Auf die Jugend!

„Friday For Future“ – der Klimastreik ist auch nicht mehr das, was er schon mal war.

Gestern ist noch nicht mal Unterricht für die Zukunft ausgefallen. Die Demo-Premiere in Waldkraiburg startete erst am Nachmittag. Kritikern nehmen die jungen Leute damit Wind aus den Segeln. Es geht ihnen nicht ums Schulschwänzen, es geht wirklich um die Zukunft. Die Streiks zur Unterrichtszeit waren dazu da, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Das ist gelungen.

Noch eine Beobachtung: Der Klima-Freitag ist keine U 18-Parade mehr. Jetzt marschieren immer mehr Ü-50-Teilnehmer mit. Gut so, könnte man meinen. Die gute Sache Klimaschutz hat auch die älteren Semester erfasst. Das spricht für den Erfolg der Bewegung.

Ärgerlich, aber vermutlich nur schwer zu verhindern ist, dass immer mehr politische Gruppierungen aufzuspringen versuchen, bis hin zu K-Gruppen – K wie Kommunismus, nicht wie Klimaschutz. Dass unsere Art zu wirtschaften eine ganze Menge mit dem Klimawandel zu tun hat, steht außer Frage. Um das zu erkennen, braucht es gewiss keine Rezepte aus der marxistischen Mottenkiste.

Die „Fridays for Future“-Bewegung tut gut daran, sich so weit wie möglich der politischen Vereinnahmung zu verweigern. Ihr Charme und ihr Erfolgsgeheimnis liegen darin, eine Jugendprotestbewegung zu sein, die die Alten an ihre Verantwortung für die zukünftigen Generationen erinnert und eben nicht Parteien in die Hände spielt.

„Fridays for Future“ – frisch und ohne Flugscham aus dem Urlaub zurückgekehrt, war das gestern für mich persönlich schon der dritte in Serie. Nach einer ausgedehnten Radtour an Neiße, Oder und Spree. Landschaftlich traumhaft. Entschleunigung pur. Und klimapolitisch absolut korrekt, trotzdem – gefühlt – eine Weltreise. Denn erstens wird auch in Sachsen eine Fremdsprache gesprochen. Zweitens war die Stimmung im nahen Osten kurz vor und nach den Landtagswahlen (politisch) so aufgeheizt, als wären wir in der Karibik. Und drittens war wie immer Verlass auf die Bahn.

Schon nach 20 Minuten kapitulierte der Triebwagen der SOB vor den giftigen Anstiegen zwischen Mühldorf und Neumarkt-St. Veit, blieb einfach stehen und erreichte mit großer Verspätung das Tor zum Rottal. Neun Stunden Anreise – diese optimistische Prognose des Mobilitätsspezialisten hatte sich bereits zu diesem Zeitpunkt zerschlagen. Da ist man schneller in New York. Erst die Nostalgie-Dampflok in der Lausitz, die einige Tage später mühelos die Steigungen ins Zittauer Gebirge nahm, hat uns den Glauben an die Zukunft der Schiene wieder geschenkt.

Jugend ist Zukunft. Dafür steht auch ein neues Umwelt-Bildungsprojekt, das der Bund Naturschutz zusammen mit dem Landratsamt und den Schulen umsetzt. Die ersten „Prima Klima Kids“ – so der Name des Programms – gibt’s an der Graslitzer-Grundschule in Waldkraiburg. Spannend und spielerisch wurden die Kinder da ans Thema Klimaschutz herangeführt. Man kann nicht früh genug damit beginnen, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.

Jugend ist Zukunft. Der Slogan könnte auch von Schulamtsdirektor Hans Wax sein. Es war ja zuletzt nicht ganz einfach, die Schulleitungen in Waldkraiburg zu besetzen. Jetzt sind Wax und seine Kollegen Gabriele Rottmüller wieder rundum zufrieden und freuen sich über die Frischzellenkur. Maria Franz, die neue kommissarische „Last-Minute-Leiterin“ der Beethoven-Grundschule, ist erst 30. Ihr Kollege Alexander Ruß, der mit Beginn dieses Schuljahres ganz offiziell Rektor der Franz-Liszt-Mittelschule wurde, ist 36. Nach einigen Neubesetzungen in den Vorjahren gilt vermutlich: So jung waren die Rektorate der zwei Mittelschulen und vier Grundschulen in Waldkraiburg wohl noch nie besetzt.

Freilich ist Jugend nicht in erster Linie eine Frage des Geburtsdatums, sondern der Einstellung. Darauf machte Bürgermeister Robert Pötzsch aus gegebenem Anlass bei der Einführung der neuen Konrektorin an der Beethoven-Schule aufmerksam. Schulrätin Rottmüller hatte die Schule, die im Juli 50-jähriges Bestehen feierte, „schon fast eine Seniorin“ genannt. Zum Entsetzen des Bürgermeisters. Er geht mit großen Schritten auf den 50er zu. Seine Replik: „Ich fühle mich noch nicht als Senior, sondern im besten Alter.“

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