Kein Einzelfall

So ganz ohne Café Brosch am Stadtplatz – zugegebenermaßen ein ungewohntes Bild.

Keine Leute, die draußen vor dem Lokal ihren Kaffee trinken oder sich während ihrer Mittagspause etwas von der Tageskarte bestellen. Es hat schon eine Weile gedauert, bis man das realisiert hat, dass am nächsten Tag im Café Brosch nicht wieder alles seinen gewohnten Gang geht. Mir jedenfalls ging es so.

Übrigens nicht der einzige unerwartete gastronomische Leerstand in Waldkraiburg. Denn nur kurz vorher hatte das „Chablis“ geschlossen. Zwei ehemalige Waldkraiburger Kultlokale sind damit zu, die Stühle längst hochgestellt. Die Gründe sind unterschiedlich, aber eins ist klar: Die Gastronomie hat es heutzutage schwer. Die hohen Ansprüche der Gäste und die Kosten auf der einen Seite, die schwierige Suche nach gutem Personal auf der anderen Seite. Auch anderswo müssen aus genau diesen Gründen Lokale schließen. Waldkraiburg ist damit kein Einzelfall. Doch es soll weitergehen, heißt es. Dem Treiben in der Stadt wird es gut tun, keine Frage.

Auch die Stadt will aktiv werden, um der Innenstadt wieder mehr Leben einzuhauchen. Die hohe Zahl der Leerstände trägt nicht unbedingt bei zur Attraktivität Waldkraiburgs als Einkaufsstadt. Ein externer Citymanager soll es schaffen, dass die Innenstadt als besonderer Standort mit hoher Anziehungskraft und Aufenthaltsqualität wahrgenommen wird. Eine leichte Aufgabe wird das sicherlich nicht. Auch Vermieter müssen überzeugt werden. Denn was helfen die besten Konzepte, wenn es am Umsetzungswillen mangelt? Wenn die Investitionsbereitschaft niedrig bleibt, die Mieten aber hoch?

Erste Bereitschaft ist in der Berliner Straße zu sehen, wo an der Ecke zur Teplitzer Straße ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen soll. Ein erster Schritt, die Berliner Straße wieder attraktiver zu machen. Dazu weicht der Stadtentwicklungsausschuss sogar von seiner ursprünglichen Linie ab, das gesamte Areal zwischen Braunauer, Brünner und Teplitzer Straße zu überplanen und so lange keine Einzelvorhaben zuzulassen.

Es ist eine gute Entscheidung, einen Anfang zu machen. Neuer Wohnraum mitten im Zentrum, dazu noch Platz für zwei Gewerbeeinheiten – der geplante Bau ist eine Entwicklung, die der Innenstadt sicherlich wohl bekommt. Er könnte sogar eine Art Initialzündung, ein Startsignal, sein, dass auch andere Eigentümer nachziehen. Doch bei allen weiteren Entscheidungen in diesem Bereich darf die Stadt nicht den Blick auf das große Ganze verlieren. Ein stimmiges Bild ist wichtiger als eine schnelle Umsetzung.

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