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FETZER-KRIPPE

Kripperl zieht mit Frosch und Tiger um

Erika Höpfinger vor ihrer Fetzer-Krippe. Heuer baut sie die prunkvolle Anlage zum letzten Mal auf. ng
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Erika Höpfinger vor ihrer Fetzer-Krippe. Heuer baut sie die prunkvolle Anlage zum letzten Mal auf. ng

Geht es in Kraiburg um große Krippenlandschaften, die einst von Ludwig Fetzer gestaltet wurden, dann kommt auch der Name Erika Höpfinger ins Spiel. Über Jahrzehnte baute sie diese Krippenanlagen in der Marktpfarrkirche, im Pfarrhof oder in den letzten Jahren im großen Vorraum ihres Hauses auf. Heuer geschieht dies zum letzten Mal.

Kraiburg – Nachdem der inzwischen verstorbene Pfarrer Josef Hamberger im Jahr 1966 nach Kraiburg gekommen war, war es ihm ein großes Anliegen, eine Weihnachtskrippe in der Pfarrkirche aufzustellen. Erika Höpfinger war fast von Anfang an beim Pfarrherrn als „Mädchen für alles“ angestellt und so fanden sie auf dem Dachboden des Pfarrhofes sowie über der Sakristei zahlreiche Figuren, Tiere und Bauwerke, die Ludwig Fetzer einst geschaffen hatte.

Die Erika wartet wieder mit Kaffee und Platzerl auf Besucher

Ludwig Fetzer (1874 – 1959) war gelernter Bürstenbinder. Als Mühldorfer Bote ging er jeden Samstag drei Jahrzehnte lang mit Privataufträgen zu Fuß nach Mühldorf. In Kraiburg und Umgebung war er für seine selbst gebauten Krippen berühmt. Jedes Jahr stellte er von Weihnachten bis Lichtmess eine große Krippe in seinem Haus in der Langgasse auf, die dort jeder besichtigen konnte.

Auch in der örtlichen Marktpfarrkirche sowie in der Stadtpfarrkirche von Mühldorf standen Krippen von Ludwig Fetzer. Eine große Sammlung von etwa 150 Krippenfiguren ging einst an das Franziskushaus in Altötting, von dort kamen sie ins Leoheim nach Bad Aibling. Aber auch in privater Hand befinden sich mehrere Fetzer-Krippen.

Die Köpfe, Hände und Füße für die Figuren wurden ihm von einem Schreiner geliefert. Mit einem Drahtgeflecht verband er sie zu Figuren und bekleidete sie. Dabei fand er wertvolle Unterstützung durch seine Köchin Resi Daxenberger.

Fetzer fertigte ausschließlich Krippen mit orientalischer Szenerie. Meist bestanden sie aus fünf verschiedenen Szenen: Hirten, Geburt Christi, Heilige Drei Könige, Flucht der heiligen Familie und Hochzeit zu Kanaa.

Zurück zu Erika Höpfinger. Ende der 60er-Jahre stand die Fetzer-Krippe wieder in der Pfarrkirche, zunächst beim Bruder-Konrad-Altar, die kommenden Jahre in der Lourdes-Grotte und schließlich im Choraufgang. Jahrzehntelang erfüllte sie diese Aufgabe mit viel Hingabe und Liebe zum Detail, fertigte hunderte von Kleidern in Handarbeit, säuberte die Holzkörper vom Holzwurmbefall oder tauschte den verrosteten Draht der Figuren aus. Da es vielfach an Figuren fehlte, kaufte sie immer auch wieder neue Köpfe und Hände.

Mehrfach kaufte sie die Körperchen beim heutigen Staatsminister Dr. Marcel Huber, der bekannt für seine orientalischen Krippen ist und damals noch als Tierarzt arbeitete.

„Von ihm und seiner Frau habe ich auch das Kaschieren der Gewänder gelernt“, sagt Erika Höpfinger, „und dass es besser ist, mit Alu-Draht zu arbeiten.“

Als Pfarrer Hamberger den Choraufgang zur Taufkapelle umgestalten wollte, war für ein paar Jahre Schluss bei Erika Höpfinger. „Ich war entsetzt, wie viel mir der Pfarrer da kaputt gemacht hat und hatte keine Lust mehr.“ Für ein paar Jahre gestaltete der Verein für Heimatpflege den Krippenaufbau wieder in der Lourdes-Grotte, „aber das war nicht meine Art einer Krippe.“

Im Jahr 1981 verschenkte dann die Haushälterin Resi Daxenberger die letzte Fetzer-Krippe an Pfarrer Josef Hamberger, der sie wiederum sofort an Erika Höpfinger weiter schenkte. „So kam ich auf meine eigene Fetzer-Krippe“, sagt sie mit einem Lächeln, „und ich habe diese Krippe, solange ich im Pfarrhof gearbeitet habe, mit Jürgen Schwab jedes Jahr an den Fenstern im Pfarrhof aufgebaut.“ Die letzten zwölf Jahre stand sie nun Jahr für Jahr in ihrem Vorhaus.

„Es tut schon weh, mit dem Krippenaufbau nach all den vielen Jahren aufzuhören“, sagt die heute 76-Jährige und Tränen steigen in ihre Augen, „aber es geht einfach nicht mehr. Ich habe meinen behinderten Mann daheim zu pflegen, und da fehlt dann einfach die Ruhe und Zeit, den Aufbau der riesigen Krippe zu bewerkstelligen, der Aufbau beginnt schließlich schon Ende Oktober.“

Der Auer Ernst und seine Schaf‘ haben auch ihren Platz

Sie ist aber glücklich, „dass die Krippe im Heimatmuseum einen sicheren Platz findet, wo sie auch geschätzt wird.“ Und bevor sie die Krippe an Franz Genzinger übergibt, wird sie „jede Figur noch einmal begutachten und gegebenenfalls reparieren und herrichten.“ Insgesamt besteht die Anlage aus etwa 150 Figuren vom Christkind, den Hirten oder den Königen über Schafe, Hunde, Kamele, Elefanten und Tiger bis hin zu Schlangen und Fröschen – die ganzen Bauwerke oder Werkzeuge noch gar nicht mitgezählt.

Immer wieder hat Erika Höpfinger auch versucht, Kraiburg in die Krippenlandschaft einzubauen. Mal war es das Schlossberg-Kirchlein, mal die Marktpfarrkirche oder Ernst Auer mit den Schafen auf dem Schlossberg. Heuer bei der letzten Präsentation ist es Schloss Guttenburg, dargestellt von einer Burg, die auf beiden Seiten die Jahreszahl 1814 trägt. Aber auch eine alte Tradition hält Erika Höpfinger im letzten Jahr aufrecht: Die Krippe, die wegen ihrer Vielfalt gerade auch für Kinder faszinierend ist, kann ab sofort bis zu Maria Lichtmess am 2. Februar jeden Tag in der Zeit von 9 bis 18 Uhr in der Kampenwandstraße 8, am besten nach Anmeldung unter Telefon 0 86 38/71 97 05 besichtigt werden. Zudem verspricht sie den Besuchern ein Haferl Kaffee, Platzerl sowie den Kindern ein kleines Geschenk.

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