Lieber Bürgermeister in Taufkirchen als Bundeskanzler: Jakob Bichlmaier schaut zurück

So gerne Jakob Bichlmaier Bürgermeister von Taufkirchen war, so sehr freut er sich jetzt auch auf mehr Zeit mit der Familie. Und die Enkel Miriam und Lorenz freuen sich auf den Opa. privat
  • Hans Grundner
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24 Jahre lang stand er an der Spitze der Gemeinde Taufkirchen. Jetzt geht Jakob Bichlmaier in den kommunapolitischen Ruhestand mit der Gewissheit, dass das Bürgermeisteramt in Taufkirchen ihm viel lieber ist als der Posten des Bundeskanzlers, den er in der Schule als Berufsziel ausgegeben haben soll.

Taufkirchen – Er hat nicht am Zaun zum Kanzleramt gerüttelt, wie es von Gerhard Schröder erzählt wird. Doch bis heute erinnern ihn seine Spezln aus der landwirtschaftlichen Berufsschule daran, dass er in jungen Jahren als Berufsziel tatsächlich einmal „Bundeskanzler“ angegeben habe. „Dafür hat’s dann nicht ganz gereicht“, lacht Jakob Bichlmaier. Doch der 68-Jährige hat ein Amt ausgefüllt, dass er jedem anderen vorzieht. 24 Jahre lang war er mit Leib und Seele Bürgermeister seines Heimatdorfes Taufkirchen. In wenigen Tagen geht er in den kommunalpolitischen Ruhestand.

Lebendige Vereine sind ihm wichtig

Der Weg in die Gemeindepolitik war für Jakob Bichlmaier gewissermaßen vorgezeichnet. „Taufkirchen war für mich Zeit meines Lebens der Mittelpunkt“, sagt der Mann, der in einem Weiler mit dem klingenden Namen Stumpfer am Zaun geboren wurde und bis heute dort lebt. Früh hat er sich in den Vereinen engagiert, war Vorstand des Sportvereins. Und er ist überzeugt: Die Vereine sind in einem Dorf wie Taufkirchen ein entscheidender Faktor, ein Ort, wo sich Gemeinschaft und Verantwortung einüben lassen. Das jährliche Bikertreffen, das Oldtimertreffen, der Georgiumritt in Sonham – das kann man nicht einfach aus dem Hut zaubern, „da muss die ganze Gemeinde mithelfen“. Auf diesen Zusammenhalt ist der Bürgermeister besonders stolz.

Bodenständig, aber nicht hinterwäldlerisch

Bichlmaier ist Landwirt, und das hat ihn sicherlich in seiner Amtsführung geprägt. Bodenständig, nah bei den Leuten hat er die Gemeinde geführt, aber nicht hinterwäldlerisch, sondern offen für Neues.

Bis zu einem Motorradunfall vor 15 Jahren führte er neben dem Bürgermeisteramt auch seinen Milchviehbetrieb in vollem Umfang weiter. „Am Anfang war‘s ziemlich stressig“, erinnert er sich. Es gab Tage, da ging es hin und her zwischen der Arbeit auf dem Hof und Verpflichtungen als Bürgermeister. „Manchmal habe ich mich drei- oder viermal am Tag geduscht. Aber ich bin trotz des häufigen Duschens nicht dünnhäutig geworden“, lacht er.

Dreimal mit weit über 90 Prozent wiedergewählt

Ein Kommunalpolitiker brauche schon einen „breiten Buckel. Er sollte nicht alles so tragisch nehmen. Und er muss seine Gemeinde lieben und die Menschen achten, aber er darf nicht alle Wünsche erfüllen.“ Er habe versucht, alle möglichst gerecht zu behandeln, sagt Bichlmaier, der für die CSU seit 24 Jahren im Kreistag sitzt, aber gleichzeitig betont: In einer kleinen Gemeinde habe Parteipolitik nichts verloren.

„Man muss nicht erwarten, dass einem jeden Tag jemand auf die Schulter klopft“, sagt der scheidende Bürgermeister. Dabei gab es durchaus Anlass zum Schulterklopfen. Das wussten die Bürger, die bei den Wiederwahlen 2002, 2008 und 2014 zeigten, dass sie sehr zufrieden mit dem Bichlmaier Jok im Rathaus sind. Weit über 90 Prozent machten bei ihm ihr Kreuzchen.

