"Manche Kinder müssen Leid ertragen"

"Machen wir uns nichts vor - auch bei uns passieren Kindes-Misshandlungen!" Dies stellte Cathrin Henke, Vorsitzende des Kinderschutzbundes im Landkreis Mühldorf/Waldkraiburg bei der Vorstellung des neuen Bundeskinderschutzgesetzes bedauernd heraus.

Waldkraiburg/Mühldorf - "Zig-tausend Kinder werden jährlich vernachlässigt", berichteten die stellvertretende Vorsitzende Gabriele Schleich und Reinhard Deinböck, Vorstandsmitglied des Kinderschutzbundes, bei der Info-Veranstaltung im Haus der Kultur und sie zählten erschreckende Beispiele von Familiendramen auf.

Cathrin Henke erörterte aus der Kriminalstatistik, dass allein im vergangenen Jahr in Deutschland 146 Kinder durch Gewalt oder Vernachlässigung sterben mussten, davon waren 114 noch jünger als sechs Jahre. 72 Kinder unter 14 Jahren wurden 2011 Opfer eines versuchten Mordes oder Totschlags. Zudem wurden 4096 Fälle von körperlichen Misshandlungen an Kindern aufgezeichnet und 12444 Fälle von sexuellem Kindes-Missbrauch sowie fast 4000 Fälle von Besitz und Verschaffung von Kinderpornographie.

"Jeder Fall ist erschreckend - jeder einzelne Fall eine Tragödie!" Henke stellte heraus, dass das Thema "Schutz der Kinder" von großer Wichtigkeit sei und darauf aufmerksam gemacht werden muss und nicht erst dann, wenn bereits etwas Schreckliches geschehen ist.

"Wir Menschen sind aufgefordert, hinzuschauen und durch Aufmerksamkeit unsere Kinder zu schützen", appellierte sie. Dabei sei es nicht allein Aufgabe des Jugendamtes, die ganze Gesellschaft sei hierbei gefragt. Wichtig sind auch die Netzwerke und die richtigen gesetzlichen Rahmenbedingungen.

"In der Kinderschutzarbeit ist in den vergangenen Jahren bereits viel in Bewegung gekommen - aber wir alle stehen immer noch vor einer sehr großen Herausforderung". Das am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz wurde von vielen Institutionen wie auch dem Deutschen Kinderschutzbund sehr begrüßt. Es soll helfen, das Wohl von Kindern und Jugendlichen zu schützen sowie ihre körperliche, geistige und seelische Entwicklung zu fördern.

Als Hauptreferent stellte der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer das neue Gesetz zum Kinderschutz vor. "Den meisten Kindern geht es gut und es wird ihnen viel Liebe zuteil - manche wiederum müssen großes Leid ertragen". Frühe Hilfen und verlässliche Netzwerke bieten einen aktiven Kinderschutz, wobei hier alle wichtigen Akteure wie Jugend- oder Gesundheitsämter, Schulen, Krankenhäuser, Schwangerschafts-Beratungsstellen, Ärzteschaft und Polizei zusammengeführt werden.

Der Einsatz von Familienhebammen (Hebammen mit zusätzlicher Qualifikation) soll sich etablieren, wobei Familien mit kleinen Kindern längerfristig betreut werden und auch psychosoziale Unterstützung erfahren. Unter Punkt Handlungs- und Rechtssicherheit ging Stephan Mayer unter anderem auf den Hausbesuch zur Einschätzung der Lebenssituation eines Kindes ein und informierte über das erweiterte Führungszeugnis bei Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Verbindlichkeit fachlicher Standards der Kinder- und Jugendhilfe wird durch das Bundeskinderschutzgesetz erhöht.

Elfriede Geisberger, Leiterin des Amts für Jugend und Familie im Landkreis Mühldorf, stellte die Aktivität vom "KoKi - Netzwerk frühe Kindheit" vor und dass mit Kooperations-Partnern noch mehr zum Kinderschutz erreicht werden kann. Vieles sei vor Ort schon erfolgreich umgesetzt worden. bac

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