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Jung und Dynamisch

Dass Waldkraiburg eine junge Stadt mit bewegter Geschichte ist, weiß jeder, der hier lebt und mit offenen Augen durch die Straßen und Parks geht. Da ein Bunkerrest, hier ein Ölberg.

Dazu die Plakate der Stadt, die auf alte Traditionen, Handwerk und Gründerväter verweisen. Und dann wäre da noch ein äußerst rühriger Stadtarchivar, der aus den Schätzen seines Archives immer wieder Interessantes offenbart.

Als Vorstandsmitglied des Fördervereins Stadtmusem ist ihm daran gelegen, die Erinnerung an die Geschichte aufrecht zu erhalten. Und so kommt nun ein Sonderheft im Nachdruck heraus, das sich mit der DSC, der Deutschen Sprengchemie, auf deren Ruinen Waldkraiburg nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, beschäftigt.

Bereits fünf Jahre nach Kriegsende hatte die aufstrebende junge Gemeinde - gegründet von Vertriebenen - ein eigenes Wappen. Das heute herrlich nostalgisch und genauso antiquiert wirkt. Ein echter Heroldskünstler war er eben nicht, der Erste Bürgermeister Waldkraiburgs, Hubert Rösler, der es designt hatte. Das fanden auch die Heraldiker vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Sie, die Wappenkünstler und -kundigen, setzten auf einen Relaunch, also eine Neugestaltung des Wappens und bescherten der späteren Stadt, den Baum mit Wurzeln über dem Zahnrad - alles in gold - auf blauem Grund. Und dieses Hoheitszeichen gilt heute noch - auch wenn es kaum noch zum Einsatz kommt.

Denn Ende der 1990er-Jahre gab es so etwas wie einen weiteren - diesmal inoffiziellen - Relaunch und das moderne, dynamisch geschwungene Waldkraiburger W wurde eingeführt und ist mittlerweile fest in der Wahrnehmung verankert. Es hat das Wappen als Erkennungszeichen verdrängt. Die junge Stadt will eben jünger wirken.

Und das tut sie auch - nicht zuletzt durch ihr Stadtoberhaupt. Robert Pötzsch ist schlank, sportlich und ein jugendlich wirkendener Typ. Über Gegner und Hürden kraxelt er hinweg und Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, schiebt er zur Seite und macht unbeirrt weiter. Um seine Person macht er kein großes Aufheben. Und das kommt gut bei den Bürgern ein.

Zuletzt fiel er positiv auf, als er mit anpackte, um das BFZ als Notunterkunft für bis zu 200 Flüchtlinge herzurichten. Denn die Regierung von Oberbayern hatte den Notfallplan Asyl aktiviert. Seine Familie musste Verständnis haben, dass er den Pfingsturlaub abgesagte. Bis spät in die Nacht baute er mit rund 70 Helfern der Feuerwehr, aus den städtischen Gesellschaften, des BRK, des BFZ sowie Ehrenamtlichen und Freiwilligen die Betten auf, bevor am Pfingstsamstag die ersten Busse aus München eintrafen. Auch als die Asylsuchenden schon da waren, sah man ihn rumwuseln und mithelfen.

336 Flüchtlinge leben nun insgesamt in der Stadt - viel mehr als in anderen Kommunen des Landkreises. Waldkraiburg, die Multi-Kulti-Stadt, einst gegründet von Flüchtlingen, wird ihrer sozialen und humanitären Verantwortung gerecht - ob das den Bedenkenträgern, Xenophoben und Rassisten, die es nun mal überall gibt, passt, oder nicht. Andrea Klemm

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