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W-Seminar des Gymnasiums Gars organisiert beeindruckende Kinovorführung

"Jud Süß": Die Raffinesse der Nazi-Propaganda

Gars/Waldkraiburg - Eine Kooperation zwischen dem Kinocenter Waldkraiburg und dem Gymnasium Gars bescherte über 200 Besuchern eine Geschichtsstunde der besonderen Art. Die Leiterin des W-Seminars "Propagandafilme analysieren" der Q11 des Gymnasiums Gars, Eva Grebe, organisierte eine kommentierte Vorführung des nationalsozialistischen Propagandafilms "Jud Süß" aus dem Jahr 1940 und Cinewood-Geschäftsführer Thomas Rahnert stellte dafür seinen größten Kinosaal zur Verfügung.

"Ich hätte nie gedacht, dass diese Veranstaltung auf ein solch großes Interesse stoßen würde", freute sich Eva Grebe bei der Begrüßung, denn neben rund 30 Lehrern waren 170 Schüler der Garser Oberstufe gekommen. Sie begrüßte auch den Referenten Horst Walther vom Institut für Kino und Filmkultur (Köln), der den Abend mit filmwissenschaftlichen Kommentaren begleitete. Denn der Film "Jud Süß" steht wegen seines antisemitischen und volksverhetzenden Inhalts bis heute unter Verschluss und darf nur öffentlich vorgeführt werden, wenn ein Referent den Film vor- und nachbereitet.

"Jud Süß", der aufwendigste Unterhaltungsfilm der NS-Zeit, handelt vom Aufstieg des Juden Süß Oppenheimer (gespielt von Ferdinand Marian) am Hof des württembergischen Herzogs (Heinrich George) im 18. Jahrhundert. Der Jude, der zum wichtigsten Geld- und Ratgeber des Herzogs wird, nutzt seine Position in allen Bereichen schamlos aus und begeht zahllose Verbrechen. Der Film endet damit, dass Süß Oppenheimer nach dem Tod des Herzogs vor Gericht gestellt und gehängt wird.

Obwohl sich die Geschichte an einer historischen Figur orientiert, hielt sich Regisseur Veit Harlan nicht an diese Vorlage. Er verfälschte die historischen Zusammenhänge so, dass unterschwellig der Hass gegen die Juden geschürt wird. Gerade die Tatsache, dass der Film nicht offen als Propagandamaßnahme bezeichnet wurde, sondern im Gewand eines eher sentimentalen, mitunter fast kitschigen Spielfilms daherkommt, machte ihn so gefährlich.

Ab 1940 sahen 20 Millionen Menschen diesen Film, darunter viele Kinder und Jugendliche, denen der Film sogar in der Schule vorgeführt wurde. Zum Vergleich: Einer der erfolgreichsten Spielfilme der heutigen Zeit, "Titanic" aus dem Jahr 1997, hatte in Deutschland insgesamt 18 Millionen Zuschauer.

Im Anschluss an die Vorführung, die durch eine anhaltend hohe, fast atemlos anmutende Aufmerksamkeit geprägt war, stellte Referent Horst Walther die perfide Machart des Films an einigen Beispielszenen heraus. Auch die Schüler wurden abschließend noch einbezogen: Sie diskutierten engagiert unter anderem darüber, ob der Film heute, nach 70 Jahren, noch genauso gefährlich sei wie 1940 und es deshalb gerechtfertigt ist, ihn nur unter diesen besonderen Umständen zu zeigen. Auch die Problematik einer Strafverfolgung der für den Film Verantwortlichen wurde thematisiert.

Und schließlich ging man noch der Frage nach, ob auch in der heutigen Zeit eine ähnlich raffinierte Form von Propaganda in Filmen - egal gegen welche Gruppe - auf fruchtbaren Boden fallen würde. Für viele lag das durchaus im Bereich des Vorstellbaren, wobei alle, die diesen Abend miterleben durften, sicherlich die Fähigkeit zu einem kritischen Blick auf das Medium Film mit nach Hause genommen haben werden. hwi

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