.

Wegen Alkoholkrankheit des Vaters obdachlos geworden

Der Angeklagte berichtete von einer schweren Kindheit und Jugend. Als er zwölf war, sei seine Mutter gestorben. Wegen der schweren Alkoholkrankheit des Vaters hätten sie ihre Wohnung verloren. „Ich wohne jetzt in der Obdachlosenunterkunft.“

Er arbeite an einem Drei-Punkte-Plan, sagte der 29-Jährige: Drogenentzug – eigene Wohnung – Arbeitsstelle. Das erste Ziel habe er erreicht. Seit Juni dieses Jahres konsumiere er kein Rauschgift mehr. Die eigene Wohnung habe er in Aussicht, ein Besichtigungstermin finde demnächst statt. Und er habe Kontakt mit einer Zeitarbeitsfirma aufgenommen. Den Kontakt zu seinem alten Freundeskreis habe er abgebrochen.

Drogenhandel und Erpressung

Ein Blick in das Bundeszentralregister erbrachte zwei Vorstrafen, darunter eine einschlägige wegen Drogenhandels. Erheblich sah das Gericht auch die zweite Eintragung, weil hier noch eine Bewährung offen stand. In diesem Fall war der Mann wegen erpresserischen Menschenraubs, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, die Bewährung war erst im Oktober des vergangenen Jahres abgelaufen. Die neuen Delikte hatten jedoch schon im März 2019 stattgefunden.

Lesen Sie auch:

Urteil im Drogenprozess – Acht Jahre Haft für Albaner

In ihrem Plädoyer forderte Staatsanwältin Reis eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf eine dreijährige Bewährung, sowie 150 Sozialstunden. Ebenso soll der Beschuldigte durch Drogenscreenings nachweisen, dass er keine Betäubungsmittel mehr konsumiert.

Richter Branz folgte der Staatsanwältin im Strafmaß, entschied sich aber für eine Bewährungsfrist von zwei Jahren. Auf das Drogenscreening verzichtete der Direktor des Amtsgerichts, letztlich liege es am Angeklagten selbst, ob er es schaffe, aus diesem Sumpf herauszukommen.

Die Sozialstunden halte er für eine sinnvolle Idee, so der Vorsitzende, verzichtete aber darauf, weil es bei einem Erwachsenen immer schwierig sei, eine passende Stelle zu finden. Branz entließ den Angeklagten mit einer Ermahnung: „Wenn Sie wieder Drogen nehmen und deshalb straffällig werden, gehen Sie ins Gefängnis.“

Kommentare