Die Kirche nach Hause bringen: Pater Bernhard Stiegler spricht von „einmaliger Situation“

Gesegnete Palmzweige lagen an den Kirchen im Pfarrverband aus und waren schnell vergriffen.
  • Raphaela Lohmann
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Ostern ist das höchste Fest in der katholischen Kirche. Doch ausgerechnet dieses Fest kann in diesem Jahr wegen der Verbreitung des Coronavirus nicht in einer großen Gemeinschaft gefeiert werden. Von einer „einmaligen Situation“ spricht Pater Bernhard Stiegler, Pfarrverbandsleiter für Aschau und Waldkraiburg.

Waldkraiburg/Aschau – „So etwas hat es noch nie gegeben, auch nicht zu Kriegszeiten.“ Mit den festlichen Gottesdiensten würden die Menschen viele wunderbare Erlebnisse des Glaubens verbinden, die es in diesem Jahr einfach nicht geben wird. Ein Umstand, den Stiegler sehr bedauert.

Für ihn hat die aktuelle Situation zwei Seiten: Denn ihm biete sich die Möglichkeit, wenigstens in einer kleinen Gemeinschaft Ostern zu feiern. „Ich bin ein Ordensmann und als Hausgemeinschaft können wir die Liturgie feiern.“ Stellvertretend für die Pfarrverbände Aschau und Waldkraiburg werde er mit der Hausgemeinschaft Ostern entsprechend feiern, auch ein Osterfeuer soll es geben.

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Auf der anderen Seite stehen die Gläubigen, die mittlerweile „Hunger kriegen“. „Es fehlt ihnen das geistige Brot.“ In Gesprächen am Telefon mit den Gläubigen gewinne er diesen Eindruck. Doch für Ostern gibt der Pfarrverband den Menschen einiges an die Hand. Eine Sonderausgabe der Pfarrverbandsnachrichten gibt Impulse und Vorlagen zur Feier in der Familie. „Für die Hauskirche bietet sich die große Chance, dass sie eine ganz besondere Bedeutung gewinnt.“

Am Karfreitag wird in allen Kirchen des Pfarrverbands ein besonderes Kreuz zur Verehrung gezeigt, das zwar geschmückt, aber zur Vermeidung von Infektion mit dem Virus nicht berührt werden darf. Am Palmsonntag lagen an den gesegnete Palmzweige aus, die man mit nach Hause nehmen durfte. „Das waren viel zu wenige.“

Gleichzeitig befürchtet Stiegler allerdings, dass sich nach Ende der Coronakrise die „Geister scheiden“. Manche könnten für sich erkennen, dass „es auch ohne gemeinsame Gottesdienste geht“. Für andere hingegen sei ein Gottesdienst in der eigenen Kirche nicht mit einem übers Fernsehen zu vergleichen. „Die Begegnung gehört zum Glauben“, sagt Stiegler.

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Doch genau das fehlt in Zeiten von Corona. Die Kirchen sind zwar an allen Tagen von 9 bis 18 Uhr offen, aber nur für das stille Gebet. Auch dann gilt: Abstand halten zu anderen Gläubigen.

„Es schmerzt, keinen Kontakt zu haben“, sagt Stiegler. Das betrifft ihn als Pfarrer genauso wie die Menschen. Erst vor zwei Tagen hat er eine Beerdigung abgehalten. „Ein echtes Trauerspiel, das sich nicht in Worte fassen lässt.“ Die Trauerfeier vor der Kirche, die Menschen mit genügend Abstand zueinander. „Die Angehörigen können ihrer Trauer keien Ausdruck geben. Die Berührung gehört zur Begegnung dazu“, sagt Stiegler.

Der Pater hofft, dass sich die Situation bald ändert und die Kirchen für Gottesdienste wieder offen sein dürfen. Doch wichtiger sei jetzt, den Strategien zu folgen, um sich der Corona-Pandemie entgegenzustellen.

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