Mahnwache nach Großbrand in Waldkraiburg – Bürgermeister Pötzsch appelliert: Halten wir zusammen!

„Waldkraiburgbleibt bunt“ – Stadtrat Richard Fischer (links) und Hüseyin Cabuk zeigen Flagge.

Ein Zeichen der Solidarität mit den Geschädigten des Großbrandes am Sartrouville-Platz und gegen Hass, Gewalt und Ausländerfeindlichkeit setzten die Teilnehmer einer Mahnwache des Netzwerks „Mühldorf ist bunt“.

Waldkraiburg – Noch ist nicht klar, wer hinter dem verheerenden Brand steckt, der am vergangenen Montag in einem türkischen Lebensmittelladen am Sartrouville-Platz mutmaßlich gelegt wurde, drei weitere Geschäfte schwer beschädigt und Leben und Gesundheit der Bewohner eines Wohnhauses über der Ladenzeile gefährdet hat. Doch weil es Anhaltspunkte für einen ausländerfeindlichen, extremistischen Hintergrund gibt, versammelten sich am Samstag rund 50 Teilnehmer zu einer Mahnwache in Sichtweite des Brandortes.

Netzwerk für Demokratie beklagt „feige Übergriffe“ gegen Menschen mit Migrationshintergrund

„Mühldorf ist bunt“, das Netzwerk für Demokratie und Toleranz im Landkreis, hatte zu der Veranstaltung aufgerufen, um allen Betroffenen Mitgefühl und Solidarität auszudrücken. Für Hartmuth Lang, Sprecher des Netzwerks, liegt ein ausländerfeindlicher Hintergrund des Anschlags nahe. In den vergangenen Jahren zeige sich im Landkreis Mühldorf „immer mehr eine negative Stimmung gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Dies äußert sich leider auch immer mehr in feigen Übergriffen.“ Er berichtete von Vorfällen in Mühldorf, wo Aufkleber mit den Islam beleidigenden Aufschriften festgestellt wurden. Gezielt seien dort Fensterscheiben von ausgewählten Geschäften mit Steinen beworfen worden. Vor eineinhalb Jahren wurde ein abgetrennter Schweinekopf an eine Ladentür gehängt. Zuletzt hätten diese Angriffe auf Waldkraiburg übergegriffen, so Lang. Schaufenster zweier türkischer Geschäfte wurden eingeworfen, Schweinekot sei verspritzt worden. Lang sprach von „feigen Taten“ und rief alle Bürger, auf, sich „gegen blinden Hass zu stellen“.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

„Wir dürfen uns durch solche Straftaten nicht in unserem Leben verunsichern lassen“, sagte Bürgermeister Robert Pötzsch. Er rief die Bürger dazu auf, wachsam zu sein, sich nicht von Parolen, Falschmeldungen und anonymen, nicht gesicherten Berichten in die Irre führen zu lassen und Polizei und Einsatzkräfte zu unterstützen, wenn diese um Mithilfe bitten. Und Pötzsch appellierte an die Waldkraiburger, als Gesellschaft zusammenzuhalten und zusammenzustehen.

Die Mahnwache setze ein klares Zeichen gegen Rechts, gegen Hass, Gewalt und Ausgrenzung, so Bundestagsabgeordnete Sandra Bubendorfer. „Wir dürfen dem Hass niemals weichen. Niemals dürfen wir Gewalt tolerieren.“

Lesen Sie auch:

Zur Ermittlungsarbeit in Sachen Großbrand in Waldkraiburg: NSU war gestern

Großfeuer Waldkraiburg: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen „Extremismus und Terrorismus“

„Wir brauchen keine Bürgerwehren“: Polizei will alles tun, um Großbrand in Waldkraiburg aufzuklären

Nurseda Baskent, die Dialogbeauftragte der türkisch-islamischen Gemeinde, berichtete von Angst und Verunsicherung in der türkischen Community. Es sei beruhigend, dass die Ermittlungsbehörden diese Sorgen ernst nehmen, mit größtem Nachdruck und in alle Richtungen ermitteln, insbesondere auch ins rechtsextreme Lager, und „bemüht sind, das persönlich geschädigte Sicherheitsgefühl wiederherzustellen“.

Pfarrer Stritar grüßt die türkische Gemeinde: Ihr seid nicht allein!

Im Namen der Waldkraiburger Kirchengemeinden grüßte Pfarrer Simon Stritar die türkischen Mitbürger: „Yalnız degilsin – Ihr seid nicht allein!“ Stritar: Der oder die Täter dieser Anschläge wollen Angst verbreiten und einen Keil in das friedliche Zusammenleben der Bürger Waldkraiburgs hineinschlagen. „Mich motivieren diese Taten noch mehr dazu, mich für das freildiche Zusammenleben aller Menschen hier weiterhin einzusetzen.“ hg

Kommentare