AUS DEM LANDGERICHT

„I kill you“: Fünf Jahre für Sex-Überfall

Ein Asylbewerber muss fünf Jahre in Haft, weil er am Neujahrsmorgen eine 27-Jährige in einem Treppenhaus überfallen und vergewaltigt hat. Er drohte ihr mit den Worten „I kill you“. Vor dem Landgericht zeigte er sich voll geständig.

Traunstein/Waldkraiburg – Nach einer Silvesterfeier wollten zwei Frauen in den Morgenstunden des 1. Januar 2016 in Waldkraiburg einen Bekannten besuchen. Dabei wurde eine 27-Jährige Opfer eines Sex-Überfalls.

Gestern verhängte die Zweite Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzendem Richter Erich Fuchs gegen einen angeblich erst 21-jährigen Asylbewerber aus Afghanistan wegen Vergewaltigung eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Der Angeklagte hatte sich gestern über eine Erklärung seines Verteidigers, Erhard Frank aus Burghausen, voll geständig gegeben.

Die 27-Jährige hatte erst bei ihrer Cousine ins neue Jahr hinein gefeiert. Zusammen mit einer weiteren Frau zog man zu dritt weiter in ein Lokal. Eine der Damen machte sich auf den Heimweg. Die anderen zwei steuerten zu Fuß ein Mehrparteienhaus an, in dem der Freund der einen ganz oben wohnte. Die Begleiterin verschwand in einer der wenigen Wohnungen des überwiegend als Geschäftshaus genutzten Gebäudes. Die 27-Jährige wartete erst auf sie und stieg dann die Treppe hinunter.

„Ich wehrte mich mit Händen und Füßen.“ Opfer bei der polizeilichen Vernehmung

Gegen 6.45 Uhr fiel der Angeklagte in der dritten Etage über sie her. Das Opfer leistete heftige Gegenwehr. Bei der Polizei sagte die Zeugin, die dank des Tätergeständnisses gestern nicht vor Gericht erscheinen musste, aus: „Ich wehrte mich mit Händen und Füßen.“ Sie bekam während des zehn- bis 15-minütigen Geschehens mehrmals zu hören: „I kill you, I will kill you.“ Der Polizei schilderte die Geschädigte kurz nach der Attacke: „Ich habe geschrien, so laut ich konnte. Ich verstehe nicht, dass das niemand gehört hat.“

Die Nebenklägerin war überzeugt, umgebracht zu werden. Sie verwickelte den Angreifer in englischer Sprache in ein Gespräch und fragte, was wohl seine Mutter und sein Vater denken würden – über das, was er gerade mache. Der Täter meinte, sein Vater sei schon tot und hörte kurz mit den Sexhandlungen auf. Die 27-jährige nutzte die Chance und flüchtete. Doch holte sie der Angreifer wieder ein, riss sie ein weiteres Mal zu Boden und rief erneut „I will kill you.“ Da hörte das Opfer ein Klicken am Hauseingang und sah einen Lichtstrahl. Die bei dem Kampfgeschehen verletzte Geschädigte rannte die letzten Stufen nach unten und fiel dort weinend ihrer Freundin in die Arme, die mit dem Freund gerade aus dem Lift gestiegen war.

Die Polizei kam dem Täter schnell auf die Spur. Die Frau konnte eine gute Beschreibung liefern. Später fanden sich an ihr wie an ihrer Kleidung seine Gen-Spuren.

Eine Frage dieses Prozesses war das Alter des Angeklagten. Folgt man seinen Angaben, wäre er zur Tatzeit mit 20 Jahren ein Fall für die Jugendkammer gewesen. Nachdem Zweifel aufkamen, wurde mit Dr. Florian Fischer ein Sachverständiger vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München eingeschaltet. Sein Fazit: Der Angeklagte war zur Tatzeit mindestens 21,5 Jahre alt, vermutlich aber etwas älter. Das leitete der Gutachter vom Zustand der Zähne sowie der Wachstumsfugen in Schlüsselbeinen und Händen ab. Dr. Fischer bezeichnete den Afghanen als voll schuldfähig. Das bestätigte die psychiatrische Sachverständige, Dr. Antonia Eben vom Bezirksklinikum in Gabersee – trotz dessen Anpassungsstörung und des leicht- bis mittelgradigen Rausches bei dem Überfall.

Drei Atteste zu den schwerwiegenden psychischen Folgen für die 27-jährige legte Nebenklagevertreter Axel Reiter aus Mühldorf dem Gericht vor. Demnach leidet die Frau bis heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Angst- und Verfolgungsattacken, Schlafstörungen und Ekelgefühlen.

Staatsanwältin Alexandra Karch sah alle Angaben der Nebenklägerin durch die Ermittlungsergebnisse bestätigt. Für den Angeklagten spreche sein Geständnis, seine Entschuldigung und dass er in Deutschland nicht vorbestraft sei. Sieben Jahre Freiheitsstrafe seien angemessen. Opferanwalt Reiter merkte an, seine Mandantin habe ihre Lebensfreude verloren.

Der Verteidiger, Erhard Frank aus Burghausen, sprach von „einer verwerflichen Spontantat“ und hielt eine Haftstrafe von fünf Jahren für ausreichend. Im „letzten Wort“ beteuerte der Angeklagte, er schäme sich sehr für sein Verhalten.

Im Urteil führte Vorsitzender Richter Erich Fuchs aus, das Geständnis habe eine immens hohe Bedeutung. Dadurch sei dem Opfer eine äußerst belastende Vernehmung vor Gericht erspart geblieben. Berücksichtigt habe man eine gewisse alkoholische Enthemmung. Strafschärfend seien die ganz erheblichen psychischen Folgen für die 27-Jährige zu werten und das hartnäckige Vorgehen des Angeklagten, um Befriedigung zu erhalten.

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