Eigentümer will nun handeln

Klötze statt Schandfleck: Grünes Licht für Mehrfamilienhäuser in Waldkraiburger Erzgebirgsstraße

Seit Jahren ein Ärgernis für die Passanten: die ehemalige Geschäftszeile in der Erzgebirgsstraße. Ein neuer Eigentümer will dort zwei Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohneinheiten bauen. Nachbarn sind davon nicht begeistert. Auch den Stadträten ist das Vorhaben zu massiv. Letztlich stimmten sie aber doch zu.
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Seit Jahren ein Ärgernis für die Passanten: die ehemalige Geschäftszeile in der Erzgebirgsstraße. Ein neuer Eigentümer will dort zwei Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohneinheiten bauen. Nachbarn sind davon nicht begeistert. Auch den Stadträten ist das Vorhaben zu massiv. Letztlich stimmten sie aber doch zu.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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„Ein Schandfleck“ – vor einigen Wochen hatte ein Bürger seinen Ärger über eine seit Jahren total verkommene ehemalige Geschäftszeile in der Erzgebirgsstraße via Zeitung öffentlich gemacht und damit vermutlich vielen Waldkraiburgern aus dem Herzen gesprochen. Jetzt will ein neuer Eigentümer das Grundstück entwickeln.

Waldkraiburg – Der Antrag auf Errichtung zweier Mehrfamilienhäuser mit 36 Wohneinheiten, den der Investor eingereicht hat, löste im Stadtentwicklungsausschuss allerdings eine längere Debatte aus.

Zwei fünfgeschossige Bauten mit 36 Wohneinheiten

Statt der bisher drei aneinandergebauten erdgeschossigen Gebäude mit Flachdach plant der Investor zwei fünfgeschossige Wohnhäuser, die sich nach oben treppenartig verjüngen. Das geplante Vorhaben ist gut 15 Meter hoch. In der Umgebung sind Firsthöhen von bis zu 17,8 Metern vertreten.

Höhenverhältnisse und Abstandsflächen werden eingehalten. Das Vorhaben, das auf Widerstand bei Nachbarn stößt, füge sich insofern in die Umgebungsbebauung ein, so Bauamtsleiter Carsten Schwunck.

Vorhaben entspricht nicht den Festsetzungen der Baunutzungsverordnung

Allerdings entspricht die Planung nicht den Vorgaben der Baunutzungsverordnung (BauNVO): Sowohl die Grundflächenzahl (GRZ), die angibt, wie viel Fläche des Grundstücks bebaut werden darf, als auch die Geschossflächenzahl (GFZ), die besagt, wie viel Quadratmeter Wohnfläche insgesamt auf dem Grundstück errichtet werden darf, werden überschritten. Der Investor begründet dies mit der Bauform und beantragt eine Abweichung von den Festsetzungen der BauNVO.

Zu massiv – Sterr (CSU) fordert Bebauungsplan

Wegen der Massivität meldete auch der Bauamtsleiter Zweifel an, ob das Vorhaben noch verträglich ist. „Aber wir haben das an anderer Stelle schon zugelassen.“ Auch eine Nachbarbebauung weist eine höhere GFZ auf.

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Einen Bebauungsplan gibt es für dieses Gebiet nicht. Anton Sterr (CSU) würde den aktuellen Bauantrag gerne zum Anlass nehmen, mit einer Bauleitplanung die Bebauung zu ordnen. „Die Bebauung ist massiv. Wir sollten einen Schritt zurückgehen.“ Zwischen vier und acht Geschossen sei alles vertreten. „Wir haben aber auch einen wesentlich niedrigeren Bereich.“ Einen großen Vorteil sieht er in einem Bauleitplanverfahren nicht zuletzt deshalb, weil automatisch die Stellungnahmen der Beteiligten behandelt werden. Außerdem sei die Parkplatzsituation in diesem Bereich „katastrophal“.

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Carsten Schwunck gab zu bedenken, dass es nur an der GFZ und GRZ hängt. „Baurecht hat er bereits.“ Würde der Investor seine Planung reduzieren und GFZ und GRZ einhalten, könnte er das Projekt umsetzen.

Der Eintritt in ein Bauleitplanverfahren sei deshalb nur möglich, „wenn die Stadt eine Veränderungssperre erlässt. Dazu müssen wir klare städtebauliche Ziele formulieren.“ Sonst könnte es rasch zu rechtlichen Problemen kommen. „Eine Verhinderungsplanung ist nicht möglich.“

Stadträte schrecken vor Veränderungssperre zurück

Anton Sterr sieht kein Problem, städtebauliche Ziele festzulegen, wenn der benachbarte Garagenhofes und das Grundstück der ehemaligen Gaststätte Zappe einbezogen wird. Auch dort ist in absehbarer zeit mit Veränderungswünschen zu rechnen. Vor einer Veränderungssperre schreckt Sterr allerdings zurück. „Das auf keinen Fall.“

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Wie der CSU-Fraktionsvorsitzende findet auch sein UWG-Kollege Dr. Frieder Vielsack, dass die Planung im Grundsatz gefällig und eine Verbesserung gegenüber dem Bestand sei. Bauamtsleiter Schwunck: Das einzige Gebäude, dass sich nicht in die Bebauung einfügt, sei der bestehende ebenerdige Bau.

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Bauantrag einstimmig befürwortet

Und weil das der ganze Ausschuss so sieht, stimmte er trotz der Massivität geschlossen dem Bauantrag und damit auch der Abweichung von der GRZ und GFZ zu.

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