Wichtige Hürde in Ausschuss genommen

Lange umstritten in Waldkraiburg: Wald könnte bald zu Gewerbefläche werden

Gegen die Pläne für die Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße protestierten Naturschützer und Anlieger eines Wohnviertels. Jetzt würdigt eine Sprecherin der Bürgerinitiative die Kompromissbereitschaft der Stadt, die zu einer „umweltbewussteren Planung“ geführt hätten.
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Gegen die Pläne für die Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich der Daimlerstraße protestierten Naturschützer und Anlieger eines Wohnviertels. Jetzt würdigt eine Sprecherin der Bürgerinitiative die Kompromissbereitschaft der Stadt, die zu einer „umweltbewussteren Planung“ geführt hätten.

Die Erweiterung von zwei Betrieben im Gewerbegebiet nördlich der Daimlerstraße sorgte weit über ein Jahr für heftige Diskussionen mit Anwohnern, Naturschützern und einer Bürgerinitiative. Jetzt steht das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes unmittelbar vor dem Abschluss.

Waldkraiburg – Einstimmig hat der Stadtentwicklungsausschuss die Änderung befürwortet. Aus der Wald- wird eine Gewerbefläche. Im Lauf des Verfahrens hatte die Stadt aufgrund der kritischen Stellungnahmen von Behörden und Einwänden von Privatpersonen den Eingriff in die Waldfläche aber erheblich reduziert.

Keine eigene Erschließung

Die neuen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange fallen wieder skeptisch aus, stellen aber kein unüberwindliches Hindernis für das Vorhaben dar. Ausdrücklich anerkannt wird, dass die Stadt sich im Sinne des Wald-, Natur- und Artenschutzes bewegt habe. So kommt die Erweiterung ohne eine ursprünglich geplante eigene Erschließungsstraße aus. Zur sogenannten Schilcherlinie, einem rund 50 Meter breiten Waldstreifen, kommen mindestens weitere 20 Meter Wald hinzu, die belassen werden.

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„Es bleibt ein Eingriff“, räumte Bauamtsleiter Carsten Schwunck im Ausschuss ein. Aus Sicht der Stadt bestehe der höhere Wert aber darin, den Bedarf an Gewerbeflächen dort zu decken. Zudem sei die Notwendigkeit für den Bau eines Schalthauses zur Stromversorgung dieses Gebiets nachgewiesen. „Es geht nur an dieser Stelle.“

Es bleibt Eingriff in Klimaschutzwald

Trotz der Flächenersparnis muss fast ein Hektar lokaler Klimaschutzwald für die Erweiterung fallen. Monika Ott (Grüne) zweifelte an, dass es ökologisch sinnvoll sein könne, die Ausgleichsflächen dafür in Aschau aufzuforsten. „Ein 1:1-Ersatz“ für den Bestand sei die Ausgleichsfläche in Aschau nicht, bestätigte Schwunck. Die Erweiterung der beiden Betriebsflächen dürfe auch kein Aufschlusstor für weitere Eingriffe in den Staatswald im Norden sein, so Ott.

Weitere Verbesserungen beim Artenschutz

Die entsprechende Änderung des Bebauungsplanes für das Gewerbegebiet nahm die nächste Stufe des Verfahrens, ebenso einstimmig vom Ausschuss befürwortet. Unter anderem wurde neben den bereits verankerten Artenschutz-Maßnahmen die Empfehlung aufgenommen, weitere Nistkästen für Vögel und Fledermäuse anzubringen, insektenunschädliche Lichtquellen einzusetzen und und den Waldrand stark zu verdichten, um die Blendwirkung von Lichtquellen auf Fledermäuse auszuschließen. Ein generelles Verbot, nachts Werbeanlagen zu beleuchten, wird ebenso wenig in den Bebauungsplan aufgenommen wie der Bau einer Tiefgarage vorgeschrieben, um weitere Waldflächen zu sparen. Diese Auflage widerspreche der Gleichbehandlung der Betriebe im Gewerbegebiet, so die Position der Stadt.

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Das bereits bestehende Lärmschutzgutachten wird laut Schwunck entsprechend den Hinweisen der Immissionschutzbehörde im Landratsamt angepasst.

Von Anwohnerseite wurde unter anderem auf die wichtige Naherholungsfunktion dieser Waldflächen hingewiesen. Mit dem Bevölkerungszuwachs werde diese Funktion immer wichtiger. Dazu Schwunck: Höhere Einwohnerzahlen verlangen mehr Erholungsflächen, allerdings steige auch der Bedarf an stadtnahen Arbeitsplätzen.

Bürgerinitiative würdigt „guten Ansatz“

In einer Stellungnahme schlägt Irmy Pöschl-Moser, eine Sprecherin der Bürgerinitiative „Waldkraiburg – Stadt im Grünen“, moderate Töne an. Ausdrücklich würdigt sie das Bemühen der Stadt um einen „schonenden Umgang bzw. eine umweltbewusstere Planung“. Die Konzepte für die Lichtgestaltung und eine weitere Bewertung des Lärmschutzes „sind ein guter Ansatz“. Dass die Stadt sich bewegt habe, führt sie auch auf das Engagement der BI zurück. Die Zukunft werde zeigen, „in wie weit die guten Vorsätze auch zur Entfaltung kommen“. hg

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