Letzter Schlagabtausch: Waldkraiburgs Bürgermeisterkandidaten diskutieren im Haus der Kultur

In knapp zwei Wochen ist Kommunalwahl. Bei der Podiumsdiskussion von VHS, Kreisjugendring und Gewerbeverband mit Moderator Norbert Haimerl (Mitte) trafen die vier Kandidaten Valentin Clemente (FDP, von links), Richard Fischer (SPD), Robert Pötzsch (UWG) und Wolfgang Nadvornik (CSU) ein letztes Mal direkt aufeinander. Lohmann

Waldbad, Rathaus oder der Anschluss an den ÖPNV: Bei der Podiumsdiskussion standen die großen Themen der Stadt im Vordergrund. Doch auch eine Position zum Umgang mit der AfD, die möglicherweise in den Stadtrat einzieht, wollte Moderator Norbert Haimerl von den vier Bürgermeisterkandidaten wissen.

Waldkraiburg – Ein letzter direkter Schlagabtausch zwischen den vier Bürgermeisterkandidaten. Mehr als 600 Leute wollten sich diesen im Haus der Kultur nicht entgehen lassen. Auch Moderator Norbert Haimerl, Geschäftsführer vom Regionalfernsehen Oberbayern (rfo), hatte es noch rechtzeitig zur Diskussionsrunde geschafft: Erst am Morgen war für die Organisatoren von VHS, Kreisjugendring und Gewerbeverband klar, dass er wieder aus Japan zurück ist.

„Die Stadt geht kaputt, es könnte vieles besser sein“, für seine Aussage quittierte Wolfgang Nadvornik (CSU) zu Beginn Pfiffe aus dem Publikum. Aber die Stadt habe Potenzial und Leidenschaft, das an diesem Abend viel diskutierte „Wir-Gefühl“ der Stadt gehe in die richtige Richtung. Die Innenstadtentwicklung sei eines der Themen, wo er anpacken will. „Kein Waldkraiburger Phänomen“ hielt Bürgermeister Robert Pötzsch (UWG) entgegen. Online-Shopping schwäche den Einzelhandel, es liege an den Bürgern, die Angebote vor Ort anzunehmen. Im Einzelhandel sieht auch Valentin Clemente (FDP) wenig Spielraum für die Stadt. Ganz anders bei der Gastronomie: Initiativen dürfen nicht an zwei Parkplätzen scheitern. „Einkaufen muss zum Erlebnis werden“, sagte Richard Fischer (SPD). Dazu müsse man den Verkehr nach außen verlagern und verkehrsberuhigte Maßnahmen ergreifen.

Alternativen, um nichts zu verbieten

Ohnehin sehen die Kandidaten eine Blechlawine auf die Stadt zukommen. Mit einer vernünftigen Anbindung an den ÖPNV allein ist es nach Ansicht von Valentin Clemente nicht getan. „Man muss Alternativen anbieten, um nichts zu verbieten.“ Das Thema Mobilität beinhalte mehrere Bausteine, es nur auf Busse auszurichten, sei zu kurz gedacht. „Es müssen alle Formen genutzt werden, um die Leute zu bewegen“, sagte Fischer. Das ÖPNV-Konzept müsse stärker mit den Gemeinden abgesprochen werden, aber jeder müsse auch sein eigenes Verhalten überdenken. Das Netz ausbauen, das 365-Euro-Ticket und Bustickets für alle Schulkinder – für Nadvornik ein Weg, um die Blechlawine aufzuhalten. „Das 365-Euro-Ticket ist finanzierbar.“ Das stellte Bürgermeister Pötzsch in Frage: „Ich bin gespannt, wie das Ticket aussieht.“ Denn der Landkreis stehe vor großen Herausforderungen. Sonntags eine bessere Anbindung an den ÖPNV, wie ihn sich eine Zuhörerin wünscht, sei eine wirtschaftliche Frage.

