Wie am Lago Maggiore

Urlaub ist die schönste Zeit! Und die Tage danach?

Gewöhnlich der reinste Horror. Nach zwölf Tagen Italien – Sonne – Lago Maggiore – ein gähnend großes schwarzes Sommerloch – Waldkraiburg. Das sind Aussichten... Man kennt das ja.

Heuer war alles anders. Angenehm. Selbst das Wetter machte auf Italienisch. Und der Redaktionsschreibtisch in der Berliner Straße lud, nun ja, vielleicht nicht gerade zu Dolce Vita ein, aber die ersten Tage danach ließen sich aushalten. Erleichtert haben den Einstieg auch die pfiffigen Kinder vom Ferienprogramm. Jedes Jahr startet die Zeitung die Aktion: Junge Ferienreporter gestalten mit den Redakteuren eine Zeitungsseite. Heuer ging es in die Kletterhalle. Und obwohl es – Mamma mia! – bei der Ausschreibung im Ferienprogramm eine kleine Panne gab, und das Redaktionsteam deshalb sehr viel jünger war als in den vergangenen Jahren, lief es diesmal wunderbar.

Nicht nur beim Testklettern waren die Kinder hochmotiviert, auch hinterher waren sie mit großem Eifer bei der Sache, beim Auswählen der Bilder, beim gemeinsamen Schreiben der Artikel, beim Formulieren der Überschrift. Und sogar die Bildunterschriften haben sich diesmal die Kinder überlegt. Respekt! Die Altredakteure waren begeistert, die Jüngstredakteure vermutlich auch.

Ein Jungspund ist der Gustl Schenk nicht mehr. Schon eher ein Urgestein, ein kommunalpolitisches. Seit der Verleihung der Kommunalen Verdienstmedaille vor einigen Wochen durch den bayerischen Innenminister hat er das nun auch Schwarz auf Weiß. Im Ferienausschuss in dieser Woche schloss sich der Bürgermeister dem Lob für die bemerkenswerte kommunalpolitische Biografie an und listete in zwei Minuten ein ganze Latte von Ämtern und Aufgaben auf: 38 Jahre Stadtrat, 24 Jahre Kreisrat... Beim Gustl kommen da mehr Jahre zusammen als bei manch anderen Kommunalpolitikern Wortmeldungen. Und was schenkt der Bürgermeister zu einem solchen Anlass einem Stadtrat, dem kein Biersommelier etwas vormachen könnte, der aber keinen Schnaps mag: Genau, Bierbrand.

Darauf trinken wir einen! Die Waldkraiburger Eishockeyfans haben an diesem Wochenende schon wieder einen Anlass, auf den sie – womit auch immer – anstoßen könnten: Die Tschechen sind da. Gestern hat die Firma aus Most mit den Arbeiten an der neuen Bande im Stadion begonnen. Anfang der nächsten Woche, spätestens am Dienstag, soll alles fertig sein. Die Kiebitze, die es deshalb in die Eishalle zog, strahlten mit der Sommersonne um die Wette. Bravissimo!

Euphorie kam im Sitzungssaal des Rathauses nicht auf, als der Ferienausschuss unter ein Aufreger-Thema des Vorjahres einen Schlussstrich zog. Der Großteil des Geldes, das der Stadt entgangen ist, weil viele Jahre lang der Kostenersatz für den Schulaufwand der Mittelschulen durch die benachbarten Sprengel-Gemeinden nicht erhöht wurde, ist verloren. Die Versicherung gleicht die Mindereinnahmen nicht aus, bietet aber immerhin 75000 Euro zur Abgeltung an.

Grande Katastrophe! Es war ein Fehler, den Kostenersatz nicht früher zu erhöhen. Und es ist gut, dass der Schulaufwand seit einem Jahr auf einer neuen vertraglichen Basis geregelt ist, die sicherstellt, dass es in Zukunft nicht wieder zu einer solchen Fehlentwicklungen kommt. Doch ein „Schwarzer Peter“ lässt sich halt nicht eindeutig zuordnen. Die Ursachen für die Verzögerungen in der Vergangenheit sind vielschichtig und liegen laut Versicherung vor allem bei den Schulreformen. Eine schuldhafte Verletzung der Dienstpflicht durch den ehemaligen Bürgermeister und die Stadtverwaltung, sie wäre Voraussetzung für die Versicherungsleistung, lässt sich deshalb nicht hinreichend begründen. Schluss der Debatten.

Ebing und Pürten – das ist schon eine besondere Zweierbeziehung, so innig und spannungsreich wie zwischen kleinem und großem Bruder. Jedenfalls ist es kein Wunder, dass Franz Belkot, Stadtrat aus Ebing, einen Mordsspaß an der Diskussion um die Hausnummern in Pürten hatte. Ein Aspekt hat es ihm dabei angetan: Die Straßen im Nachbarort sind natürlich schon jetzt unter bestimmten Bezeichnungen im amtlichen Straßenverzeichnis eingetragen, nur sind diese Bezeichnungen niemandem vertraut. Und wie heißt die Hauptstraße durch das alte Dorf Pürten? Genau, Ebinger Straße. Diebisch freute sich der Belkot Franz darüber, seinen Pürtener Fraktionskollegen Dine Brunnhuber damit aufzuziehen.

Was sich liebt, das neckt sich. Oder noch ein Grund für die Pürtener, schleunigst richtige Straßennamen einzuführen, damit sich nur ja die „Ebinger Straße“ nicht einbürgert?

Ein Argument, das zu Zeiten der Eingemeindung Pürtens durchaus seinen Sinn hatte, muss in den Diskussionen um Straßennamen und Hausnummern heute keine große Rolle mehr spielen. Den Ortsnamen wenigstens durch die Adresse „Pürten 1, 2, 3, ...“ usw. zu erhalten, um nicht unter dem Dach des ganz großen Bruders droben in der Stadt im Vergessen zu verschwinden, das hat das Dorf nicht mehr nötig. So ausgeprägt und lebendig ist die Pürtener Identität. Würde nur halb so viel Selbstbewusstsein auf die ganze Stadt überschwappen, Waldkraiburg wäre vermutlich längst kreisfrei. Großstadt. Und ein Lebensgefühl hätte sich hier breit gemacht! Wie am Lago Maggiore. Hans Grundner

Waldkraiburger Wochenschau

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