Karate beim VfL Waldkraiburg in Zeiten von Corona

Die Mehrzweckhalle in der Dieselschule ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie geschlossen. Während das Gebäude verlassen und leer wirkt, haben die Karateka des VfL Waldkraiburg, die eigentlich in der Halle der Dieselschule trainieren, eine andere Lösung gefunden: Training in der freien Natur.

Waldkraiburg – Erst seit Kurzem dürfen sich Vereinsmitglieder wieder in kleinen Gruppen treffen. Auch wenn Sportarten wie Ringen, Boxen, Karate und andere Kampfsportarten nur mit Partnerkontakt möglich ist, war für dieKarateka des Budokwai jedoch von Anfang an klar. „Wir müssen weitermachen“, erklärt Spartenleiter Konrad Hell. „Natürlich ist das Training mit einem Partner effektiver. Gerade beim Kumite (einem Kampf gegen imaginäre Gegner) braucht man einen Gegner, um gut trainieren zu können. Da dies aktuell leider nicht möglich ist, muss jeder für sich selbst aktiv bleiben“, setzt er fort.

Dass die Männer und Frauen sich trotz Corona nicht davon abschrecken ließen, sich in Form zu halten, kann man aktuell bei ihrem Training im Stadtpark sehen: Strahlende Gesichter und hochmotivierte Sportler in ihren Karate- und Trainingsanzügen lassen die Schattenseiten Coronas für einige Zeit vergessen. Solche sportlichen Aktivitäten sind die ersten Schritte hin zu einer weitgehenden Normalität.

Eineinhalb Stunden Powertraining ist angesagt

Neun Sportler inklusive Trainer trainieren nach langer Zwangspause zum ersten Mal wieder gemeinsam. Unter Anleitung von Trainer Björn Hoffmann (5. Dan Träger) heißt es eineinhalb Stunden Powertraining, das mit der traditionellen Begrüßung beginnt und endet. Mit verschiedenen Lauf- und Dehnübungen wärmen sich die Sportler erst einmal 20 Minuten auf. Dann geht es ans eigentliche Training, bei dem unter anderem verschiedene Bewegungsabläufe geschult werden. Das schöne Wetter und der saftig grüne Rasen sind eine tolle Abwechslung zur Halle.

Seit Anfang Mai durften maximal fünf Personen inklusive Trainer gemeinsam trainieren. Natürlich nur unter Einhaltung strenger Vorschriften. Die Karateka waren kreativ und machten das Beste aus ihrer Situation. „Als wir endlich wieder trainieren durften, stellten wir Markierungen in Form von Fahnen auf der Wiese auf. Dort legten wir Matten aus, auf denen wir unsere Übungen machten. Wir müssen ja den Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten. Jeder durfte sich nur im Bereich dieser Markierung bewegen. Am Anfang waren wir eine kleine private Gruppe von vier bis fünf Leuten. Natürlich war der nahe Kontakt verboten, doch es tat gut, sich nach so langer Trainingspause endlich mal wieder zu sehen“, erklärte Hell.

Kein Körperkontakt aber gemeinsam Techniken trainieren

Körperkontakt ist noch immer verboten, doch seit vergangenem Montag gibt es für die Sportler neue Lockerungen. Sport im Freien ist nun in Gruppen von 20 Personen erlaubt, jedoch nach wie vor unter strenger Einhaltung der bisherigen Vorschriften. Ein Lichtblick sei es allemal, denn dadurch können die Karateka auch trotz Kontaktverbot zumindest wieder gemeinsam Formen, Techniken, Koordination, Kondition und das Mentale trainieren. Dinge, die enorm wichtig für diesen Kampfsport sind.

Bis auf Weiteres trainieren jedoch nur die Erwachsenen. Für die Kinder beginnt das Training vermutlich erst nach den Sommerferien wieder. „Mithilfe von Online-Videos, die man zu genüge im Internet findet und Trainingsbüchern kann jeder sein Training individuell gestalten. Wichtig ist nur, dass man dran bleibt“, erklärt Hell.

Natürlich sind die Trainer für ihre Vereinsmitglieder stets erreichbar, wenn sie Fragen haben oder Rat suchen. Der Austausch ist wichtig. Zur Not über Internet oder Telefon.

Ernst Dörfler, der nach langer Pause mit seinen 68 Jahren wieder auf die Kampfsport-Matte zurückkehrte, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man trotz Corona im Trainingsmodus bleibt. „Ich machte einen Online-Lehrgang. Das Schwierige daran war, dass der Lehrgang in Echtzeit war, sodass man nicht einfach mal zurückspulen konnte. Dieser ist freiwillig und wurde von Wolf Dieter Wichmann über den Budoclub Bremen als Videolehrgang angeboten. Seit wir wieder in kleinen Gruppen trainieren dürfen, bin ich da natürlich auch immer dabei so gut es geht“, erzählt der rüstige Rentner.

Auch andere Sportarten sind hilfreich

Doch nicht nur Online-Videos sollen die Sportler in Form halten, sondern auch andere Sportarten helfen, Fitness und Kondition in Schwung zu bringen. „Radfahren, Wandern, Gymnastik – Hauptsache Bewegung. Man sollte sich immer fit halten und Corona nicht als Ausrede benutzen, dass man angeblich nichts für seinen Geist und Körper tun könne. Platz braucht man auch nicht viel. Man kann zu Hause auf kleinem Raum seine Übungen machen. Das gilt nicht nur für die Karateka, sondern jeder sollte sich das zu Herzen nehmen – egal ob Sportler oder Nichtsportler“, rät Spartenleiter Hell, der die positiven Wirkungen des Sports auf die Gesundheit kennt. Auch wenn die Wettkämpfe für dieses Jahr abgesagt wurden, sei ein kontinuierliches Training sehr wichtig. Selbstdisziplin und Verantwortungsbewusstsein sind das A und O beim Karate.

Ob und wann die Vereine wieder in ihre gewohnten Trainingshallen zurückkehren können wird in naher Zeit entschieden.

Das Ziel ist die Rückkehr zur „Normalität“

Die Kampfsportler um Konrad Hell wünschen sich in erster Linie, dass die Normalität so schnell wie möglich wieder zurückkehrt. Dass ihr Training bald wieder richtig losgeht und sie in ihrer gewohnten Umgebung trainieren können. Mit Partnerkontakt und dem Ziel, sich wieder auf die nächste Prüfung vorbereiten zu können.

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