Hoffen auf 2021

Verlierer in der Corona-Krise: Im März ist im Waldkraiburger Schullandheim die letzte Gruppe abgereist

Am 12. März ist wegen des Corona-Lockdowns die letzte Gruppe abgereist. Seitdem liegt das Haus Sudetenland in Waldkraiburg notgedrungen in Dornröschenschlaf. Die Schullandheime zählen zu den Verlierern der Corona-Krise.
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Am 12. März ist wegen des Corona-Lockdowns die letzte Gruppe abgereist. Seitdem liegt das Haus Sudetenland in Waldkraiburg notgedrungen in Dornröschenschlaf. Die Schullandheime zählen zu den Verlierern der Corona-Krise.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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2020 war ein schwieriges Jahr für die Schullandheime in Waldkraiburg und Jettenbach. Wenn 2021 die Buchungen und die Corona-Hilfen ausbleiben, könnte es noch schlimmer kommen.

Waldkraiburg/Jettenbach – Am 12. März dieses Jahres ist die letzte Gruppe aus dem Haus Sudetenland abgereist. Seitdem steht der Betrieb im Schullandheim auf einer Anhöhe über Waldkraiburg still. Mit Dauer-Kurzarbeit und staatlichen Corona-Hilfen hat sich das Haus, das auch auf städtische Unterstützung bauen kann, über Wasser gehalten. „2020 konnten wir überbrücken“, sagt Heimleiter Lars Discher. An der Schwelle zum neuen Jahr fällt seine Prognose aber kritisch aus. „2021 wird das schwierigere Jahr, wenn keine Corona-Hilfen mehr kommen.“

Weit hinter den Übernachtungszahlen der Vorjahre zurück geblieben

Die Schullandheime in Waldkraiburg und Jettenbach hatten schon im Frühsommer Alarm geschlagen. Da war längst absehbar, dass sie 2020 zu den Corona-Verlierern gehören würden, weil die Schulen ihre Fahrten und Schullandaufenthalte streichen und die Kurse und Freizeiten der Jugendverbände ersatzlos wegfallen würden. Rund 11 000 Übernachtungen erreicht das Haus in einem durchschnittlichen Jahr, heuer sind es nicht einmal die 3800 geworden, auf die Discher im Frühsommer noch gehofft hat.

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Auf 16 000 Übernachtungen brachte es 2019 der Obermeierhof in Grafengars in der Gemeinde Jettenbach. Auf gerade einmal 2500 Übernachtungen ist der Pfadfinderhof nach eigenen Angaben heuer gekommen. „95 Prozent davon sind vor Corona gewesen“, sagt Jan Hoffmann, der Vorsitzende des Trägervereins des Pfadfinderhofs. Danach kamen nach seinen Worten vereinzelt noch Familienübernachtungen über AirBnb und einige wenige Gruppen. „Die Mitarbeiter beklagen sich schon darüber, dass ihnen das Kindergeschrei abgeht.“

Auf Corona-Hilfen des Staates war Verlass

„In diesem Jahr wird nichts mehr passieren“, sagt Lars Discher vom Haus Sudetenland, der wie seine Mitarbeiter seit 1. April in Kurzarbeit ist. Bis einschließlich Januar hat das Kultusministerium alle Schullandaufenthalte abgesetzt.

Immerhin: Auf die Corona-Hilfen des Staates war Verlass. Unbürokratisch und zeitnah seien die geflossen, so Discher. „Das hat uns geholfen. Und wir haben großes Glück, dass die Stadt hinter uns steht.“

Ärger mit der Ausfallversicherung

Auch Jan Hoffmann bestätigt den Eingang von Fördermitteln. Die Ausfallrechnungen für abgesagte Schulveranstaltungen wurden über das Kultusministerium beglichen. „Eventuell bekommen wir auch Novemberhilfe.“ Doch nicht alle Hoffnungen auf Ausgleichs- und Entschädigungszahlungen haben sich erfüllt.

Bei der Ausfallversicherung, die der Obermeierhof wie viele andere Gastronomie- und Beherbergungsbetreibe abgeschlossen hatte, mussten deutliche Abstriche gemacht werden. „Wir haben einen Vergleich angenommen. Wir haben nicht die finanziellen Mittel, um einen Rechtsstreit mit einer Versicherung durchzustehen.“ Zum Glück habe das Haus keine Schulden, sagt der Vorsitzende. „Wer vor Kurzem was auf Pump gebaut oder umgebaut hat, den zerreißt es jetzt.“

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Wichtige Gruppen haben für 2021 schon abgesagt

Wie geht es weiter? Das fragen sich viele Gruppen, die regelmäßig in die Häuser kommen. Die Verunsicherung sei nach dem neuerlichen Lockdown light nicht geringer geworden, sagt Lars Discher. „Keiner traut sich, im Moment zu buchen.“ Für 2021 gebe es nur einige wenige vage Anfragen. Was das Ganze noch erschwert: „Ich kann keine Buchung über 50 Personen annehmen. Wir dürfen das Haus nur zur Hälfte füllen.“

Bei so viel Planungsunsicherheit kommen statt erster Zusagen Absagen. Die Vorbereitungskurse fürs Abitur in den Osterferien und für die Mittlere Reife in den Pfingstferien, die das Haus Sudetenland wochenlang füllten, wird es 2021 nicht geben. „Der Veranstalter macht das online.“

Obermeierhof: Hoffnungen macht die große Nachfrage für 2022 und 2023

„Irgendwann muss es wieder anlaufen. Wir können ja nicht alles abschalten“, sagt Jan Hoffmann. Hoffnung macht ihm die große Nachfrage für 2022 und 2023. „Da haben wir Buchungen ohne Ende.“

So lange dürfe es nicht dauern, bis der Betrieb wieder anspringt, sagt Lars Discher vom Haus Sudetenland. „Viel hängt davon ab, dass der Impfstoff greift und die Politik ihre Linie ändert. Sonst sehe ich schwarz.“

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