Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


„Ein Nachtjob ist nix für Luschen“: Die Chefs vom Uschihaus in Tüßling im Interview

Florian und Martin Obereisenbuchner  Betreiber Uschihaus.
+
Florian und Martin Obereisenbuchner sind Gastro-Profis.
  • Andrea Klemm
    VonAndrea Klemm
    schließen

Zwei Brüder, Geschäftspartner seit 25 Jahren und gemeinsam in einem Haus: Martin und Florian Obereisenbuchner erzählen, wieso ihre Partys fast so sind wie daheim und warum man keine 20 sein muss, um noch richtig gut zu feiern.

Kraiburg/Tüßling – Ein WG-Haus mit mehreren Parteien in einer stillgelegten Fabrik. Zwei Brüder, die seit über 25 Jahren Geschäftspartner in der Eventgastronomie sind, leben hier seit sechs Jahren. Mit ihnen zwei Katzen, die geteilt und vergöttert werden. Die Samtpfoten haben heilende Kräfte. Welche Rolle sie beim Bekämpfen des Katers nach einer durchzechten Nacht spielen, erklären Martin und Florian Obereisenbuchner, Betreiber des Uschihauses in Tüßling, im Interview. 

Früher Sudhaus und Wailtl‘s in Dorfen, Stadtsaal, Haberkasten, Wintergarten und Uschibar in Mühldorf und seit zehn Jahren das Uschihaus in Tüßling. Ein bewegtes Gastronomenleben ohne regelmäßigen Schlaf. Wie packt man das noch so – jenseits der 45? 

Martin: Ich fühle mich nicht älter als 25 (zwinkert). Kürzlich bin ich 50 geworden, verändert hab ich mich aber nicht. 

Flo, 48 Jahre: Ich gestehe, wenn unsere Events bis 6 Uhr morgens gehen, dann hab ich hinterher schon einen Jetlag. 

Martin: Ja, die Regenerationsphase dauert ein bisschen länger, als vor 20 Jahren. Man muss dann viel ruhen und schlafen. Dann kommt Mausigrau und schaut nach, ob wir noch leben.

Die heilende Kraft der Katze... 

Martin: Sie bringt Geschenke, tot oder lebendig, tapst mit der Pfote ins Gesicht, um Vitalzeichen zu checken.

Flo: Du bist schlagartig wach, wenn ein Beutetier plötzlich ziemlich lebendig in der Wohnung rumläuft und die Katze es wieder einfangen will. Oder wenn Mausigrau ihren Jammergesang anstimmt oder demonstrativ laut an Papier knabbert. Wenn sie merkt, dass du noch total fertig bist, kommt sie kuscheln und schnurrt. Wir vergöttern diese Diva im grauen Schlafanzug. 

Katze Mausigrau hat die beiden Herren gut im Griff.

Die totalen Katzentypen, also? 

Martin: Absolut. Wir leben in dieser ehemaligen Fabrik, jeder hat seine Wohnung und damit seine Privatsphäre. Nur die Katzen haben uneingeschränkten Zutritt zu den Privatgemächern. 

Flo: Ins Gemeinschaftsbüro dürfen sie nicht. Da kommst sonst nicht zum Arbeiten. Beim Umbau hier im alten Käppner-Haus haben wir natürlich Katzenklappen eingeplant. 

Und die zweite Katze? 

Flo: Der Rudi kam über Umwege zu uns, während Mausigrau auf unserer Couch, damals noch in Mühldorf, geboren wurde. Der Rudl ist langhaarig und wuschlig und drollig. Er hält sich für eine Topfpflanze und findet Blumentröge furchtbar spannend. Fangen tut der aber nix, also Mäuse oder so. 

Kater Rudi.

Ungewöhnlich ist, dass sich zwei Brüder nach so vielen Jahren noch so gut verstehen, dass sie ein Geschäft miteinander führen und zusammen wohnen können! 

Flo: Wir haben schon auch unsere Auseinandersetzungen, oft lautstark und sehr anstrengend. Wir sind recht unterschiedlich, aber als Team eine Weltmacht. Der Erfolg gibt uns recht. 

Martin: Und wir ergänzen uns gut. Mein Bruder ist ein handwerklich begabter Allrounder. Wie ein MacGyver. Ist gelernter Koch und Kfz-Meister – sehr hilfreich! 

Flo: Und mein Bruder ist hier der Steuerberater, Grafiker, Texter, Social-Media-Beauftragter. Fehlt nur noch Singer-Songwriter. Nein, bitte verschon‘ mich (lacht). 

