Ein „Krampus“ als Bürgermeisterkandidat: Thomas Weber will, dass „Soyen lebenswert bleibt“

Erhielt rund 60 Prozent der Stimmen:Thomas Weber. Er setzte sich damit als Bürgermeisterkandidat durch. Von Ahn
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Erhielt rund 60 Prozent der Stimmen:Thomas Weber. Er setzte sich damit als Bürgermeisterkandidat durch. Von Ahn

Der zweite Versuch, die gemeinsame Liste Soyen aufzustellen, ist nun geglückt. Beim ersten Mal wurde die Veranstaltung bei „Salvatore“ wegen Überfüllung abgebrochen. Fast 300 Bürger kamen. Mit rund 60 Prozent der Stimmen ging Thomas Weber, Dritter Bürgermeister, als Kandidat für das höchste Amt in der Gemeinde, hervor.

Von Jessica von Ahn

Soyen – Der zweite Anlauf ist geglückt.

Fast 300 wahlberechtigte und interessierte Bürger fanden sich nun in der Turnhalle der Grundschule ein. Vier Stunden dauerte die Aufstellungsversammlung. Am Ende stand fest: Thomas Weber ist Bürgermeisterkandidat. Auf der gemeinsamen Liste stehen nun 19 Gemeinderatskandidaten.

Wieder großer Andrang

293 Wahlberechtigte – davon gaben drei ungültige Stimmen ab – plus einige Gäste waren in die Turnhalle der Grundschule gekommen. „Viel mehr hätten‘s nicht werden dürfen“, sagte der amtierende Bürgermeister Karl Fischberger, der sich über den Andrang – auch junger Leute – freute. Er wertete dies als „gutes Zeichen für die Demokratie“. Maximal eine Belegung von 355 Personen hatte das Landratsamt genehmigt.

Feuerwehrler wurden alarmiert und waren plötzlich weg

Eine Schrecksekunde für Fischberger war, als plötzlich die Feuerwehrsirene zur Alarmierung ging und rund 30 Feuerwehrleute, die sich schon in die Anwesenheitsliste zum Abstimmen eingetragen hatten, blitzartig die Halle verließen, weil sie zu einem Unfall nahe Rechtmehring gerufen wurden. Sie konnten sich mit den Schleefelder Kollegen einigen, dass sie den Einsatz übernehmen und kehrten rechtzeitig zu den Abstimmungen zur Aufstellungsversammlung zurück. Fischberger sagte am Tag danach im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung, „was für eine tolle Kollegialität“.

Weber setzte sich gegen Krieg durch

Bei der Wahl zum Bürgermeisterkandidaten setzte sich Thomas Weber mit 173 zu 117 gegen Martin Krieg durch. Krieg hatte eigenen Angaben zufolge lange überlegt, ob er kandidieren wolle. Anton Schillhuber leitete die Wahl an diesem Abend.

Thomas Weber ist sein 18 Jahren im Gemeinderat. Der 45-Jährige war in dieser Funktion zwölf Jahre im Jugendausschuss, ist seit sechs Jahren im Bauausschuss und seit sechs Jahren Dritter Bürgermeister.

Weber ist geschieden und hat eine sechsjährige Tochter. Der gelernte Kommunikationselektroniker bildete sich stets weiter: Zunächst zum Elektrotechniker, machte den Ausbilderschein, belegte im Fernstudium betriebswirtschaftliche Kurse und bildete sich zum Projektmanager fort.

Weber als Krampus

In seiner Gemeinde setzt sich der Soyener ehrenamtlich aktiv ein: Bis zum Jahr 2017 war er zwölf Jahre stellvertretender Kommandant bei der Freiwilligen Feuerwehr Soyen, 22 Jahre Gruppenführer. Im Jugendausschuss der Gemeinde sowie bei der Feuerwehr organisiert Weber unter anderem das Ferienprogramm. Demnächst zieht er – wie viele Jahre zuvor bereits – als Krampus durch die Gemeinde.

Fast ein Jahrzehnt Landjugend und 30 Jahre Schützenverein – hier ist er als Kassenprüfer tätig – sind ebenfalls Teil seiner Vita.

19 Kandidaten für die Liste

Wird er Bürgermeister, so plant Weber, aktuelle Projekte weiterzuführen: DenBrückenbau in Mühltal, das Gewerbegebiet Graben, die Soyener Trinkwasserbrunnen, Wohnbebauung, Straßensanierung und die Dorferneuerung in Soyen und Mühltal. Dazu möchte er in jedem Fall die Bürger beteiligen.

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Auf aktuelle Kritik ging der Bürgermeisterkandidat ebenfalls ein: Mit wenigen Ausnahmen bestehe im Gemeindegebiet flächendeckender Breitbandanschluss. Weber regte die Soyener an, die Gemeinderatssitzungen fleißig zu besuchen, um stets umfassend informiert zu sein.

UV-Entkeimungsanlage geplant

Die Versorgung der Gemeinde mit alternativen Energien funktioniere 265 Tage im Jahr autark aufgrund einer Hackschnitzel- und einer Photovoltaikanlage, den Rest deckt eine konventionelle Stromversorgung. Auch die Trinkwasserversorgung sprach Weber an: Der Wasserturm wurde saniert, stets werde die Trinkwasserversorgung saniert und aktuell sei eine UV-Entkeimungsanlage geplant.

Viele Radwege seien gebaut worden, weitere sind in Planung. „Soyen steht gut da“, sagte Weber. Es gebe Lebensmittelgeschäfte, eine Apotheke, Gastwirtschaften, Ärzte, zwei Kindergärten, eine Schule und den Bahnhof. „Ich will mich dafür einsetzen, dass Soyen lebenswert bleibt und dies noch weiter ausbauen. Ein ehrlicher Umgang ist mir dabei wichtig“, schloss Weber seine Rede.

Anschließend ging es um die Wahl der Gemeinderatsmitglieder. Zehn Mitglieder aus dem aktuellen Gemeinderat stehen im März erneut zur Wahl. Neun Personen aus der Versammlung wurden nachnominiert. Die Reihenfolge ergab sich nach den an diesem Abend erhaltenen Stimmen.

19 Stimmen

Die Liste dürfte 14 Kandidaten enthalten. Eine Ausnahmeregelung in der Gemeindewahlordnung (Artikel 25), die für Gemeinden unter 3000 Einwohnern gelte, mache es jedoch möglich, die Anzahl der Leute zu verdoppeln und so hier auf maximal 28 aufzustocken, sofern es die Wahlversammlung beschließt. Was sie tat.

Fischberger las die entsprechenden Paragrafen vor. Ludwig Maier, Gemeinderatskandidat der Bunten Liste Soyen, zweifelte diese Regelung an. „Da musste ich ihn eines Besseren belehren“, so Fischberger zur Tageszeitung.

Von Maiers Einwand ließen sich die Organisatoren nicht beeinflussen: 28 Kandidaten haben sich an diesem Abend nicht gefunden, sondern „nur“ 19. Soyener Bürger erhalten – so Karl Fischberger – damit auch 19 Stimmen, um für ihren Gemeinderat 2020 zu stimmen.

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