CHIEMGAUMEISTERSCHAFT IM FINGER- UND BOAHAKELN IN EISELFING

Männer ziehen sich über den Tisch

Die Hakler sind mächtig am Kämpfen und geraten mitunter in komische Situationen. mir
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Die Hakler sind mächtig am Kämpfen und geraten mitunter in komische Situationen. mir

Nix für schwache Nerven - scheint ein passender Satz zu sein, wenn man in der Zuschauermenge in Pollersham im Gemeindegebiet von Eiselfing sitzt und die Tradition dieser „Manner-Gschicht“ näher beäugt. Die Männer hakelten sich gerne in Pollersham.

Eiselfing/Unterreit – Angestrengte Gesichter, Krafteinsatz und Begeisterung waren bei der Chiemgaumeisterschaft im Finger- und Boahakeln zu erkennen. Um die Gewichtsklassen zu ermitteln, mussten die Männer erst mal auf die Personenwaage auf der Bühne. Dann rieben sich Burschen und Männer mit Magnesium ihre Hände ein, um dann ein Platzerl am Tisch zu ergattern. Die Spiele können beginnen.

Mit aller Kraft geht es beim Fingerhakeln darum, den am Mittelfinger eingehakten Lederriemen samt Gegner über die Tischmitte zu ziehen. Mal mit mehr Anstrengung, mal mit weniger Kraftaufwand. „Diese Tradition soll niemals aussterben“, sind sich viele der Teilnehmer einig und zeigen sich begeistert von dem Wettbewerb, der im Zuge des Feuerwehrfestes der Feuerwehr Schönberg im idyllischen Pollersham stattfand.

Die einzelnen Wettbewerbe sind allesamt schnell vorbei. Sepp Huber als Schiedsrichter gibt den Startschuss, sobald der Lederriemen samt der eingehakten Finger beider Teilnehmer in der Mitte platziert ist und die Gegner sich mit dem Schienbein fest an der Tischkante eingestemmt haben. „Nur so hat man dann die nötige Kraft und den Halt“, weiß ein älterer Herr im Publikum, der sich amüsiert, wie sich die jüngere Generation hier „ins Zeug“ legt. Das Aufeinandertreffen ist meist in weniger als zwei bis drei Minuten vorbei.

Mit dabei und recht erfolgreich war der gelernte Maurer Richard Olenik. Der Ameranger ist 26 Jahre alt und hat sich spontan für die Teilnahme entschieden. „Hat aber wirklich Spaß gemacht“ lächelt Olenik, der etliche seiner Gegner in der Altersklasse im Schwergewicht über den Tisch gezogen hat.

Auch die Jüngeren bis zwölf Jahre sind am Start. Bei den Schülern in dieser Altersklasse holte sich Daniel Steffinger aus Pollersham den ersten Platz, gefolgt von Vitus Helbich aus Ostermühle, auf Platz drei kam Felix Fischer aus Kerschdorf. Die Schüler bis 16 Jahre zeigten sich ebenfalls hochmotiviert: Erster wurde Heinrich Maier aus Fuchsthal, Zweiter Anton Berz aus Pollersham, gefolgt von Georg Liegl aus Pollersham auf Platz drei und Michael Reininger aus Pollersham auf Platz vier.

Der Kraftakt beim Fingerhakeln war bei allen Gewichtsklassen gleich. Besonders spannend waren die Herrschaften im Schwergewicht über 90 Kilo. Hier war gut zu sehen, wie anstrengend es ist, das Gegenüber in die eigene Hälfte zu ziehen. „Das Fingerhakeln ist nicht gefährlich, es gibt kein übermäßiges Verletzungsrisiko“, versichert Schiedsrichter Sepp Huber.

Das Feuerwehrmitglied hält an der Tradition fest und holte diese Chiemgaumeisterschaft nach Pollersham. Man habe in der Umgebung nach einer Wirtschaft gesucht, in der es stattfinden könne, so Huber. Während der Vorbereitungen für das Gartenfest habe sich dann die Idee aufgetan, diese Meisterschaft hier auszutragen.

Im Publikum hat er viele potenzielle Kandidaten gesichtet, die sich dann jedoch gegen eine Teilnahme entschieden haben. „Schade, es hätten schon noch mehr mitmachen können“, findet Huber.

In der Altersklasse holte sich Franz Eibl den ersten Platz, gefolgt von Konrad Plenk auf Platz zwei und Herbert Eibl auf Platz drei. Vierter wurde Michael Ackermann. In der Kategorie Leichtgewicht bis 75 Kilo katapultierte sich Robert Zöschg an die Spitze, gefolgt von Friedl Plenk und Johann Stadler. Im Mittelgewicht bis 90 Kilo gewann Georg Wimmer aus Wang vom Gau „OIV“ vor Georg Wimmer aus Wand, Florian Bernhart aus Unterzarnham und Stefan Spagl aus Evenhausen.

Im Schwergewicht über 90 Kilo gewann der Ameranger Richard Olenik, gefolgt von Martin Huber aus Eichellohe und Hubert Untermaier aus Roitham/Seeon. Andi Schneider aus Evenhausen wurde Vierter, Simon Winhart aus Hochstätt holte sich den fünften Platz.

Nachdem der Chiemgaumeister im Fingerhakeln feststand, ging es auf die Matte. Eine kleine Verzögerung gab es, weil der auf die Bühne geschraubte Tisch für das Fingerhakeln nicht gleich wieder abmontiert werden konnte - der Akkuschrauber schwächelte zunächst. Doch nach getaner Arbeit war die Bühne frei für die nächste Meisterschaft, ebenso mit langer Tradition.

Beim Fingerhakeln geht es um die Fertigkeit, mit Kraft und Geschick in einer gewissen Schnelligkeit die Schwäche des Gegners auszunutzen und zu seinen Gunsten zu ziehen. Das Boahakeln findet nicht am Tisch, sondern auf einer Turnmatte statt. „Beide Teilnehmer liegen mit dem Rücken auf dem Boden und heben das Bein“, erklärt Sepp Huber.

Gegenseitig halten sich die Männer an der Schulter fest, um Halt zu haben. Dann geht es auf Kommando da rum, sich im Bein-Fuß-Geflecht des anderen einzuhaken und den Gegner mit einer Rolle umzuheben. Bei den Darbietungen gab es viel motivierenden Applaus, viel Gelächter, weil der Anblick recht pfiffig war und es stolze Momente der Sieger gab.

Einer, der mit von der Partie war bei der Chiemgaumeisterschaft im Boahakeln in Pollersham, ist Michael Ackermann aus dem Gemeindegebiet Unterreit. „Das gehört einfach zur Brauchtumspflege dazu, darum find ich das richtig zünftig und mach da gerne mit“, so Ackermann.

Eine solch bayrische Tradition, die schon seit Generationen vererbt wird, solle nicht einfach von der Bildfläche verschwinden, findet der Unterreiter Boahakler. Er war es, der mit einer gewissen „Leichtigkeit“ seine Gegner mit eingehakten Beinen bei der Rolle „geholfen“ hatte und am Ende der Sieger war; Zweiter in seiner Gewichtsklasse im Boahakeln wurde Georg Wimmer aus Wang, Dritter Herbert Eibl. mir

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