Wann passiert die meiste Arbeit? 

Flo: Den größten Stress haben wir tatsächlich unter der Woche, während der Vorbereitungsphase. Die Organisation, dass alles reibungslos läuft, nimmt den größten Part ein. Und die vorausschauende Planung. 

Gegenentwurf zur schnieken Clubszene

Martin: Da ist es fast entspannend, wenn wir am Samstagabend die erste Astra-Knolle und den ersten Pfeffi an der Bar zusammen trinken, um den Druck etwas entweichen zu lassen. Dann muss eh alles von selbst laufen und wir haben ein gutes Team an Mitarbeitern, das dann operativ übernimmt. 

Das Uschihaus in Tüßling.

Ihr habt Euch auf den Eventbereich spezialisiert? 

Flo: Früher machten wir vieles, Tagesgastronomie und Events zeitgleich. Als wir vor zehn Jahren das ehemalige „Blaue Haus“ kauften und umbauten, wollten wir nur alle drei Wochen ein Event machen, weil wir ja auch noch die Uschibar in Mühldorf hatten. Aber die Nachfrage des Publikums nach den Partys war enorm. So folgte die Spezialisierung. 

Wie unterscheidet sich Euer Konzept von anderen? 

Martin: Wir wollten einen Gegenentwurf zur schnieken Clubszene, die mehr Schein als Sein ist. Party feiern, wie daheim – das war die Grundidee. Dafür eignet sich das Uschihaus, die alte Bahnhofsvilla mit den unterschiedlichen Räumen – wie etwa Roter Salon, Kaminzimmer, Hip-Hop-Wohnzimmer und auch Veranda und Lustgarten. Wie die privat anmutenden Feten, die man aus Berliner Stadthäusern kennt. 

Als Betreiber arbeitet Ihr auch mit Kooperationen. 

Flo: Wir holen uns namhafte Partner ins Boot. Regionale Größen, wie Club Finest, Sonnengruß, Skia Skia Skia oder Halli Galli Drecksound aus München. Die Vielfalt schätzen unsere Gäste und die Acts locken unterschiedliches Publikum an. 

Stichwort Musik – worauf kommt es hier an? 

Martin: Der 90er Jahre und 2000er Boom kommt uns sehr entgegen. Das war unsere Zeit, in der wir unterwegs waren. Bei unseren Events gibt es kaum bis null Charts. Wir mögen auch Undergroundige Sachen. Einfach alles, was geil ist und war, hat seinen Platz im Uschihaus. 

Wie wichtig ist der DJ?

Flo: Die DJ-Kontakte muss man pflegen, fast wie Freundschaften, auch deren Gigs in anderen Häusern besuchen. Da erlebt man das Können – aus Sicht eines Gastes. Die DJs heutzutage sind ja schon (fast) ausgebildete Toningenieure und mischen wie Profis. 

Martin: Ein guter DJ muss einen Spannungsbogen aufbauen mit wechselnden Tempi. Wir legen darauf Wert, dass es höchste Qualität mit außergewöhnlich tanzbarer Musik gibt. Das junge Partyvolk will „eskalieren“, also maximale Ausgelassenheit zelebrieren. Das bedienen wir mit dem allergrößten Vergnügen. 

Welcher ist der größte Fehler, den der Typ an den Turntables machen kann? 

Flo: Den Spannungsbogen zu früh überreizen, sein Pulver zu schnell verschießen. 

Die Party geht weiter – 30 ist das neue 20

Dann fällt die Erregungskurve und die Tanzfläche wird leer. Schlecht ist es auch, wenn ein DJ auf dem Selbstverwirklichungstrip ist und nur das Zeug spielt, das ihm gefällt. Daumen runter! 

Was, wenn ein Abend mal nicht die gewünschte Resonanz hat?

Flo: Das kann vorkommen, beispielsweise bei Blitzeis, Nebel des Grauens, wenn‘s „Hacke schneibt“ oder zu Sommeranfang bei Grill-Mania. 

Martin: Gerade an so einem Abend ist es wichtig, dass die treuen Gäste besonders gebauchpinselt werden. Dann gewinnst du – selbst an so einem Abend. 

Was ratet Ihr künftigen jungen Gastronomen, die Euren Weg einschlagen wollen? 

