23 Jahre Jugendparlament: Was Mühldorf von Waldkraiburg lernen kann

Jugendparlament Waldkraiburg
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Junge Menschen haben in Waldkraiburg schon seit vielen Jahren Gelegenheit, politisch aktiv zu werden - im Jugendparlament.
  • Raphaela Lohmann
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In Mühldorf entscheidet am Donnerstag der Stadtrat über einen Antrag der Grünen, ob es in der Stadt ein Jugendparlament geben soll. Seit 23 Jahren gibt es in Waldkraiburg ein parteipolitisch unabhängiges Gremium, das sich künftig wieder stärker engagieren will. Doch das Gremium muss auch um seine Akzeptanz kämpfen.

Waldkraiburg – In Mühldorf zieht die politische Jugend an einem Strang und macht sich für ein Jugendparlament (Jupa) stark. In Waldkraiburg blickt das Jupa auf eine lange Geschichte zurück. Das Gremium versteht sich als Interessensvertretung und Sprachrohr der Jugendlichen. Von der ursprünglich politisch geplanten Ausrichtung ist heute nicht mehr viel übrig. Das liegt zuletzt auch daran, dass es dem Gremium an Akzeptanz fehlt. Mit einem Mühldorfer Pendant lässt sich das womöglich ändern.

Noch ist in Mühldorf nichts entschieden, doch das Waldkraiburger Jupa blickt aufmerksam in Richtung Kreisstadt. Sollte dort ein parteipolitisch unabhängiges Jugendparlament installiert werden, könnte es auch für die Waldkraiburger Jugendlichen von Nutzen sein. „Mit einem Jupa in Mühldorf könnten sich langfristige Kooperationen ergeben, die auch politisch motiviert sind“, sagt Jupa-Vorsitzender Niklas Renner. Das politische Engagement ist in den vergangenen Jahren zwar in den Hintergrund getreten, soll sich aber wieder ändern. Doch dazu braucht es Akzeptanz.

Jugendliche müssen gehört werden

Das Waldkraiburger Jugendparlament geht auf eine Initiative der ehemaligen SPD-Stadträtin Susanne Engelmann und dem damaligen Jugendreferenten Michael Seidel zurück. Umgetrieben habe sie damals der Geist des „G12“, ein ehemaliges selbstverwaltetes Jugendzentrum in der Stadt. Ziel war es, dass sich die Jugendlichen parlamentarisch einbringen, damit sie stärker gehört werden. „Wir hatten gleich zu Beginn einen guten Vorstand, und Jugendliche aller politischer Couleur haben sich eingebracht“, erinnert sich Susanne Engelmann. Verschiedene Treffen gab es damals, um politisch zu werden. Ein großes Projekt war eine Zeitzeugenbefragung zur Gründung Waldkraiburgs.

Weniger politisch als mit Veranstaltungen wie hier beim Ostereier-Suchen für die Kindergartenkinder aufgefallen ist das Jugendparlament. Das Gremium wünscht sich mehr Akzeptanz und will sich künftig wieder mehr politisch engagieren.

Von den politischen Anfängen des Jugendparlaments ist für Susanne Engelmann nichts mehr übrig. Aber es sei auch schwierig, Jugendliche auf Dauer zu motivieren, dass sie sich einbringen oder auf lange Sicht Mitbestimmung zu schaffen. „Aber ich freue mich, dass es nach 23 Jahren das Jupa immer noch gibt“, sagt Engelmann.

Jetzt haben in Mühldorf die Grünen einen Antrag auf ein Jugendparlament gestellt, über den der Stadtrat am Donnerstag entscheidet. Doch mit der Gründung allein ist es nicht getan. „Ein Jupa bloß auf dem Papier, das nützt nichts. Die Jugendlichen müssen gehört werden, man muss ihre Ideen zulassen“, sagt Charlotte Konrad. Sie war bis Mai als Familien- und Jugendreferentin Ansprechpartnerin für die Jugendlichen. Während ihrer Zeit hat das Jugendparlament eine eigene Satzung bekommen, ein wichtiger Schritt für mehr Strukturen des Gremiums.

Akzeptanz fehlt

Doch sie hat in den vergangenen Jahren die Akzeptanz des Jupas vermisst. „Der Seniorenbeirat ist in der Stadt akzeptiert, das Jupa hingegen wird oft übersehen“, sagt Charlotte Konrad. Das Jupa hätte versucht, sich gesellschaftspolitisch einzubringen, wurde aber zu wenig gehört. Charlotte Konrad nimmt die Stadt in die Pflicht: Man müsse sich auf die Jugendlichen und ihre Ideen einlassen, sie aber gleichzeitig in die Verantwortung nehmen.

Doch auch Jugendlichen sei das Jupa oft kein Begriff, weil sie nur schwer zu erreichen seien. Selbst Christoph Arz, Grünen-Stadtrat und Jugendbeauftragter, war das Jupa kein Begriff, als er 15 Jahre alt war. In einem Arbeitskreis mit seinen jungen Stadtratskollegen Stephanie Pollmann, Monika Ott und Valentin Clemente will er die Jugendlichen unterstützen und ihnen dabei helfen, sich breiter aufzustellen. Dass das Jupa in den vergangenen Jahren einen anderen Schwerpunkt hatte und jetzt wieder politischer werden soll, darin sieht Arz eine der großen Herausforderungen.

Frech sein von Anfang an

Erwartungen an den neuen Arbeitskreis hat auch das Jugendparlament: „Er kann dabei helfen, dass das Jupa an Akzeptanz gewinnt, der politische Wille wäre da gewesen“, sagt Niklas Renner. Über Einladungen zu unterschiedlichen Veranstaltungen würde man sich jedenfalls freuen. Im Jupa wolle man sich neu sortieren, Aktionen planen und sich wieder stärker für unterschiedliche Belange einsetzt. Der 20-Jährige engagiert sich seit fünf Jahren im Jupa, will auch über die Wahlen hinaus im nächsten Jahr noch dabei bleiben.

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Auf mehr Akzeptanz hofft er, wenn es auch in Mühldorf ein entsprechendes Gremium gibt. „Wenn mehr Leute mehr Ideen einbringen, kann man mehr anpacken und es wird leichter, gemeinsam Veranstaltungen zu organisieren.“ Mit aktuell zehn Leuten lasse sich nur wenig planen. Deshalb sei es wichtig für das Jupa, Präsenz zu zeigen. Mit Werbung in eigener Sache auf verschiedenen Social-Media-Kanälen will man Jugendliche für sich gewinnen.

Sein Tipp an die Mühldorfer Jugendlichen: „Sucht das Gespräch mit dem Bürgermeister und seid von Anfang an frech..“ Damit soll es gar nicht erst so weit kommen, dass das Jupa vergessen wird..

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