15 Jahre Papstwahl: Erinnerungen und eine Begegnung mit dem Papst

Eine Fotokollage überreichte Dr. Marcel Huber (rechts) an Papst Benedikt XVI. emeritus. Er besuchte 2017 mit Ministerpräsident Horst Seehofer (im Hintergrund seine Frau Karin) den Papst. privat

„Habemus Papam: Joseph Kardinal Ratzinger“: Am 19. April 2005 haben die 115 Kardinäle im Konklave Joseph Ratzinger zum Papst gewählt. Erinnerungen an die Wahl und eine Begegnung mit dem Papst Benedikt XVI.

Waldkraiburg/Aschau/MühldorfDr. Marcel Huber, Landtagsabgeordneter: „Es war ein bewegenden Augenblick, als Kardinalprotodiakon Jorge Estévez auf der Loggia des Petersdoms das Ergebnis verkündete und die Bildzeitung darauf titelte: „Wir sind Papst!“. Noch näher ging mir der Besuch der Delegation der Bayerischen Staatsregierung bei Papst Benedikt zum 90. Geburtstag am 17. April 2017 im Vatikan. Neben Ministerpräsident Seehofer waren nur noch der damalige Kultusminister Dr. Spaenle und ich als Staatskanzleichef dabei. Mein Präsent an Papst emeritus war unter anderem eine Fotokollage aus Au am Inn, auf der eine ältere Schwester und ein Tretharmonium abgebildet waren. Auf meine Frage, ob der Heilige Vater die Schwester noch kenne, war die Antwort des sichtlich gerührten Papstes: „Selbstverständlich, das ist Schwester Ermania, bei der ich Orgelspielen gelernt habe. Meine Mutter hat mich als Bub jede Woche zum Musikunterricht mit dem Radl von Aschau nach Au und wieder zurück gebracht. Das Harmonium schaut genauso aus wie das, auf dem ich gelernt habe!“ Das war kein Zufall, denn das Instrument ist das Originalinstrument, auf dem Joseph Ratzinger gelernt hat. Es wird im Auer Kloster als Erinnerungsstück in Ehren gehalten.“

Christian Mayerhofer, Vorstand Trachtenverein d´Stoabacher: „Wir verfolgten die Wahl vor dem Fernseher mit unseren beiden Kindern. Wir erzählten ihnen, was es mit dem weißen Rauch auf sich hat. Es war eine aufregende Geschichte. Papst Benedikt unterzeichnete im Oktober 2006 bei einer Privataudienz der Gemeinde Aschau die Einladung zur Einweihung unserer Kapelle in Wolfgrub. Der Papst wünschte uns zu diesem Anlass das Allerbeste und Gottes Segen.“

Annette Langner-Pitschmann, Geschäftsführerin Kreisbildungswerk Mühldorf: „Den Nachmittag verbrachte ich in unserer damaligen Wohnung im Frankfurter Bahnhofsviertel. Vom Fenster aus sah man auf eine Kreuzung, die vor allem eines war: Bunt. Nicht nur wegen der vielen rot blinkenden Herzen an den Fassaden, sondern auch wegen der Vielfalt an Milieus und Absichten, die dort unten auf der Straße zusammenkamen. Wenn ich da so hinuntersah, wurde mir immer wieder klar: Die Wirklichkeit ist deutlich größer, als ich es der Übersichtlichkeit halber gerne hätte.

Mein erster Gedanke nach der Papstwahl: Nun haben wir einen, der mag es nicht bunt. Der mag es lieber schwarz und weiß. Als die Bilder vom Petersplatz über den Fernseher flimmerten, spürte ich meinen Zweifel daran, dass dieses Pontifikat mit meinem Blick aus dem Fenster irgendwie zusammengehen würde. Erst kürzlich habe ich in einem von Joseph Ratzinger 1971 verfassten Text den Vorbehalt gefunden, dass der im Gottesglauben unternommene „Sprung aufs Unendliche zu“ notwendigerweise „immer nur in den Verkleinerungen des Menschlichen stattfindet“. Habe ich vor 15 Jahren meinerseits schwarzweiß-gemalt, als ich dem Mann auf dem Balkon unterstellt habe, er leugne die Größe der Wirklichkeit?“

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