Vor 50 Jahren: Beim Müll hat Waldkraiburg Großstadtniveau

Die ehemalige Waldkraiburger Mülldeponie: Während des Krieges bauten hier die Münchner Baufirma Moll und andere Unternehmen Kies ab, mit dem die Bunker des Pulverwerks Kraiburg der Deutschen Sprengchemie errichtet wurden. Nach 1950 wurde die Kiesgrube offizielle Mülldeponie. Stadtarchiv

Waldkraiburg und die Welt – Ganz im Zeichen der Landratswahl steht die Woche vor 50 Jahren in Waldkraiburg und im Landkreis Mühldorf.

In der Stichwahl treffen der CSU-Kandidat Erich Rambold und der Mühldorfer Bürgermeister Josef Federer (SPD) aufeinander. Ausführlich berichtet die Zeitung in der Woche vor 50 Jahren über den Endspurt im Wahlkampf.

Stichwahl: Rambold gegen Federer

Federer erhält prominente Unterstützung. Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel spricht im Waldkraiburger Zappe-Saal, immer wieder von „stürmischem Beifall“ unterbrochen. Federer verspricht den Kundgebungsteilnehmern ein Grundversorgungskrankenhaus in Waldkraiburg oder ein zentrales Großkrankenhaus. CSU-Kandidat Rambold betont in seiner 60. Wahlversammlung, dass die Waldkraiburger Zweigstelle des Gymnasiums in Mühldorf der CSU zu verdanken sei.

Der VfL Waldkraiburg wächst und wächst, um über hundert Mitglieder in einem Jahr. Zwölf Spartenleiter legen in der Jahreshauptversammlung Rechenschaft ab. Und Vorsitzender Peter Schmidt kündigt an, dass bald die 1000-Mitglieder-Marke überschritten wird. Über 1100 Wohnungen, darunter 258 Sozialwohnungen, sollen im Jahr 1970 in Waldkraiburg neu gebaut werden. Das kündigt Bürgermeister Josef Kriegisch an. Der neue Wohnraum für nicht weniger als 4000 Menschen werde aufgrund der dynamischen Ausweitung der Industrie dringend gebraucht.

Gegen den Plan eines Investors, einen Kfz-Großbetrieb in der Stadtmitte, in der Berliner Straße zu bauen, regt sich Widerspruch im Bauausschuss.

Erster ökumenischer Gottesdienst

Kaplan Huber und der evangelische Stadtpfarrer feiern den ersten ökumenischen Gottesdienst an der Realschule. Musikalisch begleitet werden sie von den „Black Brothers“, der Brüder-Band des Klosters Gars.

Weil die Frankiermaschine in der Stadtverwaltung versagt hat, muss ein Bürger Nachgebühr für einen Brief bezahlen. Bürgermeister Kriegisch überweist dem Mann daraufhin 60 Pfennig, aus seinem privaten Portemonnaie, damit weder die Stadt noch der Bürger einen Schaden haben.

Beim Müll „hat Waldkraiburg Großstadtniveau“. Das stellt die Zeitung in einem Bericht über die Abfallentsorgung in der Stadt fest. So wie in München fällt ein Kubikmeter pro Einwohner an, das ist ein Drittel mehr als im bayerischen Landesdurchschnitt. Rund 16 000 Kubikmeter Abfall im Jahr karrt die von der Stadt beauftragte Firma zur großen Müllgrube an der Graslitzer Straße. Die wird laut Stadtbaumeister Frank nur noch zwei Jahre reichen. Dann muss eine neue Lösung für die Entsorgung her, eine Kompostierungs- oder eine Verbrennungsanlage sind im Gespräch.

HistorischerMoment in Erfurt

„Willy Brandt ans Fenster!“, rufen die Erfurter beim Besuch des Bundeskanzlers in der DDR. Das historische Gipfeltreffen mit DDR-Ministerpräsident Willi Stoph stellt den Auftakt der deutsch-deutschen Annäherung im Rahmen der neuen Ostpolitik dar, die mit der SPD-FDP-Bundesregierung unter Willy Brandt im Herbst 1969 begonnen hatte. Die Gastgeber bestehen auf der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR als Voraussetzung für eine Verbesserung der innerdeutschen Beziehungen. Die Verhandlungen bleiben ohne Ergebnis. hg

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