Ein Bad, das sich die Stadt leisten kann

Sparen lautet die Devise bei den drei Herausforderern beim Thema Rathaus. Sie favorisieren eine Sanierung, die Schätzungen zufolge vier Millionen Euro als ein Neubau billiger ist. Schulen und Kinderbetreuung haben Vorrang. Ein Neubau sei kein Luxusprojekt, sondern habe Vorteile, argumentierte Pötzsch. Nach einem einstimmigen Beschluss im Stadtrat wieder „zurückgepfiffen“ zu werden, fördere nicht das Vertrauen.

Wie soll es mit dem Waldbad weitergehen? „Es ist viel Zeit verstrichen“, sagte Nadvornik. Das Waldbad soll eine neue Chance am Standort bekommen. „Es bleibt, wo es ist und wird schön gemacht.“ Eine Sanierung will auch Richard Fischer vorantreiben, der aber auch kritisierte, dass man zwei Jahre verloren habe.

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Viel Potenzial sprach Clemente dem Waldbad zu, das man nicht schlechter machen solle. Dort gebe es viel ehrenamtliches Engagement, um das Bad attraktiv zu machen, eine Initiative der Stadt fehlt ihm aber. Das Waldbad soll „am Standort mit allen Angeboten“ erhalten bleiben.

Zeit verloren zu haben, diesen Vorwurf wies Robert Pötzsch zurück. Nachdem die Pläne für ein interkommunales Freibad mit Aschau gescheitert sind, habe die Stadt sofort die Arbeit aufgenommen. Jetzt müsse man nach einer Alternative suchen. „Die Stadt will weiterhin ein Freibad mit einem attraktiven Angebot bieten“, sagte Pötzsch. Er favorisiert einen Neubau, den sich die Stadt leisten kann. Lässt sich kein alternativer Standort finden, dann am bestehenden.

Die Industrie als Motor unterstützen

Wie viel Wachstum verträgt die Stadt noch? Dem sind zwar „physische Grenzen“ (Clemente) gesetzt, dennoch braucht es „Maß und Ziel“. Beim Thema Gewerbe müsse ein Kompromiss gefunden werden. Fischer ist es wichtig, die Umwelt zu erhalten, gleichzeitig brauche es aber bezahlbaren Wohnraum. „Wir müssen mit den Ressourcen so umgehen, dass die Leute hier wohnen und arbeiten können.“ Nadvornik dauert manches zu lange. Man müsse zukunftsorientiert denken, im Dialog sein und schnelle Lösungen finden. „Die Industrie als Motor muss man unterstützen.“ Bei Bedarf Flächen anbieten, aber nicht auf Vorrat ausweisen.

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Auch künftig werde es Nachfrage an Wohnraum geben, das Wachstum habe aber Grenzen.

Durch den Verkauf des Peters-Geländes an einen Investor bietet sich laut Pötzsch eine „Riesenchance“. Hier müsse die Stadt genau schauen, was möglich ist, was passiert. Das Gewerbe brauche Entwicklungsflächen, ein Puffer zum Wohngebiet werde aber bleiben.

Keine demokratische Partei

Eine klare Position zum Umgang mit der AfD vertraten die drei Herausforderer: Clemente will zwar abwarten, wie sich die möglichen Kandidaten im Stadtrat „aufführen“, eine Zusammenarbeit hält er aber für ausgeschlossen. Für Richard Fischer ist die AfD „keine demokratische Partei“. Weil er aber Demokrat sei, müsse er sich an die Spielregeln der Geschäftsordnung halten. Die AfD gaukle den Wählern vor, eine demokratische Partei zu sein. Aber: „Die AfD gehört nicht in den Stadtrat“, stellt Nadvornik klar. Wenn sie gewählt werde, müsse man wohl oder übel mit den Kandidaten zusammenarbeiten. Zurückhaltender argumentierte Pötzsch. „Der Stadtrat wird bunter.“ Der Bürgermeister habe die Aufgabe zu moderieren. Wenn demokratisch diskutiert werde und sich alle an die Spielregeln halten, warum soll eine Zusammenarbeit nicht funktionieren?

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