Lesen bleibt in Mode: Wie die Waldkraiburger Stadtbnücherein den Corona-Alltag meistert

Die Corona-Pandemie hat auch das Nutzer-Verhalten der Leser in der Stadtbibliothek verändert. Das stellt Bianca Mertin, die Leiterin des Haus des Buches in Waldkraiburg, zum „Tag der Bibliotheken“ fest, der sich am Samstag zum 25. Mal jährt.
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Die Corona-Pandemie hat auch das Nutzer-Verhalten der Leser in der Stadtbibliothek verändert. Das stellt Bianca Mertin, die Leiterin des Haus des Buches in Waldkraiburg, zum „Tag der Bibliotheken“ fest, der sich am Samstag zum 25. Mal jährt.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es den „Tag der Bibliotheken“. Anlass, in der Stadtbücherei Waldkraiburg nachzufragen, wie sie den Corona-Alltag meistert. Die Besucher halten sich aufgrund der Pandemie wesentlich kürzer auf als früher. Doch die Stapel, die sie mitnehmen, sind deutlich höher geworden.

Von Uschi Huckemeyer

Waldkraiburg – Bibliotheken sind ein Wahrzeichen für Bildung und Kultur. Um auf ihren Wert aufmerksam zu machen, hat der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker vor einem Vierteljahrhundert, am 24. Oktober 1995, den „Tag der Bibliotheken“ ins Leben gerufen. Ein großes Aktionsprogramm ist in Zeiten von Corona auch in der Stadtbücherei Waldkraiburg an diesem Jubiläumstag natürlich nicht möglich. Die Frage ist vielmehr: Wie kommt die Bibliothek mit der Pandemie zurecht? Wie managt das Team um Leiterin Bianca Mertin eigentlich den Alltag in der Krise?

Wegen Corona: Viele ältere Nutzer bleiben fern

„Die Leute gehen jetzt mit einem wesentlich größeren Stapel Bücher nach Hause als dies vor der Corona-Pandemie der Fall war“, beobachtet Bianca Mertin. Man blättere lieber in den eigenen vier Wänden die einzelnen Bücher durch, anstatt sie bereits in der Bücherei genauer in Augenschein zu nehmen.

Ihr Eindruck: Die Leserinnen und Leser halten sich tatsächlich kürzer im Haus des Buches auf. Rund 300 Leseausweis-Besitzer meiden nach ihren Worten aufgrund von Corona generell den Gang in die Stadtbücherei. Es handle sich dabei meist um ältere Personen.

Enormer Aufwind bei den E-Books

Dafür erfuhren E-Books enormen Aufwind. Während der Schließung der Bücherei nahm die Ausleihe von E-Books um mehr als die Hälfte zu. Die digitalen Medien sind nach Darstellung der Bücherei-Leiterin auch jetzt noch sehr beliebt. Was in diesen Zeiten besonders häufig über die Ausleihe-Theke geht sind Hörbücher, Entspannungsromane, Zeitschriften und Gesellschaftsspiele.

Das Verhalten der Nutzer ordnet Mertin so ein: „Das Leben der Menschen spielt sich in diesen Zeiten viel daheim ab. So sind gerade gemeinsame Spiele eine willkommene Unterhaltung innerhalb der Familie.“ Grundsätzlich glaubt die Chefin der Stadtbücherei auch zukünftig an die Attraktivität von Büchern. Das Hobby Lesen werde nicht aus der Mode kommen.

Oberbayern-Krimis stehen in der Hitliste ganz oben

Momentan führen Oberbayern-Krimis die Hitliste in der Bücherei an. Ratgeber aller Art sind ebenfalls sehr gefragt.

Damit das Lesefeuer bereits bei den Kleinsten angefacht wird, stellte die Bücherei unter fachkundiger Anleitung von Sonja Wirnsberger eine Erzählwerkstatt auf die Beine. „Wir betrachten Bilderbücher und besprechen anschließend die Geschichten. So tauchen die kleinen Buben und Mädchen in eine wunderbare Welt ein und ihr Interesse an Büchern wird geweckt“, erklärt die Lese- und Literaturpädagogin.

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Haus des Buches Waldkraiburg

Sinn der Erzählwerkstatt sei es natürlich, sich grundsätzlich mit Sprache und Lesen auseinanderzusetzen. Wie Bianca Mertin aus Erfahrung weiß, freuen sich die größeren Kinder. wenn sie den Kleinen etwas vorlesen dürfen. „Doppeldecker-Lesen“ heißt diese Aktion in der Bücherei, die viel Anklang findet. Die älteren Kinder sind stolze Vorleser und die Jüngsten interessierte Zuhörer.

25 Jahre Tag der Bibliothek

Am 24. Oktober 1995 wurde der „Tag der Bibliotheken“ ausgerufen. Das Datum geht auf die Gründung der ersten deutschen Stadtbibliothek in Sachsen zurück. Diese wurde am 24. Oktober 1828 vom Rentamtmann Karl Preusker und vom Arzt Emil Reiniger als Bürger-Bibliothek in dem kleinen Örtchen Hayn eröffnet. Bücher waren damals teuer, für Arme unerschwinglich. Mit der Karl-Preusker-Bücherei, die bis heute besteht, hatten alle Bürger Zugang dazu.

Anke Schäftlmeier (40), Grundschullehrerin, Waldkraiburg: „Ich bin regelmäßig in der Bücherei. Am liebsten lese ich bayerische Krimis, momentan einen Thriller von Jessica Kremser . Da wird die Gegend um den Chiemsee toll beschrieben, das gefällt mir.“ Huckemeyer
Stephanie Zintz (30), Serviceassistentin, Waldkraiburg: „Heute bin ich mit meinem Sohn da, weil es eine Kinderveranstaltung gibt. Romane lese ich selten. Mir sind Ratgeber lieber, mit Tipps aus den Bereichen Kindererziehung oder wie man Freizeit sinnvoll gestalten kann.“
Matthias Pretzl (28), Fachlagerist, Mittergars: „Die Bücherei ist sehr gemütlich. Zurzeit sitze ich hier und lese den Jugendroman „Online war er noch so süß“. Da geht es darum, wie man sich im Internet geschickt verstellen kann. Ich möchte damit meine Schwestern warnen.“
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