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SERIE: GESCHICHTSTAGE

Von Luken, Bäumen und Bier

Heute ist die Lukeversteckt – Georg Ametsbichler weiß aber natürlich wo sie ist. Er schiebt mit den Schuhen den Kies bei Seite. Hier wurde das Eis in den zehn Meter tiefen Keller runter geschüttet.
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Heute ist die Lukeversteckt – Georg Ametsbichler weiß aber natürlich wo sie ist. Er schiebt mit den Schuhen den Kies bei Seite. Hier wurde das Eis in den zehn Meter tiefen Keller runter geschüttet.

Auf den ersten Blick ist die Brauerei Ametsbichler in Aschau einfach ein schönes Anwesen. Wer mit Georg Ametsbichler darüber spricht, wie früher Bier gebraut wurde, versteht aber recht schnell, dass das Gebäude außerdem gut durchdacht war. Energie sollte im Prozess des Brauens nicht verschwendet werden.

Aschau – Man könnte meinen, Bier brauen sei eine simple Angelegenheit; schließlich braucht es ja nur vier Zutaten: Malz, Hefe, Wasser und Hopfen. Aber nicht umsonst spricht man auch von Braukunst. Denn die Zutaten werden teils erhitzt, dann wieder gekühlt. In Zeiten ohne Elektrizität war das weniger bequem als heute.

Bräu Georg Ametsbichler hat recherchiert, wie seine Familie in früheren Zeiten gearbeitet hat. Die Ergebnisse werden bei den Geschichtstagen des Landkreises im Oktober zu sehen sein; sie stehen unter dem Motto „Energie schläft nie – Energie im Landkreis Mühldorf“.

Auch das Anwesen der Familie in Aschau, in dem sich das Bräustüberl befindet, verrät einiges über die Energiegewinnung anno dazumal. „Man orientiert sich immer an dem, was möglich ist“, sagt er über das Thema Energie in früheren Zeiten.

„Energie ist ein weitläufiger Begriff“, gibt Georg Ametsbichler zu bedenken. Einerseits eine physikalische Größe. Viele dächten dabei auch an Muskelkraft, Pferdestärken oder an den Brennwert von Lebensmitteln. Beim Bierbrauen ist die Gerste der Rohstoff, der mit Hitze zu Malz verarbeitet wird.

Da lagen die Felder“, deutet Georg Ametsbichler auf die gegenüberliegende Straßenseite, wo heute ein Parkplatz liegt.

Mit Getreide wurden auch die Bewohner des Hofes ernährt. Lange war das Anwesen in erster Linie eine Landwirtschaft, das Bierbrauen nur Nebensache für den Eigenbedarf. Erst 1876 sei die Brauerei gewerblich geworden, erzählt Georg Ametsbichler.

Damals wie heute: Braukunst bleibt Braukunst

Das Holz, um aus der Gerste unter Hitzeeinwirkung Malz herzustellen, sei aus dem eigenen Wald gekommen. Anders als heute konnte die Temperatur aber nicht einfach mit Knopfdruck eingestellt werden. „Das war das Handwerk“, sagt der Bräu. Genaue Temperaturen müssen erreicht und gehalten werden, um Prozesse anzustoßen. Eine diffizile Angelegenheit. Hingehauen habe das früher nicht immer. Heute können sich Brauer auf andere Teile der Braukunst konzentrieren als auf die Temperaturen.

Aber Braukunst bleibt Braukunst. Das Wasser kam aus Quellen in Waldwinkel, am Bräuberg und aus dem Moos. Verschenkt wurde nichts: Die Rückstände bei der Malzherstellung, den sogenannten Treber, verwendete man als Viehfutter. Insbesondere die Pferde waren für die Brauerei wichtig.

Auch das Kühlen spielt beim Bierbrauen eine entscheidende Rolle. Dafür nutzte die Familie von Georg Ametsbichler seinerzeit natürliche Ressourcen. Gebraut wurde grundsätzlich – nicht nur in Aschau – in der kälteren Jahreshälfte, erklärt er: zwischen dem Michaelitag im September und dem Georgitag im April – wichtig für untergärige Biere.

Dann gab es eben auch Eis, um zu kühlen. Schon der Keller der Brauerei nutzte die Temperatur des Grundwassers als Kühlung. Etwa zehn Meter unter der Erde liegt er. Es herrschen zwölf Grad. Durch eine Luke im Boden vor dem Bräustüberl konnte Eis runter in den Keller geschüttet werden. Um diese Luke heute zu zeigen, muss Georg Ametsbichler mit den Schuhen Kies wegschieben. Der Keller wird noch immer genutzt. Aber ohne Eis.

Das Eis kam aus einem nahegelegenen Weiher. Eisen wurde es genannt, wenn Eis in Stücke gesägt wurde. Danach zogen Pferde, später Lastwagen, diese Brocken zur Brauerei.

Dass oben vor dem Haus, Linden und Kastanien stehen, mag manch einer für einen klugen Schachzug für den schattigen Biergarten halten. Der Aschauer Ametsbichler sagt, Linden und Kastanien standen mit Absicht vor vielen Brauereien, um deren Keller vor Sonnenstrahlung zu schützen. Also eine zusätzliche Wärmeisolierung.

Malzherstellung, Würze kochen und das Kühlen für die Gärung sieht Georg Ametsbichler als große energieaufwendige Schritte des Bierbrauens. Das Abfüllen in Flaschen oder Fässer und der Transport in Wirtshäuser war ein weiterer Schritt, für den Energie aufgewendet werden musste. Es habe früher Bierfahrer mit Pferdefuhrwerken gegeben, erzählt Georg Ametsbichler. „Die erste Runde fuhr er mit Eis“, sagt er. So konnten die Brauereikunden die später gelieferten Bierfässer kühlen. Wer näher an der Brauerei wohnte, konnte direkt ins Bräustüberl gehen, um kühles Bier zu trinken oder mit leerem Masskrug Bier zu sich nach Hause holen.

Im Grunde schließt sich mit dem Bier trinken ein Energiekreislauf. Georg Ametsbichler sagt, früher habe Bier einen Teil des Kalorienbedarfes der männlichen Bevölkerung gedeckt. Bier kostete also nicht nur Energie, sondern lieferte auch Energie.

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