Martin: Eine kultige Location suchen mit Vorgeschichte, denn kultig ist zeitlos. Eine Diskotheken-Konzession muss drauf sein, denn die bekommt man immer schwieriger und ist mit immensen Baukosten und Auflagen verbunden. Brauereifrei ist wichtig, denn das sind meist Knebelverträge. 

Flo: Konzeptmäßig gilt es, den Zeitgeist zu treffen – aber mit klarer, eigener Handschrift. Gut ist: nur nicht normal, denn das haben die Leute in Büro und Alltag. Also: Trau dich was, sei ruhig etwas verdreht, aber verlier nie die Bodenhaftung und überfordere dich und deine Gäste nicht. 

Wie feiert man heute ab 30? 

Martin: 30 ist das neue 20. Man feiert selektiver und etwas anspruchsvoller. Neben der Location stehen Gästemischung und Musik im Vordergrund.

Flo: Man erwartet den Spagat zwischen aktuelleren Songs und Retro-Klassikern. Nicht einfach, aber gutes DJs bekommen das hin. Ist die Tanze voll, freut sich auch der Mensch über 30. 

Und was ist jetzt Euer Geheimnis? Wie bleibt Ihr jung? 

Flo: Der Job zwingt uns, jung zu bleiben. Man muss das Partyvolk verstehen und sich reinfühlen können. Im besten Fall mag man denselben Style. Wenn man den Job ein bissl versteht, ist er super. Wenn nicht, leidet man. 

Wie lange wollt Ihr das noch machen? Ihr mögt Euch wie 25 fühlen, seid aber doppelt so alt... 

Martin: Um es mit Hoeneß‘ Worten zu sagen: Wenn es am schönsten ist, sollte man sich Gedanken machen, wie es weiter geht, mit einer Nachfolge. Wir haben keine Kinder. Uns liegt es am Herzen, dass der Laden mittelfristig in dem Geiste weiter geführt wird, den man erwartet. 

Flo: Klar würden wir das am liebsten bis zur Rente machen. Aber, um beim Sport zu bleiben: Wenn man ganz oben ist, sollte man das Verletzungsrisiko eindämmen, seinen Körper schützen und vielleicht in die Hobbymannschaft wechseln.

Da spricht der Eishockey-Spieler. 

Flo: Stimmt. Ich hab früher unter anderem beim EV Landshut und in der DEB Juniorenauswahl gespielt. Ich war ein gefürchteter Abwehrrecke (grinst). Bei den Auswärtsspielen brüllten die gegnerischen Fans, „Obereisenbuchner, du bist so mies, wie dein Name lang ist“. Der hat ja kaum aufs Trikot gepasst. 

Und heute? 

Flo: Spiel ich beim EC Grizzly‘s in Waldkraiburg. Wir sind eine Hobbymannschaft mit einigen ehemaligen Profis. Ja, auch das Training und die Spiele halten mich fit und jung. Manchmal geh ich sonntags nach einer Party gar nicht ins Bett, sondern fahre gleich zu einem Turnier. 

Gut gegen Kater? 

Flo: Der Sport hilft. Im Sommer geh ich Segeln. Da kann ich mal ankern und mich ausruhen. 

Martin: Mein Tipp zur Vorbeugung gegen Kater: Rohe Weißwurst um 8 Uhr morgens – mit Ketchup. 

Welchen Tipp habt Ihr noch, um eine Partynacht zu überstehen?

Martin: In meiner St. Pauli- und Schanzenzeit – ich war mal in Hamburg liiert – hab ich mir angewöhnt, nach jeder Knolle und jedem Kurzen, ein Selters auf Ex zu kippen. 

Klingt nach ’nem verdammt harten Job. Ist der förderlich fürs Privatleben? 

Martin: Tja, ein Nachtjob ist nix für Luschen. Unsere Freundinnen müssen schon gute Nerven haben. Ganz einfach ist das nicht, mit diesem Beruf. Meine Ex hat mir mal ’nen Magenschwinger gegeben, weil ich ihr zu lange mit ’ner Tänzerin gequatscht habe (schmunzelt). 

Flo: Die Meinige watscht mich auch ab und an. Vor allem, wenn sie mich heimlich beim Rauchen auf der Freiluft-Veranda erwischt. 

So so. 

Flo: Ich vertrag die Raucherei eigentlich gar nicht. Es beruhigt halt mein Gemüt. Wenn sie mir die Fluppe aus’m Gesicht schlägt, sieht die Frau gefährlicher aus, als sie ist (grinst).

Kommentare