Aschau am Inn hat entschieden: Klares Votum für Gewerbegebiet Thann

Auch bei diesem Bürgerentscheid zeigten die Aschauer: Wenn sie mitentscheiden dürfen, dann werden sie dieser Verantwortung durch eine hohe Wahlbeteiligung gerecht. Sonja Überacker und Matthias Fesl und zehn weitere Wahlhelfer hatten eine Menge Stimmen auszuzählen. Fast alle kamen von Briefwählern. Grundner/Archiv Wolf/Lohmann
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Die Gemeinde Aschau kann die Planungen für das Gewerbegebiet Thann Nord und Thann Süd fortsetzen. Der Bürgerentscheid ging klar pro Gewerbegebiet aus.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Bürger von Aschau haben sich für ein geplantes Gewerbegebiet entschieden.
  • Der Bürgerentscheid erreicht das notwendige Quorum.
  • Die Planung für das Gewerbegebiet Thann soll jetzt zügig fortgesetzt werden.

Aschau – Der Bürgerentscheid am Sonntag hat dafür ein klares Votum gebracht. Mit 55,3 Prozent (774) wurde der Antrag der Bürgerinitiative, die sich gegen das Vorhaben gestellt hatte, abgelehnt. Noch deutlicher fiel das Ergebnis zugunsten des Ratsbegehrens aus, die Planungen am Gewerbegebiet fortzusetzen. 59,2 Prozent (839 Stimmen) unterstützen das Vorhaben. Damit hat das Gewerbegebiet die Hürde Bürgerentscheid genommen und das vom Gesetzgeber vorgegebene Quorum von 20 Prozent (511 Stimmen) bei Weitem überschritten.

Bürgermeister: „Klares Signal und Bestätigung unseres Zieles"

Wegen sechs Stimmen war beim Bürgerentscheid vor eineinhalb Jahren das interkommunale Freibad mit der Stadt Waldkraiburg geplatzt. Das Ergebnis bei der aktuellen Abstimmung über die Zukunft des Gewerbegebietes, dem dritten Bürgerentscheid in Aschau innerhalb von dreieinhalb Jahren, spricht eine ganz andere Sprache. Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) freute sich darüber und wertete das Ergebnis als „klares Signal und Bestätigung unseres Zieles, dieses Gewerbegebiet zu entwickeln und Aschau auch zukünftig stark und breit aufzustellen“.

Bürgermeister Christian Weyrich: „Das ist ein klares Signal, um Aschau stark und breit aufzustellen.“

Für das rund acht Hektar große Areal südlich und nördlich der Staatsstraße 2352 bei Thann hatte sich im Gemeinderat eine „große Koalition“ aus CSU, AWG und SPD stark gemacht. Grade in der Corona-Krise zeige sich, dass die Ausweisung dieses Gewerbegebiets zusätzlich zum bestehenden Industriegebiet der richtige Weg sei, um ein vielfältiges Angebot an Arbeitsplätzen vor Ort machen zu können. „Corona hat dafür das Bewusstsein geschärft“, glaubt der Bürgermeister, der seit Mai im Amt ist und das Projekt von seinem Vorgänger übernahm. Weyrich betont zugleich, dass man in der Kampagne für das Gewerbegebiet die Corona-Krise nicht als Drohkulisse missbraucht worden sei.

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Enttäuschung bei der Bürgerinitiative

„Wir sind nicht sang- und klanglos untergegangen“, sagt Lisa Sieber, die Sprecherin der Bürgerinitiative, die naturgemäß vom Ergebnis enttäuscht ist. Ihr Ziel war es gewesen, Flächenversiegelung, Lärm und steigende Verkehrsbelastung für Thann zu verhindern. „Wir hatten uns schon eine Chance ausgerechnet.“ Auch sie kann sich vorstellen, dass ein Corona-Faktor beim Abstimmungsverhalten eine Rolle gespielt, „grade bei Jüngeren wegen der aktuellen Probleme bei ZF“.

Lisa Sieber, Sprecherin der Bürgerintiative: „Wir sind enttäuscht. Aber en gewinner ist die Demokratie.“

Als einen Gewinner sehen Sieber und ihre Mitstreiter die Aschauer Bürger. „Gewonnen hat die Demokratie. Dank des Bürgerentscheids hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, in dieser wichtigen Frage selbst mitzuentscheiden. Wichtig sei, dass „die Meinungsverschiedenheit auf der sachlichen Ebene geblieben sind“.

Die nächsten Schritte zum Gewerbegebiet in Aschau

Und wie geht es nun weiter mit dem Gewerbegebiet? Er werde sich mit dem Planungsbüro zusammensetzen, um den Bebauungsplan voranzutreiben, sagt Bürgermeister Weyrich, der zugleich Gespräche mit den Bürgern von Thann ankündigt. „Wir wollen die Betroffenen mitnehmen.“ Und noch eins verspricht er: Die Ankündigung, ein ökologisch hochwertiges Gewerbegebiet zu entwickeln, „ist für mich bindend“. Es werde deshalb auch darum gehen, Fördermöglichkeiten für diese grüne Ausrichtung aufzutun. „Wir betreten damit ja Neuland im Landkreis.“

Lisa Sieber will die Gemeinde beim Wort nehmen und die Pläne kritisch begleiten. „Wir sind gespannt, was aus dem Vorhaben auch auf lange Sicht wird. Ob später nicht doch der ein oder andere Grünstreifen auf Wunsch der Firmen für Parkplätze geopfert wird?“

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