Die wichitgsten Projekte

In seine lange Amtszeit fallen viele wichtige Projekte: Er erinnert sich an die Eröffnung der Umgehungsstraße, „fast meine erste Amtshandlung“. Ein großes Anliegen war ihm, „dass die jungen Leute hier bei uns bauen können“. Im Ortsteil Weiß stellte die Gemeinde genügend Bauland zur Verfügung. Im Gallenbachtal entstand eine neue Kläranlage. Und Taufkirchen ist eine der ersten Gemeinden im Landkreis, die heuer den Breitbandausbau abgeschlossen hat. „In jedem Außenbereich liegt Glasfaser im Haus.“ Erst vor Kurzem erfolgte mit dem großen Ringschluss mit benachbarten Versorgern ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Wasserversorgung. Auch eine Kinderkrippe wurde gebaut. Gemeinsam mit Oberneukirchen betreibt Taufkirchen den Kindergarten und einen Schulverband.

Gleich am Anfang: Super-Gau für den Gemeindehaushalt

Dass diese Entwicklungen möglich wurden, war nicht unbedingt vorgezeichnet. Denn fast zeitgleich mit seinem Amtsantritt kam der Super-Gau für den Gemeindehaushalt. Bis dahin stand Taufkirchen finanziell hervorragend da, wegen der Gewerbesteuer aus dem Gasspeicherwerk in Unterbierwang. „Ich hatte mich eigentlich auf ein gemütliches Werken eingestellt.“ Doch dann verkehrte sich die Ruhrgasfinanzierung ins Gegenteil. „Auf einen Ruck mussten wir drei Millionen Mark zurückzahlen. Ein Jahr lang standen wir fast unter Zwangsverwaltung.“ Dass er heute die Gemeinde schuldenfrei mit einer Rücklage von drei Millionen Euro übergeben kann, darauf ist der 68-Jährige stolz. Der neue Gemeinderat mit Bürgermeister Alfons Mittermaier an der Spitze hat damit Spielraum für eine schwierige Entscheidung, die nicht mehr in Bichlmaiers Amtszeit fiel: die Sanierung der 35 Jahre alten Mehrzweckhalle. Wenn sie weiter Veranstaltungshalle für den Ort bleiben soll, wird es wegen der Brandschutzauflagen teuer.

Erfolglos um Gewerbegebiet bemüht

Misserfolge? Die Ansiedlung von Gewerbe habe er nicht geschafft, sagt der scheidende Bürgermeister. „Dabei könnten wir an Grundstücke kommen.“ Das Ziegelwerk sei ein idealer Ausgangspunkt für ein Gewerbegebiet, findet er. Doch die Regierung ist da nicht mitgegangen, weil dieses Gebiet nicht an die Besiedlung angebunden wäre.

Und noch ein Thema fällt ihm ein. Der Kanalbau zum Baugebiet Einharting in der Gemeinde Unterreit. Bis heute trauert er dieser Anschlusschance für viele Anlieger nach, die der Gemeinderat damals ablehnte. „Ich habe die Stimmung falsch eingeschätzt.“

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Das ist Jakob Bichlmaier nicht oft passiert. Auch deshalb, weil er 24 Jahre lang „Riesenglück“ hatte mit seinen Gemeinderäten. „Da gab es keine Quertreiber.“ Und auch das zählt zu den günstigen Rahmenbedingungen: Eine Familie, die hinter ihm stand, und mit Hans Oberpaul ein Vorgänger, „der zugleich mein Freund war und mir den Übergang leicht gemacht hat“. Oft waren sie gemeinsam in den Bergen. In einem Skilift in Maria Alm, Bichlmaier weiß es noch bis heute, habe ihm Oberpaul 1990 angekündigt, nur noch eine Amtsperiode zu machen. Er solle sich schon mal überlegen, ob er 1996 die Nachfolge antreten wolle.

„Ich habe die Entscheidung nie bereut.“ Und trotzdem freut er sich auf den Ruhestand, auf die Zeit mit der Familie, vor allem auf Bulldogfahrten, bei denen er seinen Enkeln zeigen will, dass es noch schönere Sachen als Handys gibt. Und er freut sich aufs Skifahren und Mountainbiken. Und darauf nicht mehr in den Terminkalender schauen zu müssen.

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